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Interview mit Jacques Tilly
"Kritik und Satire sind Trump egal"

Interview mit Jacques Tilly: "Kritik und Satire sind Trump egal"
Eine Idee aus Jacques Tillys Zeichenmappe, in der Trumps Sieg seinen Niederschlag in der aufgespießten Miss Liberty findet. Statt "Make Facism great again" heißt es nun "The Winner takes ist all". FOTO: Jacques Tilly
Düsseldorf. Der Düsseldorfer Wagenbauer entwirft erst nach der Amtseinführung den nächsten Trump-Wagen - es ist Nummer drei. Für ihn ist klar: Trump wird bis zum Februar genug Stoff liefern. Von Uwe-Jens Ruhnau

Wer Menschen Gewalt antut, sie unterdrückt, beleidigt oder indoktriniert, hat in Jacques Tilly einen erklärten Feind. Am Rosenmontag und beim neu angesetzten Zug im März zeigte der Wagenbauer dieses Jahr bereits, was er vom neuen US-Präsidenten hält. Wir sprachen mit ihm über Donald Trump und ob er für 2017 schon eine Idee hat - für Trump-Wagen Nummer drei.

Donald Trump wird US-Präsident. Wie sehen Sie das?

Tilly Ich sehe vor allem seit drei Monaten in sein Gesicht. So lange schon hängt ein Trump-Bild bei mir am Schreibtisch, damit ich mich an dieses Konterfei gewöhne. Ich schaffe es aber nicht, jedes Mal ist es für mich ein Schock.

Wie, Sie sind wirklich seit drei Monaten davon ausgegangen, dass Trump die Wahl gewinnt?

Tilly Ja. Ein Freund von mir ist oft in den USA und hat mir gesagt, dass die Amerikaner ihn wählen. Für uns mag es unglaublich sein, aber Nationalismus, Hass, Lügen, Brutalität und Beleidigungen sind dort kein Grund, jemanden nicht zum Präsidenten zu wählen. Amerika ist nicht Europa, dort ist das Bildungssystem nicht so gut, und auch die Medien haben eine andere Qualität. Viele Amerikaner zweifeln die Evolution an, andere glauben, die Erde ist erst 6000 Jahre alt - da haben die Sumerer das erste Bier gebraucht. Es ist nicht zu fassen.

Erster Wagen 2016: Das blaue Auge in Iowa stammt aus den Vorwahlen, bei der US-Wahl holte Trump den Staat. FOTO: Jacques Tilly

Sie haben zwei Rosenmontagswagen zu Trump gebaut. Hat wohl nichts genutzt.

Tilly Dabei hat George Takei, der Mr. Zulu aus dem Raumschiff Enterprise, den Trump-Wagen, der den neuen Präsidenten als Arsch mit Ohren zeigt, gepostet. Der Mann hat zehn Millionen Freunde auf Facebook, aber das reichte nicht.

Wie geht Trump mit Kritik und Satire um?

Tilly Die sind ihm beide völlig egal. Das prallt an ihm ab. Da ist selbst Putin anders, der legt zumindest Wert auf ein Image, das einigermaßen akzeptabel ist. Aber Trump? Je härter man ihn attackiert, desto mehr fühlt er sich bestätigt. Es ist bezeichnend, dass ihn der Ku-Klux-Klan und die nationale Waffen-Vereinigung zu ihrem Kandidaten erklärt haben.

In seiner ersten Rede hat Trump Versöhnungssignale ausgesendet.

Tilly Ich glaube ihm kein Wort. Der Mann ist weder lernfähig noch will er etwas aufnehmen. Ich gehe davon aus, dass er nicht wirklich Präsident sein will. Er will siegen, sonst nichts. Regieren ist aber harte Arbeit. Es ist eine Schande, dass eine kompetente und sehr gut auf das Amt vorbereitete Frau gegen einen solchen Mann verloren hat. Irgendwann werden die Amerikaner vielleicht merken, dass sie sich verwählt haben.

Der zweite Wagen 2016: der Kandidat als "Arsch mit Ohren". Er konnte auch ohne Aufschrift erkannt werden... FOTO: Jacques Tilly

Wie sieht denn der Trump-Wagen beim nächsten Rosenmontagszug aus?

Tilly Da mache ich mir bis zum 20. Januar keine Gedanken drüber. Da wird er ins Amt eingeführt. Rosenmontag ist Ende Februar. Bis dahin wird er mit Sicherheit einige Klöpse produzieren, und die nehme ich mir dann vor.

Quelle: RP
 
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