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Düsseldorf
Beschleunigtes Strafverfahren: Vier Diebe seit März zwei Mal verurteilt

Kriminalität Düsseldorf: Schnellere Verfahren vor Gericht
Sie stehen bei der Staatsanwaltschaft rund um die Uhr für die schnellen Verfahren als Ankläger bereit: Vera Schwartenecker und Michael Mühlbauer. FOTO: A.Orthen
Düsseldorf. Eins ist sicher: Dass in Düsseldorf seit dem Frühjahr die Möglichkeit genutzt wird, in bestimmten Fällen, ein beschleunigtes Verfahren mit Haft bis zum Prozesstermin anzuwenden, hat in der Täterszene für Verunsicherung gesorgt.

Wer früher nach der Festnahme nach Hause entlassen wurde und die spätere Gerichtsvorladung einfach ignorierte, findet sich seitdem für maximal eine Woche in sogenannter Hauptverhandlungshaft. "Das sind die aggressivsten Insassen der Justizvollzugsanstalt", sagt Polizeipräsident Norbert Wesseler, "weil sie nicht damit gerechnet haben, eingesperrt zu werden."

Raub, Betrug, Diebstahl: Kriminalität in der Altstadt FOTO: Christoph Göttert

133 Kandidaten haben Wesslers Beamte seit März der Staatsanwaltschaft für den schnellen Prozess vorgeschlagen, für 14 zogen die Ankläger den normalen Weg vor. Von den 119 anderen ist keiner freigesprochen worden, für rund die Hälfte endete das Verfahren mit Freiheitsstrafen, von denen auch welche ohne Bewährung verhängt wurden.

"Ein Zeichen, dass die Auswahl der in Frage kommenden Beschuldigten gut läuft", sagt Amtsgerichtspräsidentin Angela Glatz-Büscher, die betont, dass auch im beschleunigten Verfahren alle Grundsätze des Rechtsstaats beachtet würden. "Es wird genauso gründlich ermittelt und geurteilt wie immer – nur die Zeit zwischen Festnahme und Prozess ist kürzer."

Auch Verteidiger und Dolmetscher stehen parat, letztere wurden in mehr als 100 der bisherigen Fälle benötigt. Im Gericht sind zwei Richterinnen für die schnellen Fälle abgestellt, und auch die Staatsanwaltschaft hat zwei Sonderdezernenten eingesetzt. "Wenn das in dieser Schlagzahl weitergeht, müssen wir den Dienstplan ändern", sagt der Chef der Staatsanwaltschaft Thomas Harden, als die drei Behördenchefs gestern ein zufriedenes erstes Fazit zogen

Jetzt soll geprüft werden, ob der schnelle Prozess auch für Fußball-Straftäter möglich ist, damit die gleich nach der Randale für eine Woche hinter Gitter kommen könnten. Streng genommen wurden nur 115 Täter seit März so zügig verurteilt. Vier von ihnen hatten dabei den Begriff Bewährung falsch verstanden. Bei ihrem zweiten beschleunigten Termin wurden sie in Haft geschickt.

Mehr zu dem neuen Verfahren lesen Sie hier. 

(sg)
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