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Düsseldorf
Anfang jetzt, Ende offen

Düsseldorf: Anfang jetzt, Ende offen
Martin Maier-Bode, Heiko Seidel, Maike Kühl und Daniel Graf (v.l.) auf der "Kom(m)ödchen"-Bühne. Das Ensemble probt zurzeit sein neues Stück "Irgendwas mit Menschen", nächste Woche ist Premiere. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Nur alle paar Jahre bringt das "Kom(m)ödchen"-Ensemble ein neues Stück auf die Bühne. Am kommenden Donnerstag feiert nun eine neue Produktion Uraufführung. Es geht um: "Irgendwas mit Menschen". Von Klas Libuda

Im letzten Stück machten sie diesen Witz, es ging um Schulen und die schlechte Ausstattung, und Martin Maier-Bode sagte dann: "Die haben da noch einen Globus, der ist eine Scheibe." Ob nun rund, eckig oder flach wie eine Pizza, irgendwann hatte sich diese Welt dann aber sehr schnell weitergedreht, der Gag zog immer noch, aber das Stück nicht mehr.

"Deutschland gucken" heißt es, und ein Dauerbrenner war es: 378 Aufführungen in drei Jahren, meist mit Maximal-Auslastung; hinzukommen 91 Gastspiele und mehr als 100.000 Zuschauer. Riesenhit also, aber nicht mehr ganz taufrisch. "Als wir angefangen haben, war die Maut das große Thema", sagt Ensemble-Mitglied Maier-Bode, und damit ist eigentlich alles gesagt. Über die Maut spricht niemand mehr, außer Martin Schulz beim TV-Duell - vielleicht war das sein Versuch, "Deutschland gucken" zu retten. Geholfen hat es nicht. Weder Schulz noch dem Stück.

Obwohl es zum Wesenskern der Produktion gehörte, dass sie ständig aktualisiert wurde, war irgendwann doch einfach gut. Man hätte "Deutschland gucken" runderneuern müssen, sagt Maier-Bode. Zwar ist Theater-Chef Kay Lorentz zufolge nicht ausgeschlossen, dass sie es noch mal anpassen, vielleicht schon zur Fußballweltmeisterschaft 2018. Ende September aber fiel bis auf Weiteres der Vorhang. Das "Kom(m)ödchen" machte Platz für etwas Neues auf dem Spielplan: "Irgendwas mit Menschen" heißt die Produktion, die am kommenden Donnerstag Premiere feiert und allein im Oktober ein Dutzend Mal gespielt wird.

Treffen sich vier Elternteile in der Schule, eine Mutter und drei Väter - das klingt wie der Anfang eines Witzes, und so kommt es in dem neuen Stück auch. Daniel Graf und Heiko Seidel, Maike Kühl und Martin Maier-Bode, die Stammspieler aus "Deutschland gucken", geben die grundunterschiedlichen Erwachsenen, die eine Rede für die Abi-Feier ihrer Kinder schreiben wollen. Es soll um die großen Zukunftsfragen gehen, und natürlich haben die Protagonisten darüber recht "kontroverse Vorstellungen". So sagt das Hans Holzbecher, der kluge Hausregisseur des "Kom(m)ödchens", der neben "Deutschland gucken" auch die übrigen Vorgängerstücke auf die Bühne brachte, die, weil der Dreiklang so schön ist, noch einmal genannt werden sollen: "Couch", "Sushi" und "Freaks". Sie alle stehen seit Jahren auf dem Theater-Spielplan.

Man muss das Ensemble gar nicht auf der Bühne sehen, wie es dort bei den Proben in einer Klassenzimmer-Kulisse über die Bildungspolitik feixt, um zu verstehen, was Holzbecher meint. Es reicht schon, sie im kahlen Foyer in ihren Kostümen zu begutachten, und man ahnt, dass es ordentlich knallen wird. Im postfaktischen Zeitalter sollen auch auf der Bühne die Welten auseinandergehen. Martin Maier-Bode trägt Cordjacke mit Anstecker und gibt, logisch, den friedensbewegten Ökostrom-Lehrer-Typen. Heiko Seidel - besticktes Poloshirt - spielt einen Autohausbesitzer und ist rechts abgebogen. Maike Kühl gibt die Helikopter-Kontrollfreak-Mutter mit Mode-Brille. "Frauen halten die Welt zusammen", sagt sie später bei der Probe. "Loki Schmidt, Hannelore Kohl, Melania Trump, ich - eine Linie." Daniel Graf spielt einen Nils und ist nie erwachsen geworden - Langarm-T-Shirt. Natürlich sind diese Figuren überzeichnet, so läuft das nun mal. Hans Holzbecher nennt sein Bühnenpersonal die "Personifizierung kabarettistischer Inhalte".

Vor allem Heiko Seidels Frank, so heißt seine Figur, meint einen hier und da gleich an den Schmierlappen Bodo zu erinnern, den er in "Deutschland gucken" gab. Die Rolle ist wieder maßgeschneidert. "Wir haben den Luxus, dass uns die Autoren kennen", sagt Daniel Graf. Da hätten sie's leichter als manches Schauspiel. "Schiller kannst du nicht mehr fragen, ob er die Rolle anpassen kann."

Geschrieben hat an "Irgendwas mit Menschen" wieder ein Trio - Dietmar Jacobs, Christian Ehring, Martin Maier-Bode - bearbeitet, geschliffen und überarbeitet wurde der Text ein Dreivierteljahr. Wieder wird es Blöcke geben, die sich Aktuellem widmen, diese sollen aber konzentrierter werden. "Der Grundkonflikt kann länger tragen", sagt Maier-Bode. Dass sie mit dem Stück nun ausgerechnet nach der Bundestagswahl herauskommen, sei keine Absicht, sagt "Kom(m)ödchen"-Leiter Lorentz. Die Wahl sei eigentlich egal. Das Haus wolle sich nicht so sehr am tagespolitischen Geschehen orientieren. "Wir versuchen, einem Zeitgeist nachzuspüren."

Ab nächster Woche wird sich zeigen, ob das gelingt, und auch, ob das Stück an frühere Erfolge anknüpfen und die Jahre überdauern kann. Bis Mai reicht der aktuelle Spielplan und solange steht "Irgendwas mit Menschen" jedenfalls auf dem Programm. Dann mal sehen. Anfang jetzt. Ende offen.

Quelle: RP
 
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