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Düsseldorf
24 Stunden Zeit für einen Film

Düsseldorf: 24 Stunden Zeit für einen Film
Marian Rima, Moritz Wimmer, Roman Hansen, Lotte Ruf und Gabriel Szalyga organisieren das Filmfest. FOTO: andreas endermann
Düsseldorf. Die Filmwerkstatt hilft Jugendlichen, über Nacht ein eigenes Video zu produzieren. Von Nicole Scharfetter

Es sieht so aus, als sei der Körper des Mannes mit Mehl gepudert worden. Von oben bis unten ist er mit einer weißen feinen Schicht bedeckt, selbst an den Wimpern kleben kleine Krümelchen. Der Mann sitzt an einem langen Tisch in einem schnieken Salon, an der Decke hängt ein Kronleuchter, im Hintergrund flackern Kerzen. Mit seinen Händen hält er zwei Bügeleisen fest, starr schaut er in die Kamera. "Dieser Moment war so kurios und gleichzeitig so kreativ", sagt Gabriel Szalyga, dass ihm die Szene auch ein Jahr später noch im Kopf herumschwirrt. Diese Sequenz sei besonders gewesen und ausschlaggebend für den Ausgang des Filmwettbewerbs 2015, den der Filmclub der Jungen Filmwerkstatt organisiert hatte.

"Der Mehl-Mann spielte im Siegervideo mit. Bonuspunkte gab es für die Bügeleisen, die Pflichtelement waren", erklärt Moritz Wimmer, der neben Gabriel in der Jury saß. Mal schauen, ob es in diesem Jahr wieder jemand schafft, die Experten vom Filmclub so zu überzeugen, wenn am Samstag der diesjährige Wettbewerb stattfindet, den Gabriel, Moritz und die anderen Mitglieder des Clubs gerade organisieren.

Die Regeln sind einfach, Vorgaben gibt es nur wenige, an die sich die Teilnehmer halten müssen: "Wir bestimmen das Thema, die Teams haben 24 Stunden Zeit, um dazu einen Film zu machen", sagt Roman Hansen. Damit niemand schummelt und Sequenzen vorproduziert, bleibt das Thema bis zum 11. Juni, dem Drehtag, unter Verschluss. "Außerdem wollen wir in den Filmen ein paar Pflichtelemente sehen", fügt Moritz hinzu. So wie die Bügeleisen, die die Sieger 2015 ganz besonders in Szene setzten. So können die Juroren sichergehen, dass auch alles mit rechten Dingen abgelaufen ist.

In 24 Stunden einen Film drehen, das ist eigentlich kaum möglich, das wissen die Macher von "24h to take". "Aber genau da liegt die Herausforderung. Wir wollen schauen, was in so kurzer Zeit alles entstehen kann", sagt Gabriel. Und ganz nebenbei kommen die Jugendlichen mit anderen Filmemachern aus der Stadt, der Region und manchmal sogar aus dem Ausland in Kontakt. "Als wir vor vier Jahren mit dem Wettbewerb starteten, meldeten sich acht Leute an, und wir sahen sechs Filme", erzählt Roman Hansen. 2015 waren bereits 22 Filmer dabei, die insgesamt 15 Beiträge produzierten, und in diesem Jahr haben sich schon 18 Teams angemeldet.

"Wir verleihen auch die Ausrüstung für die Produktion" sagt Filmclub-Mentor Nils Kemmerling. "Wer sich anmeldet und Bedarf hat, der bekommt auf jeden Fall eine Kamera und ein Stativ." Mitmachen können auch alle, die sich ganz spontan entscheiden, eine Nacht durchzumachen, um einen Film zu drehen. "Handys machen inzwischen so gute Videos, die können super mit unserer Ausrüstung mithalten", sagt Roman.

Ganz offiziell fällt der Startschuss zum Wettbewerb am Samstag, 11. Juni, um 15 Uhr. "Vorher bieten wir noch einen Workshop an, für alle, die ein bisschen Inspiration brauchen oder Hilfe mit der Technik", erzählt Lotte Ruf. Denn eine Idee entwickeln auf Knopfdruck unter solchen Zeitdruck - das ist wirklich nicht leicht. "Und je mehr kreative Leute in einem Team sind, desto schwieriger wird es, sich auf etwas zu einigen", sagt Roman. Ein Grund, warum auch Ein-Mann-Teams bei "24h to take" antreten; das ist erlaubt, aber auch schrecklich anstrengend. Wer an sich selbst den Anspruch stellt, einen perfekten Film wie aus Hollywood drehen zu wollen, der sollte sich das gleich wieder aus dem Kopf schlagen. "Aber was ist schon perfekt", sagt Gabriel. "Hauptsache, der Film wird irgendwie fertig", ergänzt Nils Kemmerling. Und das sei bisher immer der Fall gewesen, auch wenn eine Gruppe mal den Ton improvisieren musste - live.

Damit nicht nur Publikum und Juroren etwas von der Premiere haben, wird die zum ersten Mal eine Woche später gefeiert, anstatt direkt nach dem Abgabetermin. "Die meisten wollten eigentlich immer nur noch ins Bett", erzählt Roman.

Quelle: RP
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