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Düsseldorf
Andreas Gursky trifft Richie Hawtin im K20

Düsseldorf. Der Fotokünstler und der Techno-Produzent wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen.

Der beste Satz des Abends war der, mit dem Richie Hawtin sein Wirken als DJ beschrieb: "Ich lasse die Dunkelheit für mich arbeiten." Der Kanadier geht dabei wie ein Architekt vor, er errichtet Skulpturen aus Klang und Licht, aus Bässen, Beats und Stroboskop-Blitzen, aus Projektionen und Farben, und sie müssen so stabil sein, dass sie nicht ins Wanken geraten im Meer der tanzenden Leiber.

Richie Hawtin ist einer der größten Techno-Produzenten der Welt, seine besten Platten veröffentlichte er unter den Pseudonymen Plastikman und F.U.S.E, und nun war er zu Gast beim KPMG-Kunstabend in der Kunstsammlung. Zur Eröffnung erklärte Dirk Matejovski, Professor an der Heine-Uni und Organisator des ersten wissenschaftlichen Kongresses über Kraftwerk, was Techno eigentlich ist, und dass sich die Entwicklungslinien bis zu Stockhausen zurückverfolgen lassen.

Dann erläuterte Hawtin seine Arbeit und was ihn mit seinem Idol Miles Davis verbindet: Dass nämlich auch er die Menschen von einem klar definierten Punkt abhole, sie auf eine an die Bedingungen des Ortes, des Moments und der Atmosphäre geknüpfte Improvisation mitnehme und sie schließlich zurück zum Ausgangspunkt trage. Hawtin präsentierte seine visualisierte Musik zuletzt in Museen wie dem Guggenheim und dem Grand Palais, und im K20 hat er den Soundtrack zur aktuellen Gursky-Ausstellung komponiert.

Gursky trat denn auch zu ihm auf die Bühne. Er verriet, dass er seit Jahren mit Hawtin befreundet ist, "wir kennen uns vom Feiern". Vor acht Jahren fotografierte er die Performance des Kumpels in der Diskothek "Amnesia" auf Ibiza. Leider wurden die Bilder nie veröffentlicht, "sie waren zu abbildend". Gursky ist vor 22 Jahren zur elektronischen Musik gekommen, und er selbst habe die Idee gehabt, Hawtin um einen Beitrag zur Ausstellung zu bitten. Die Zusammenarbeit soll nun fortgesetzt werden; Gursky will mit Hawtins Hilfe ausloten, wie weit man gehen kann, ohne dass der Klang die Wirkung der Fotoarbeiten überlagert. Gursky wird demnächst bei Gagosian in New York ausstellen, und dafür soll Hawtin neue Musik liefern - gerne weniger zurückhaltend als in Düsseldorf.

Gursky ist ja ebenfalls stark an Architektur interessiert, an Struktur und Schichtung, und auch das war eine Erkenntnis dieses Abends, dass es kaum einen passenderen Soundtrack zu seinen Bildern gibt als das Album "Concept 1" von Hawtin.

(hols)
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