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Düsseldorf
Kultur sorgt sich um Sponsoren

Düsseldorf: Kultur sorgt sich um Sponsoren
Johannes Teyssen (l.), Vorstandsvorsitzender von Eon, und Kunstpalast-Generaldirektor Beat Wismer vor einem Gemälde von Charles Ferdinand Wimar FOTO: End
Düsseldorf. Der Energiekonzern Eon wackelt als Förderer des Kunstpalasts, dadurch droht dem Museum eine erhebliche finanzielle Lücke. Das Geld von Unternehmen ist für die Kultur wichtig - und immer härter umkämpft. Von Arne Lieb

Der Kunstpalast muss weiter um seinen wichtigsten Sponsor bangen. Der kriselnde Energiekonzern Eon will erst im ersten Quartal 2016 bekanntgeben, ob er die Partnerschaft über 2017 hinaus fortsetzt - oder ob das größte städtische Kunstmuseum mit erheblich weniger Geld planen muss. Eine Nachfrage in der Sitzung des Kuratoriums blieb unbeantwortet. Erst kürzlich hatte die Metro ihren Abschied verkündet, damit fehlt bereits ein sechsstelliger Betrag pro Jahr. Ein Ausstieg von Eon - da sind sich alle Beteiligten einig - wäre für das Museum eine Katastrophe. Das Kunsthaus hat bereits ein striktes Sparprogramm hinter sich. Es droht eine spürbare Einschränkung des Angebots.

Lange galt die Zusammenarbeit zwischen Konzern und Stadt als Paradebeispiel für Kultursponsoring. Seit 2001 wird das Museum in einer öffentlich-privaten Partnerschaft betrieben. Der Energiekonzern, dessen Zentrale neben dem Kunstpalast liegt, gibt derzeit pro Jahr 750.000 Euro plus Geld für Sonderausstellungen - etwas weniger als früher. Von der Stadt erhält das Museum einen Zuschuss von 7,2 Millionen Euro. Kürzlich hatte Eon verkündet, seine Zentrale nach Essen zu verlegen, in Düsseldorf soll nur die Abspaltung Uniper verbleiben. Ob die Museums-Partnerschaft unter diesen Vorzeichen eine Zukunft hat, gilt als ungewiss.

Der Kunstpalast ist nicht die einzige Kultureinrichtung, die um Sponsoren bangen muss. Die Oper wird seit 2010 von der WGZ-Bank mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt. Die Oper verwendet das Geld zum Beispiel für Gastspiele, als Gegenleistung beteiligt sie sich etwa an der Gestaltung des Geschäftsberichts. Die Genossenschaftsbank hat eine Fusion mit der in Frankfurt am Main ansässigen DZ-Bank angekündigt. Der Sponsorenvertrag läuft im Sommer 2016 aus. Die Oper ist aber optimistisch, es habe Gespräche zur Fortsetzung gegeben.

In der gesamten Kulturszene klagt man, dass sich die Suche nach Sponsoren immer schwieriger gestaltet. Bei Sparbemühungen gerät das Sponsoring schnell in den Fokus, zudem sind gerade internationale Unternehmen schwer als dauerhafter Partner zu gewinnen. Für Schwierigkeiten sorgen auch immer strengere Compliance-Regeln - und die starke Konkurrenz in der Kultur. "Wenn man sich irgendwo vorstellt, waren die anderen oft schon da", klagt ein Museumschef. Die Kunstsammlung NRW hat inzwischen sogar ein eigenes Tochterunternehmen zur Sponsorenpflege.

Bernd Günter, langjähriger Professor an der Heine-Universität und Experte für Kulturmarketing, sieht die Kultur auch im Wettbewerb mit Sozialem, Sport und Wissenschaft - und dabei oft unterlegen. "Ein soziales Engagement lässt sich im Zweifel besser begründen", sagt Günter. Der Sport wiederum verspreche mehr Aufmerksamkeit. Eine langjährige Partnerschaft sei zudem die Ausnahme. "Man sollte nicht langfristig mit Sponsoren planen", sagt Günter.

Bei der Suche nach einem Nachfolger für Kunstpalast-Chef Beat Wismer (der bis September 2017 bleibt) ist Eon trotzdem stark eingebunden. In der Findungskommission sitzen Chef Johannes Teyssen und die Kulturbeauftragte Dorothee von Posadowsky. Neben drei Vertretern der Stadt sollen auch Udo Kittelmann (Nationalgalerie Berlin), Klaus Schrenk (ehemals Bayerische Staatsgemäldesammlungen) und Fotokünstler Andreas Gursky über die Personalie mitentscheiden. Im Kuratorium vorgeschlagen wurde zudem dem Vernehmen nach die Künstlerin Rosemarie Trockel. Die Ernennung eines weiteren Mitglieds ist nicht ohne Brisanz: Tobias Bezzola ist Direktor des Essener Folkwang-Museums - ein anderes Museum mit Eon als Großsponsor.

Quelle: RP
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