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Kunstmesse in Düsseldorf
"Lieber exklusiv, aber hochkarätig"

Art Düsseldorf 2017: "Lieber exklusiv, aber hochkarätig"
Walter Gehlen FOTO: Boris Breuer
Düsseldorf. Walter Gehlen, Veranstalter der Art Düsseldorf, spricht über die Ausrichtung der neuen Kunstmesse und worauf Einsteiger beim Sammeln von Kunst achten müssen.

Walter Gehlens Büro liegt in der Nähe des schönen und sehr urbanen Chlodwigplatzes in Köln, und vor dem Eingang hängt ein Schild: "Art Fair International". Die gleichnamige Kunstmesse richtete Gehlen bis zum vergangenen Jahr in Köln aus. Nun zieht es ihn aufs Areal Böhler, wo im November erstmals die Art Düsseldorf stattfinden soll. In seinem Büro faltet Gehlen sogleich einen Lageplan der Messehallen auf und beginnt zu erzählen.

Wo stehen die Vorbereitungen zur Art Düsseldorf?

Gehlen Momentan ist die Aufplanung das Thema. Wir platzieren die Galerien gerade ihren Bedürfnissen entsprechend in der Halle. Da die durchschnittliche Ausstellungsfläche pro Galerie größer als erwartet ist, konnten wir von mehr als 270 Anmeldungen nur 80 Aussteller auswählen, statt wie ursprünglich geplant 110. Das ist eine gute Konfiguration für den Anfang. Die größeren Stände machen die Messe kompakter und strukturierter.

Haben sich auch schon Besucher angemeldet?

Gehlen Uns haben Anfragen aus aller Welt erreicht. Das Grundrauschen ist vielversprechend. Ich habe das Gefühl, dass viele bereits mitbekommen haben, dass in Düsseldorf etwas Neues passiert.

Werden denn auch die Düsseldorfer Galerien vertreten sein?

Gehlen Unsere Kommission hat Galerien ausgewählt, die zur Messe passen. Die Art Düsseldorf ist eine internationale Messe, darum hatten Galerien, die international operieren, einen Vorrang. Die Messe soll zugleich auch regional verankert sein. 70 Prozent der Galerien kommen daher aus der Region, aus Deutschland oder den Benelux-Ländern. Darunter sind auch neun Galerien aus Düsseldorf und zwölf aus Köln.

Ihre Messe trägt die Stadt im Namen. Wollen Sie auch in die Stadt strahlen?

Gehlen Die Art Düsseldorf trägt diesen Namen, weil sie in Düsseldorf stattfindet und Düsseldorf eines der Gravitationszentren für Kunst im Rheinland ist. Wir wollen die Errungenschaften Düsseldorfs für die Kunstwelt nach außen tragen und den Menschen, die in die Stadt kommen, die Möglichkeit geben, die zeitgenössische Kunstgeschichte Düsseldorfs hautnah zu erleben. Für Gäste aus dem Ausland wird es ein Programm geben, in dem sie die wichtigen Institutionen und Akteure der Stadt kennenlernen können.

Sie werden aber nicht nur auswärtige Gäste anziehen, sondern auch neugierige Düsseldorfer. Wie holen Sie die ab?

Gehlen Eine Kunstmesse hat unterschiedliche Aufgaben und Zielgruppen. Natürlich geht es darum, Arbeiten zu verkaufen und in wichtigen Institutionen und Sammlungen zu platzieren; dafür sprechen wir erfahrene Kunstsammler und Kuratoren an. Eine wichtige Aufgabe der Messe ist es auch, Menschen, die zum ersten Mal Kunst kaufen wollen, mit Kunst vertraut zu machen, sie also kompetent zu machen. Darum wird es entsprechende Programme geben, etwa Führungen oder Podiumsgespräche.

Wie schwierig ist es, eine neue Messe zu etablieren?

