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Düsseldorf
Küster stellt Opferstock-Diebe

Düsseldorf: Küster stellt Opferstock-Diebe
Küster Michael Hoppe vor dem Opferstock, den die dreisten Diebe immer wieder mit Hilfe eines selbst gebastelten Werkzeugs leerten. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. In der Sakristei von St. Gertrudis hatte sich Küster Michael Hoppe in dieser Woche auf die Lauer gelegt. Ein lohnender Einsatz, denn am Ende kamen nachmittags genau die, auf die er gewartet hatte: ein Ehepaar (30 und 32 Jahre alt) - nach Polizeiangaben mit südosteuropäischem Hintergrund -, das alles andere im Sinn hatte als zu beten. Von Jörg Janssen

Das Werkzeug der beiden: ein mit Fliegenfänger-Klebeband präparierter Metallstab, mit dem sie Spendengeld aus dem Opferstock fischten. Dass es in der Kirche eine sichtbare Videoüberwachung gibt, schreckte die beiden Unmaskierten offenbar nicht ab. In die Gertrudiskirche kamen sie nicht zum ersten Mal - wie die sichergestellten Aufnahmen belegen. "So etwas Dreistes ist mir noch nicht passiert", sagt Hoppe (51), seit 16 Jahren Küster in Eller.

Die Polizei hat das wegen gemeinschaftlich begangener Eigentumsdelikte einschlägig bekannte Paar am Dienstag vorläufig festgenommen. Pfarrer Joachim Decker geht davon aus, dass es sich um das gleiche Pärchen handelt, das unter anderem in der Benrather St. Cäcilia-Kirche mit der gleichen Masche Geld geklaut hat.

Der Seelsorger schätzt, dass allein in der Gertrudiskirche im Laufe der Zeit "mehrere Hundert Euro" gestohlen wurden. "Dieses Opfer- und Kerzengeld ist für unseren Sozialladen und für Menschen in schlimmen Notsituation gedacht", sagt Decker. Das Argument, wenn Arme sich ein paar Groschen nähmen, die eh für sie bestimmt seien, sei das nicht gar so schlimm, lässt er nicht gelten. "Als Priester könnte ich damit leben, wenn jemand so etwas in einer einmaligen Ausnahmesituation macht, aber dieses Paar ist viel zu weit gegangen. Und ob es arm ist, kann man bezweifeln. So weit wir wissen, zahlte es das Geld auf ein eigenes Bankkonto ein."

Die meisten katholischen Kirchen in Düsseldorf sollen weiterhin mehrere Stunden am Tag öffnen. "Gott wendet sich den Menschen zu, deshalb müssen Kirchen offen sein", sagt Kirchensprecher Michael Hänsch. Freilich könnten ehrenamtliche Kirchenwachen oder mit Glas und Gittern abgetrennte Vorräume helfen, Diebstahl und Vandalismus zu vermeiden.

Quelle: RP
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