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Düsseldorf
Absolventen zeigen ihre Arbeiten

Düsseldorf: Absolventen zeigen ihre Arbeiten
Collagen und Fotografien sind ein Ausschnitt aus dem Wirken von Lotte Leerschool. Die 29-jährige Kunststudentin will mit ihrer Kunst, obwohl abstrakt, Bewegung ausdrücken und auf gerade stattgefundene "Events" verweisen. FOTO: Bretz Andreas
Düsseldorf. Für einen Tag hat der Abschlussjahrgang der Kunstakademie seine Kunstwerke in den Atelierräumen der Öffentlichkeit vorgestellte. Von Andreas Bretz (Fotos) und Oliver Burwig (Text)

Der feine rote Sekundenzeiger zuckt, er möchte umspringen, doch er kann nicht. Eine Schnur hält ihn fest, ein heliumgefüllter Ballon an deren Ende zieht diese nach oben und hindert den Zeiger, seine Runden auf dem Ziffernblatt des Weckers zu drehen. Die Installation des 33-jährigen Ipkyu Jang symbolisiert, wie Realität und Virtualität miteinander spielen: Der Ballon ist echt, er schwebt vor der weißen Wand des Ausstellungsraums, der Wecker unter ihm ist eine Videoaufnahme, die sich in einem schwarzen Bilderrahmen ständig wiederholt. Weitere Installationen zeugen von den Ideen des koreanischstämmigen Kunststudenten Jang, der wie seine Kommilitonen seine Werke für einen Tag in der Kunstakademie dem Publikum zeigte. Die Fotos, Comics, Malereien, Toninstallationen und Plastiken der Studenten standen auf drei Etagen zur Besichtigung.

Wie Jang kommt auch Jieun Lee aus Südkorea, die 33-Jährige hat allerdings ein völlig anderes Interesse: "Ich habe mich immer für negativen Raum interessiert." Die Zwischenräume von Objekten, die Spalte in geflochtenen Körben, das Innere einer Gussform - all das fasziniert Lee. Und sie will dieses Unsichtbare sicht- und greifbar machen, zum Beispiel mit ihrem "Stempelkorb", dem sie ein regelmäßiges Relief verlieh, als ob er ein ausgegossener Bastkorb wäre. "Viele denken, er sei aus Gips", sagt Lee, erklärt jedoch, dass die Skulptur aus Plastillin ist. Das bleibe immer noch etwas formbar - wichtig für ihre Arbeitsweise, bei der sie viele Hundert Male mit einem Stempel in die Außenwand der Form drückte. Die regelmäßige, sich wiederholende Form löse in vielen Betrachtern Assoziationen mit maschinell gefertigten Mustern aus, sagt Lee. "Das finde ich aber gar nicht schlecht."

Hinter einer Tür verbirgt sich ein raumfüllendes Monstrum aus Holzlatten, Schrauben und Sprungfedern: Jascha Fidorra nannte sein Werk "Oit", und legte eine Art Anleitung bei, die sich die Besucher mitnehmen durften. "Es kann springen. Es kann fliegen. Es ist für Kinder", heißt es lakonisch in der Erklärung. Wie eine Apparatur von Leonardo da Vinci sieht "Oit" aus, für einen erschreckend langen Moment fragt sich der Betrachter, ob sie wirklich fliegen kann - und wie sicher es wohl wäre, ein Kind auf den Sportsitz in der kleinen Kuppel zu setzen, wenn sich das Objekt "mehrere Hundert Meter in die Luft" katapultiert, wie es im kleinen, gefalteten Handbuch heißt. Dort findet sich auch eine ausführliche Liste aller Bauteile und ihrer Maße, bis zur letzten Schraube - vielleicht zum Nachbauen?

Lotte Leerschool stammt aus den Niederlanden und zeigt in ihrem Ausstellungsraum Bilder, Fotos und Fragmente aus größeren Malereien. Die 29-Jährige ist künstlerisch nahezu allseitig aktiv: Ihr Studium der Bewegungsanalyse und des Tanzes drücke sich auch in ihren Werken aus. Eines davon, eine schwarz-weiße Fotografie einer Frau, die auf einem Lattenrost steht und der an die Wand gelehnten Matratze zu- und der Kamera abgewendet ist, hat etwas Wütendes, Destruktives. "Es sollen keine Stillleben sein", betont Leerschool, auch in ihren anderen Bildern, auf denen offenbar unbelebte Gegenstände zu sehen sind, solle sich immer auch Dynamik finden, etwas, was auf ein gerade stattgefundenes "Event" verweist. So erklärt die Studentin auch die Textseiten, die sie für eine Collage ohne Titel verwendete: Obwohl sie von Weitem nur als übermalte Textspalten zu sehen sind, enthalten sie doch eine Geschichte, etwas, das im Jetzt steht.

Quelle: RP
 
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