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Interview Bernd Desinger
"Altersarmut wird zu einem großen Problem"

Düsseldorf. Der Leiter des Filmmuseums, Bernd Desinger, hat einen Roman über die Auswirkungen der Altersarmut veröffentlicht. Die Handlung spielt 2032. Von Saskia Nothofer

Duisburg wurde von den Chinesen gekauft, und im gesamten Land regiert eine verheerende Altersarmut. Die Straftaten der alten Menschen gehören zu den größten Herausforderungen für die Polizei, die Europäische Union existiert nicht mehr, die D-Mark wurde wieder eingeführt, und von der einst blühenden Kulturlandschaft ist kaum noch etwas übrig. Dieses Bild von Deutschland zeichnet Bernd Desinger, Autor und Leiter des Düsseldorfer Filmmuseums, in seinem Zukunftsroman "ZZZ - Zeltstadt Zeche Zollverein". Das pessimistische Szenario spielt im Jahr 2032.

Was hat Sie zu dem Roman inspiriert, oder gab es eine Vorlage?

Desinger Es gab keine Vorlage. Der gesamte Inhalt ist meine ureigenste Erfindung. Diese Art von Roman ist auch etwas Neues, da in ihm eine Kriminalhandlung auf eine Science-Fiction-Geschichte stößt.

Der Roman ist pessimistisch. Die alten Menschen sind kriminell, sie prostituieren sich, und es gibt kaum noch junge Leute. Glauben Sie, dass es wirklich so kommen wird?

Desinger Brutal weitergedacht, könnte das so passieren. Wenn wir der aktuellen Entwicklung nicht aktiv entgegensteuern, wird die Altersarmut zu einem großen Problem werden. Und die Menschen sind gut im verdrängen. Als junge Person hält man sich für unsterblich und denkt nicht darüber nach, wie es sein wird, wenn man alt ist. Dabei muss man sich frühzeitig darum kümmern. Auch der Immobilienmarkt ist ein Problem. Wenn die Mieten weiter so steigen, wird es zu einer großen Wohnungsnot kommen.

Die Kultur ist in dem Roman auf ein Minimum heruntergefahren. Wieso?

Desinger Da das Land kein Geld mehr hat und Kulturförderung "Kann-Ausgaben" sind, muss an ihr gespart werden. Die Kulturlandschaft wird also ausgedünnt, um die Sozialausgaben - die "Muss-Ausgaben" - auf einem gewissen Niveau halten zu können.

Die Zeltstädte, in denen die alten Menschen wohnen, haben einen brandaktuellen Bezug, da sie den Flüchtlingszelten gleichen.

Desinger Das stimmt. Der Roman war allerdings schon längst im Entstehen, als der aktuelle massive Flüchtlingsstrom nach Deutschland begann und wir die Zeltstädte aufgebaut haben. Aber in Afrika beispielsweise gibt es diese schon lange.

Spielen Flüchtlinge denn auch eine Rolle?

Desinger Ja, und an ihnen lässt sich eine überraschende Wendung erkennen. Denn viele der Geflüchteten sind angesichts der desolaten Lage in Deutschland wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Andere wiederum wurden gegen eine Geldsumme abgeschoben.

Und wer profitiert in Ihrer negativen Gesellschaft letztendlich von dem ganzen Leid und Elend?

Desinger Zum einen kommen die Chinesen gut dabei raus. Zum anderen alle Menschen, die über ein gewisses Kapital verfügen. Hausbesitzer zum Beispiel, deren Wohnraum hart umkämpft ist.

Der Roman spielt in NRW, vor allem in Essen. Wollten Sie bewusst diese Nähe für den Leser schaffen?

Desinger Ich habe mir nicht gesagt, dass ich jetzt mal etwas Regionales schreiben will. Eher habe ich Essen und insbesondere die Zeche Zollverein ausgewählt, da sie über eine Symbolkraft verfügt. Sie ist ein Symbol für eine Region, die in der Vergangenheit sehr reich war. Das Ruhrgebiet war der Motor Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und ist 2032 schließlich an seinem Tiefpunkt angekommen. Dieses Bild ist auf ganz Deutschland übertragbar.

Wie lange haben Sie für das Schreiben des Romans gebraucht?

Desinger Zwei bis zweieinhalb Jahre habe ich an "ZZZ" geschrieben. Ich hatte ein großes Bedürfnis, dieses Buch zu schreiben, ich musste diese Themen bearbeiten.

Ist eine Fortsetzung geplant?

Desinger Da das Ende relativ offen ist, kann es theoretisch weitergehen. Ob es wirklich eine Fortsetzung geben wird, habe ich aber noch nicht entschieden.

Sind andere Veröffentlichungen zu erwarten?

Desinger Ja, der zweite Band meiner Trilogie "Der Doppelweg" ist so gut wie fertig und wird bald auf den Markt kommen.

Quelle: RP
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