Gehlen Es ist sehr schwer, aber auch leicht. Wir können diese Messe ohne Vorgaben und Altlasten gestalten, wie wir wollen - das ist eine große Freiheit. Was wir logischerweise jetzt noch nicht wissen können, ist, welche Resonanz die neue Messe im November hat. Wir sind aber davon überzeugt, das richtige Umfeld geschaffen zu haben, was wir bereits jetzt schon stark merken.

Haben Sie die Flächen auch schon fürs kommende Jahr reserviert?

Gehlen Selbstverständlich. Wir haben die Flächen weit in die Zukunft hinein gebucht. So ein Projekt kann schnell schwierig werden, wenn man bei der Fläche keine Kontinuität wahren kann.

Können Sie noch wachsen?

Gehlen Wir könnten sehr stark wachsen, wenn wir das wollen.

Wollen Sie?

Gehlen Momentan nicht. Unser jetziges Konzept, mit zwei Hallen und einem kompakten Programm, ist auch eine Absicherung für den Erfolg. Wir wollen lieber eine exklusive, aber hochkarätige Messe ausrichten, die die Anziehungskraft viel größerer Messen entfaltet.

Wen begreifen Sie als Konkurrenten?

Gehlen Wir haben vor, in Düsseldorf eine hervorragende Messe zu machen. Wir haben die Art Düsseldorf für das Areal Böhler nach unseren Vorstellungen entwickelt, nicht danach, wie es anderswo aussieht.

Zum Beispiel auf der Art Cologne.

Gehlen Es ist bekannt, dass es in Köln eine gute Messe gibt, die im Frühjahr stattfindet. Wir finden im Herbst statt. Die Art Cologne und die Art Düsseldorf bringen zwei Städte zum Strahlen und liefern jeweils einen guten Anlass, das Rheinland zu besuchen.

Sie schreiben anlässlich der Messe einen Preis für junge Künstler aus, den Blooom Award. Mit welchen Themen beschäftigt sich der Nachwuchs?

Gehlen Wir haben mehr als 2300 Einreichungen aus 90 Ländern erhalten, allein 125 Einreichungen aus Israel und sogar 86 aus dem Iran. Die Künstler haben unterschiedliche sozio-ökonomische Hintergründe, dementsprechend vielfältig sind die Themen. Viele Künstler experimentieren mit den Ausdrucksformen, ob das nun Video, Malerei, Installationen oder digitale Kunst sind. Die eigene Arbeit vor einem internationalen Publikum zeigen zu können, ist neben den Fördermöglichkeiten des Blooom Award by Warsteiner ein zentrales Thema.

Der Erstplatzierte wird von Ihnen ein Jahr lang begleitet und beraten. Was fehlt jungen Künstlern häufig noch?

Gehlen In der Kunstwelt geht es immer um persönliche Beziehungen, die Arbeit ist vom Künstler nicht zu trennen. Viele wissen nicht, wie sie sich ein Netzwerk aufbauen sollen oder wie sie eine Galerie finden. Es gibt aber keine Mechanik, die zwingend zum Erfolg führt, daher ist der Rat so wertvoll.

Muss gute Kunst immer teuer sein?

Gehlen Wenn Kunst viel Aufmerksamkeit erfährt, steigt die Nachfrage, das erhöht den Preis. Aber es gibt viel gute Kunst, die nicht populär ist. Es ist eine der größten Freuden, die zu entdecken.

Wie viel Geld muss ich mitbringen, um auf der Art Düsseldorf Kunst kaufen zu können?

Gehlen Es wird für junge Sammler im dreistelligen Bereich losgehen und viele Arbeiten von hoher Qualität für einen vierstelligen Betrag geben. Für etablierte Sammler werden auch Arbeiten in höheren Preissegmenten angeboten.

Worauf müssen Einsteiger beim Kunstkauf achten?

Gehlen Wer mit dem Sammeln von Kunst anfangen möchte, sollte sich erst einmal in Ruhe auf der Messe umschauen und mit Galeristen in Kontakt kommen, die für den Aufbau einer Sammlung und den passenden Ankauf von Werken unabdingbare Berater sind. Oft sind es aber gerade auch Spontankäufe, die Grundstein einer neuen Sammlung sind.

KLAS LIBUDA FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
 
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