| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Anne-Sophie Mutter im Eisregen

Düsseldorf. Die Violinistin spielte Vivaldi und Bach und überzeugte durch Präzision. Von Gert Holtmeyer

"Vom Bekannten zum Unbekannten" lautet eine bewährte pädagogische Maxime, die sich auf die Musik allerdings nicht problemlos übertragen lässt. Auch Anne-Sophie Mutter zog es vor, das Neue an den Anfang zu setzen und die Knüller danach zu bringen. André Previn schrieb für die Star-Geigerin, mit der er von 2002 bis 2006 verheiratet war, ein "Nonett für zwei Streichquartette und Kontrabass". Das wurde im August 2015 in Edinburgh uraufgeführt, jetzt war es in der Tonhalle zu hören. Das Werk war interessant, besonders durch die Solistenkombination von Solo-Violine und Kontrabass. Erwartungsgemäß spielte Anne-Sophie Mutter, die auch das Ensemble von der Geige aus leitete, ihren Part souverän. Auch der Kontrabassist (Roman Patkoló) machte seine Sache sehr gut.

Überhaupt zeichneten sich alle Mitwirkenden durch eine fantastische Sicherheit aus. "Mutter's Virtuosi" ist ein hervorragendes Kammerorchester, besetzt mit Stipendiaten der von ihr gegründeten Stiftung. Einen Eindruck von der Leistungsstärke der Mitglieder erhielt man unter anderem in Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen (BWV 1043). Die erste Solovioline behielt die Chefin sich natürlich selbst vor. Für die zweite durfte in jedem Satz ein anderes Mitglied ran. Alle drei verdienen ein großes Lob.

Ließen die technische Beherrschung der Instrumente und die Präzision des Zusammenspiels auch keine Wünsche offen, so sind über die Bach-Interpretation verschiedene Meinungen erlaubt. Für die schnellen Ecksätze schien ein Geschwindigkeitsrekord angestrebt zu werden. Der Vorteil: Es klingt temperamentvoll und beschwingt. Der Nachteil: Für Feinheiten bleibt kein Raum mehr; die monumentale Architektur Bachs ist nur noch verschwommen erkennbar. Weit weg von historischer Praxis klang dagegen der langsame Satz. Ein kräftiges Vibrato, Abwärts-Glissandi (Rutscher) und Ritardandi erzeugten eine romantische Grundstimmung.

In Vivaldis Jahreszeiten hatten die schnellen Tempi dagegen ihre Berechtigung. Im Sommer prasselte der Gewitterregen mit ähnlicher Härte wie im Winter der Eisregen.

Als Dank für den begeisterten Beifall gab es zwei Zugaben: einen Vivaldi-Satz Da Capo und Bachs beliebte Air aus der D-Dur Suite.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Anne-Sophie Mutter im Eisregen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.