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Düsseldorf
Als die "Feuerzangenbowle" am Starnberger See entstand

Düsseldorf. Im Heinrich-Heine-Institut wurde an den Düsseldorfer Schriftsteller und Drehbuchautor Heinrich Spoerl erinnert. Gelesen wurde aus Briefen an seine Ehefrau. Von Claus Clemens

Ihre Geburtsstunde erlebte die "Feuerzangenbowle" 1931 am Starnberger See. Heinrich Spoerl, in Düsseldorf geborener Jurist und Amateurschriftsteller, hatte sich dort mit dem damals viel bekannteren Autor Hans Reimann getroffen. Gemeinsam wollte man in schöner Umgebung einige humoristische Drehbücher für die "Ufa" schreiben. Die wurden dringend gebraucht, denn der neue Tonfilm lockte die Massen in die Kinos.

Für das Ehepaar Spoerl waren Heinrichs Wochen am Starnberger See eine Zeit materieller Not. Ehefrau Gertrud, die in Düsseldorf geblieben war, musste mit dem Sohn Alexander von Tag zu Tag leben und sogar hungern. Heinrich selbst lebte von der Unterstützung durch Hans Reimann. Anlässlich der Ausstellung "Dichter in Badehosen" stellte das Heinrich-Heine-Institut, das Spoerls Nachlass verwaltet, jetzt den Briefwechsel des Ehepaars vor. Zu diesem Anlass war auch Heinrich Spoerls Enkeltochter gekommen und las aus Briefen ihrer Großmutter. "Mein liebes Häschen", heißt es da von Heinrich an seine Frau, und unterschrieben wurde mit "dein Männi". Mit derart drolligen Wendungen versicherten sich die Ehepartner ihrer gegenseitigen Liebe, während die Geldnot immer wieder den kreativen Prozess in Bayern überlagerte. Dennoch blühte Heinrich Spoerl beim Schreiben in der Ferne regelrecht auf, weil er endlich die Juristerei vergessen konnte. Für das Drehbuch zu "So ein Flegel!" hatte er die schönsten Ideen, aber forderte auch nach Hause: "Bubi soll mir alle Jungenstreiche schreiben" - gefragt war sein Sohn Alexander. Nach aufregenden drei Wochen schickten die beiden Autoren Spoerl und Reimann die Ergebnisse ihrer Schreibarbeit schließlich nach Berlin.

Der Rest ist Filmgeschichte. Bereits die erste Verfilmung des Pennälerstoffs "Feuerzangenbowle" war erfolgreich, die spätere mit Heinz Rühmann ein absoluter Kassenschlager. Zurück in Düsseldorf schrieb Heinrich Spoerl das Drehbuch um zu dem gleichnamigen Roman "Die Feuerzangenbowle". Er konnte ihn bei der Zeitung "Der Mittag" als Serie unterbringen, und deren Verleger Heinrich Droste brachte ihn als Buch heraus.

Während der Jahre des Dritten Reichs waren Heinrich Spoerls unpolitisch-humorvolle Romane schließlich eine gefragte Leseware. Er wurde zum erfolgreichsten Autor seiner Zeit. Bis zu seinem Tod im Jahr 1955 war von materieller Not keine Rede mehr. Bis 1940 hatten sich allein für die "Feuerzangenbowle" über eine Million Käufer gefunden. Über die Starnberger Autorenschaft des Stoffs ist allerdings ein Rechtsstreit entstanden. Bis heute ist kein abschließendes Urteil gefällt worden.

Quelle: RP
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