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Düsseldorf
"Kriminelle Karrieren werden hier fortgesetzt"

Video: Stimmung im sogenannten "Maghreb-Viertel"
Düsseldorf. Bei der Razzia im Maghreb-Viertel wurden fünf Personen gefunden, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Szenekenner sehen weiteres Gefahrenpotenzial. Die Stadt kann nur wenig machen. Von C. Herrendorf, D. Richters und U.-J. Ruhnau

Wie ist der aktuelle Stand der Ermittlungen?

Alle 40 Männer, die die Polizei während der Razzia am Wochenende vorläufig festgenommen hatte, sind wieder auf freiem Fuß. Bei 38 von ihnen bestand der Verdacht, dass sie sich illegal in Deutschland aufhalten, weil sie keine oder unvollständige Papiere hatten. In einem weiteren Fall lag eine Abschiebeverfügung vor, der Betroffene hat inzwischen einen Asylantrag gestellt. Ein weiterer Mann wird verdächtigt, als Hehler gearbeitet zu haben. Bei 33 der 38 Verdächtigen steht inzwischen fest, dass sie sich im Asylverfahren befinden, bei den übrigen fünf besteht der Verdacht des illegalen Aufenthalts fort. Oberbürgermeister Thomas Geisel: "Der Einsatz war richtig und im Interesse der dort lebenden, unbescholtenen Migranten, die sich selbst schon besorgt geäußert haben und nicht unter Generalverdacht geraten möchten."

Warum bleiben die Verdächtigen nicht in Haft?

Großrazzia im "Maghreb-Viertel"

Der Verdacht des illegalen Aufenthalts, also der Verstoß gegen die Pflicht, sich ausreichend ausweisen zu können, reicht als Haftgrund nicht aus. Die Männer erhalten von der kommunal zuständigen Behörde (Ausländeramt) die Aufforderung, sich bei der zentralen Behörde in Dortmund zu melden. Dort soll festgestellt werden, ob sie registriert sind. Laut Ordnungsdezernent Stephan Keller ist es wegen des hohen Flüchtlingsaufkommens schwieriger geworden, solche Fragen zu klären. Früher habe bei Ausländern in der Regel ein Blick ins Zentralregister gereicht.

Was kennzeichnet die jungen Männer, die jetzt ins Visier der Polizei geraten sind?

Die schon lange hinter dem Hauptbahnhof lebenden Marokkaner sind auf ihre meist jungen Landsleute nicht gut zu sprechen, da sie auch die eigenen Familienmitglieder bedrohen sowie Niveau und Image des Viertels massiv schädigen. Ihrer Auskunft nach handelt es sich bei den aggressiven Neuankömmlingen um junge Erwachsene aus Städten wie Casablanca und Agadir sowie aus dem südlichen Marokko. "Da sind jetzt die Straßen leer, weil diese Leute nach Deutschland gekommen sind", sagt einer der Anwohner aus dem Maghreb-Viertel. In ihrer Heimat hätten sie nichts anderes getan als jetzt hier: Taschendiebstähle verübt und Räubereien begangen. Viele von ihnen hätten nur eine schlechte oder keine Schulbildung und nun die Flüchtlingsbewegungen in Europa ausgenutzt. "Die fliegen von Casablanca nach Istanbul, besorgen sich da einen syrischen Pass und machen sich dann auf den Weg nach Deutschland." Hier setzten sie ihre kriminellen Karrieren fort. Es sei jedoch auch kein Problem, in Düsseldorf einen syrischen Pass zu erhalten, diesen gebe es bereits für 50 Euro.

Welche weiteren Gruppen sind auffällig rund um den Hauptbahnhof?

Arabisch sprechende Kenner der Szene befürchten, dass sich ein weiteres Gefahrenpotenzial auch in Düsseldorf bündelt. Unter den Schleppern auf den Booten seien IS-Angehörige, wie Videos zeigten, und Kämpfer unterschiedlicher Art befänden sich auch in Düsseldorf in Unterkünften. Es sei nun die Frage, wann sie sich wie vernetzten. Nicht wenige der ehemaligen Kämpfer seien drogenkrank und aggressiv, viele verfügten über Messer und nutzten sie bei Streitigkeiten auch. Auffällige Häufungen von Straftaten gibt es laut Polizei zurzeit aber nicht. Berichtet wird auch von einem Café hinter dem Hauptbahnhof, wo die Entsendung von Kämpfern nach Syrien besprochen werde.

Welche Möglichkeiten hat das Rathaus, im Viertel einzugreifen?

Die Möglichkeiten sind gering. Mit Blick auf die Geschäfte kann die Stadt nur intervenieren, soweit es sich um ordnungspolitisch reglementierte Geschäftsbereiche handelt, etwa Wettbüros, Spielhallen oder Erotikshops. Auch mit den Instrumenten des Wohnungsamtes gibt es nach Angaben des zuständigen Dezernenten Burkhard Hintzsche kaum Steuerungspotential, weil sich um das Maghreb-Viertel herum kein nennenswerter geförderter Wohnungsbestand befindet.

Quelle: RP
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