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Düsseldorf
Ai Weiwei kennt sich in Düsseldorf aus

Düsseldorf: Ai Weiwei kennt sich in Düsseldorf aus
Ai Weiwei mit Übersetzerin im Cinema: Der chinesische Künstler, der in Berlin lebt, stellte seinen Film "Human Flow" vor. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Der chinesische Konzeptkünstler stellte im Cinema seinen neuen Film über das Flüchtlingselend vor. Von Bertram Müller

Der Abspann lief noch, das Licht ging an, da zeigte sich Ai Weiwei auf der Bühne. Das Publikum im ausverkauften Saal des Cinema applaudierte dem Mann, dem es soeben gut zwei Stunden lang durch das Flüchtlingselend der Welt gefolgt war. "Human Flow" hatte seine Düsseldorfer Premiere, und die Zuschauer hatten Fragen.

Silvia Bahl, Mitarbeiterin der Heinrich-Heine-Universität, begrüßte den Künstler, Regisseur und Kritiker nicht nur des chinesischen Regimes mit einer Fülle freundlicher Stichworte. Sie gaben Ai Weiwei Gelegenheit, erneut zu Respekt gegenüber Menschen aufzurufen, die ihre Heimat verloren haben und nun auf materielle Hilfe, Verständnis und seelische Zuwendung in der Fremde angewiesen sind. Dann hatten die Zuhörer das Wort. Eine Frage lautete: Warum blendet der Film das Thema Waffenproduktion aus, in dem doch ein wichtiger Grund der Fluchtbewegungen liegt? Ai Weiwei erklärte, dass es ihm in seinem Film darum gehe, unmittelbar bei den Opfern weltweiter Gewalt zu sein: "Wir müssen helfen, sonst werden wir zu Mittätern." Mehr noch: "Wir sind heute für alles verantwortlich, was in der Welt geschieht."

Ein junger Mann, der mit seiner Freundin Flüchtlinge betreut, bat Ai Weiwei um eine Botschaft an diese Menschen. Wie schon zuvor nahm der Künstler sich ein wenig Bedenkzeit und antwortete dann: "Die Flüchtlinge sind viel mutiger, hoffnungsvoller als wir. Sonst wären sie nicht hierhergekommen. Sie werden eines Tages ein großer Schatz für die deutsche Gesellschaft sein."

Während der Film in die letzte halbe Stunde ging, hatten wir nebenan mit Ai Weiwei im Foyer gesessen und ihn nach seinen Kenntnissen über Düsseldorf befragt, eine Stadt, die er jetzt erstmals besuchte. Ein kleines Quiz sollte es sein, doch gelinde Bedenken hatten wir schon, ob Ai Weiwei sich so etwas bieten lassen würde. Gott sei Dank: Er hat Humor und beantwortete die erste Frage bereits, bevor sie gestellt war. Er wisse, dass es in Düsseldorf eine bedeutende Kunstakademie gebe und dass Joseph Beuys dort gelehrt habe: "Jeder chinesische Kunststudent kennt Düsseldorf wegen dieser Kunsthochschule." Bekannt sei auch die Kunstsammlung NRW, die er am selben Tag aufgesucht hatte: "Endlich habe ich diese Sammlung gesehen, vor der ich schon immer großen Respekt hatte." Und als wir ihn fragten, ob er dort gern auch selber mit einem Bild vertreten wäre, als erster Chinese, entgegnete er bescheiden und belustigt zugleich: "Ich muss dafür noch viel arbeiten."

Doch nun endlich das Quiz. Heinrich Heine? "Er schrieb das bedeutende Versepos ,Deutschland. Ein Wintermärchen'. Sehr schön die Stelle über einen Polizisten mit Pickelhaube. - Pling, ein Punkt für mich!"

Gustaf Gründgens? "Tut mir leid, den kenne ich nicht." Günter Grass, ehemaliger Akademie-Student? "Oh ja, die ,Blechtrommel'." Robert Schumann? "Der ist in China bekannt." Andreas Gursky? "Zeitgenössischer Fotograf." Nach einer Reihe weiterer Fragen stellt Ai Weiwei fest: "80 Prozent richtige Antworten." Wir gratulieren ihm: "very good". Er lächelt: "Ich hätte gern 100 Prozent gehabt."

Info Ai Weiweis Film "Human Flow" ist heute um 16 Uhr, am Dienstag und Mittwoch jeweils um 16 und 19 Uhr im Cinema, Schneider-Wibbel-Gasse 5-7, zu sehen.

Quelle: RP
 
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