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Düsseldorf
Alexandre Bloch dirigiert den Frosch im Solo-Cello

Düsseldorf. Zu Qiqang Chen und seinem Stück "Wu Xing" (Die fünf Elemente) hat sich Alexandre Bloch ein Quiz ausgedacht. Die Besucher des schon zweiten Sternzeichens unter Stabführung des Ersten Gastdirigenten der Düsseldorfer Symphoniker sollen raten, dass etwa das Geblubber der Marimbas überm weichen Wogen der Holzbläser zum Element Wasser gehört. Hat Spaß gemacht. Auch die Xylophone überm superleisen Bogenklopfen zum Thema Holz; oder die Blech-Akkorde, die entfernt nach Kathedralmusik klingen, zum Element Feuer. Und nach dem Durchlauf des von extravaganten Klängen und hochanspruchsvollen Überblendungen strotzenden Zehnminutenstücks gab's Publikums Liebling als Encore: Wasser. Klar wie der Rhein. Und mit einem Frosch im Solo-Cello. Bloch ist ein Glück. So jung, so smart, so begeistert und begeisternd. Strauss' "Till Eulenspiegel" etwa gerät zum Feuerwerk. Atemberaubend. All die frechen, radikalen, überaus witzigen Volten, die der Form-und-Klangfarben-Großmeister mit dem riesigen Orchesterapparat schlägt, holt der Franzose mit so viel Verve und Lust am Effekt aus den Düsys heraus, dass am Ende nicht nur die versammelten Jugendlichen auf der Chor-Empore baff sind. Sondern auch die Symphoniker selbst vor lauter Freude am eigenen Können ins ausgelassen klatschende Publikum strahlen. Hat man lange nicht gesehen. Selbst Bloch hat rote Bäckchen. Und der letzte Becken-Einsatz scheppert so manchem Kind noch in den Trommelfellen. Wunderbar, wie sich das Orchester und seine vielen, ausgezeichneten Solisten ins Zeug legen können, wenn sie beim eigenen Ehrgeiz gepackt werden. Von Armin Kaumanns

Nun, ähnliches ist von Strawinskys Violinkonzert zu berichten, bei dem es ein Wiederhören mit Kolja Blacher gab. Er ist einer der ganz Großen geworden seit seinem Gastspiel vor elf Jahren am gleichen Ort mit dem gleichen Programm. Sein Spiel ist untadelig, rasant und mitreißend perkussiv. In den wenigen melodischen Passagen singt er aus romantischer Brust, weder die Dezimen-Passagen noch die aberwitzigen Sprünge und Flageoletts scheinen ihn nennenswert beeindrucken zu können. An diesem Sonntagvormittag bilden alle Beteiligten ein Dreamteam. Bleibt noch Brahms, die "Tragische Ouvertüre". Die Interpretation gerät zunächst noch uninspirierter als das Werk, erst gegen Ende weckt der Zauber eines Pianissimo die Musiker aus der Morgenlethargie.

Danach akkurate, schlank-transparente, bisweilen erwärmende Deutsche Romantik, Brahms im Sonntagsstaat. Und Alexandre Bloch swingt.

Quelle: RP
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