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Düsseldorf
17 Konzerte ohne Ruhetag

Düsseldorf. Die Newcomer Isolation Berlin setzten auf Ekstase gegen die Müdigkeit. Von Simon Langemann

Einmal mehr könnte man an dieser Stelle auf die gestiegene Präsenz deutschsprachiger Musik verweisen, vom Berliner Sender Radio Eins kürzlich unter dem Slogan "The Great Comeback of Deutsche Music" zelebriert. Oder aber einfach freudig vermelden: Der Labelabend der Berliner Plattenfirma "Staatsakt" im Zakk darf sich am Freitagabend in letzter Sekunde als ausverkauft bezeichnen.

Locas in Love eröffnen ihn mit einem gewohnt bezaubernden Sammelsurium aus ihrer 14 Jahre andauernden Schaffensphase. Wie leidenschaftlich Sänger Björn Sonnenberg seine Mitstreiter im Getöse des Schlussapplauses umarmt, ist ein Zeichen dafür, dass das gerade Geschehene für die wohl unterschätzteste Indie-Band dieses Landes kein bisschen an Bedeutung und Gewicht verloren hat. Gesprochen wird zuvor nicht viel, stattdessen dankbar gelächelt, was weniger mit Zurückhaltung zu tun hat, als mit Zeitmangel: Pünktlich um 22 Uhr muss die Bühne nämlich für die anschließende 80er Jahre-Party geräumt werden.

"Ich kann Leute nicht ernst nehmen, die über ihre erste post-pubertäre Depression nicht hinwegkommen", klagt jemand im Publikum. Gemeint sind damit aber nicht Locas in Love, sondern die vier jungen Männer, auf die ein Großteil der Anwesenden wartet - die Band der Stunde, des Abends: Isolation Berlin.

Für die Newcomer gilt es, die Müdigkeit des sage und schreibe 17. Konzertabends ohne Ruhetag zu überwinden. Als Gegenmittel setzen sie auf Ekstase - und die therapeutische Wirkung des Spielens: "Im grellen Rampenlicht fühl ich mich geliebt, und dass es auch für mich noch etwas Gnade gibt", singt Tobias Bamborschke im einleitenden Stück "Produkt". Unangenehm wird das nur dann, wenn er etwas zu offensichtlich Joy Divisions Ian Curtis mimt, seine Gitarre ablegt, um sich mit Augenringen, die im dämmrigen Licht des Clubs fast wie geschminkt aussehen, scheu und hilfesuchend ans Stativ zu klammern.

"Optisch scheiße" findet ein Zuschauer das Quartett. "Eine andere Generation", kommentiert ein anderer die juvenilen Texte. Die restlichen paar Hundert quittieren den Auftritt mit Liebe und Enthusiasmus - die Energie, mit der Isolation Berlin ihr Repertoire zwischen Post-Punk, NDW und Indie-Rock durchexerzieren, gibt ihnen recht.

Quelle: RP
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