| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Krieg den Höfen?

Düsseldorf: Krieg den Höfen?
Nicht immer ist die Bebauung eines Hinterhofes so gelungen wie beim Haus Buddenberg an der Tannenstraße in Derendorf. FOTO: Buddenberg-Architekten
Düsseldorf. Düsseldorf braucht dringend mehr Wohraum. Weil der Platz rar ist, werden immer mehr Hinterhöfe bebaut. Viele Bürger stellen dieses Prinzip in Frage. Sie fordern neue Baugebiete auf der grünen Wiese. Von Torsten Thissen

Es war in der September-Sitzung der Bezirksvertretung 2, als Annelies Böcker schließlich der Kragen platzte. Nun muss man sagen, dass dies nicht gerade selten vorkommt, aber diesmal war es wirklich ernst: Alleine über fünf Hinterhof-Bauvorhaben in Flingern und Düsseltal sollten die Stadtteilpolitiker in der Sitzung entscheiden, und alle wurden wohlwollend von der Verwaltung vorgestellt, immer unter der Prämisse: Düsseldorf braucht dringend Wohnraum.

"Mir scheint es, als ob mit diesem Argument heute alles möglich wäre. Hier werden auf Teufel komm raus Hinterhöfe bebaut, ohne wirklich nachzudenken, was wir hier eigentlich genehmigen", sagt Böcker. Die CDU-Politikerin plädiert schon lange dafür, den Hinterhöfen im Bezirk 2 ein Stück ihre Freiheit zu lassen. Man müsse auch an die klimatischen Auswirkungen ungehemmter Bebauung denken, sagt sie. Außerdem: "Unsere Aufgabe als Politiker kann es ja nicht sein, dass sich Investoren eine goldene Nase verdienen, indem sie noch die letzte Ecke zubetonieren. Wir müssen schauen, was für die Stadt auf Dauer das Beste ist."

Keine neuen Stadtteile

Böcker stellt den Grundsatz "innen vor außen" in Frage. Der beschreibt, das stadtplanerische Credo der Nachverdichtung in den bereits bestehenden Quartieren aus der Gründerzeit. Freiflächen auf der Grünen Wiese, neue Stadtteile gar, wie sie in den 60-er und 70-er Jahren entstanden, wollen die Stadtplaner trotz erwarteten Bevölkerungszuwachs in Düsseldorf vermeiden. Sehr zum Ärger auch von den Grünen im Bezirk 2.

Deren Vertreter Harald Schwenk spricht sich zwar nicht grundsätzlich gegen die Bebauung von Hinterhöfen aus, aber er wünscht sich eine Verbesserung der Verhältnisse. "Wenn es darum geht, einen ohnehin schon zubetonieren Garagenhof durch eine Bebauung aufzuwerten, bin ich dafür", sagt er.

Oft führe die Bebauung jedoch zu einer weiteren Versiegelung von Flächen, gerade durch den Bau von Tiefgaragen. "Wirkliches Grün kann keinen Fuß mehr fassen, wenn unter einer dünnen Schicht Gartenerde gleich der Beton kommt." In der BV 2 sind deswegen schon Bauvorhaben mit der Bitte um Nachbesserung abgelehnt worden. Sehr zum Ärger der Verwaltung und des Investors.

Politiker fordern Regionalplan

Auch im Bezirk 4 sieht man die Nachverdichtung und Hinterhofbebauung eher kritisch. Bezirksbürgermeister Rolf Tups etwa sagt, dass er das Konzept "innen vor außen" für überholt hält.

"Wir werden die Wohnungen, die wir in den nächsten Jahren brauchen, nicht im Bestand bauen können", sagt er. Zumal das Bauen in Höfen auch teurer ist. Es ist schlicht weniger Platz vorhanden, jeder Bauplatz braucht individuelle Planung, wie viel einfacher wäre es doch, wenn man auf der Grünen Wiese Häuser aus einem Guss bauen könnte, fragt Tups.

Für Harald Schwenk fehlt zudem ein Gesamtkonzept der Region, das städteübergreifend versucht, dem Mangel an Wohnungen in Düsseldorf Herr zu werden. "Eigentlich bräuchte es einen Regionalplan, der das Wachstum in Düsseldorf berücksichtigt." Dazu gehöre dann aber auch ein passendes Verkehrskonzept.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Krieg den Höfen?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.