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Düsseldorf
Aus dem Leben eines Auftragskünstlers

Düsseldorf: Aus dem Leben eines Auftragskünstlers
Klein gestaltete zum Beispiel den Brunnen an der Maxkirche. FOTO: Bretz Andreas
Düsseldorf. Der Bildhauer Karl-Heinz Klein wird 90 Jahre alt. Jetzt verriet er uns die drei wichtigsten Ereignisse seines langen Berufslebens. Von Bertram Müller

Seine Skulpturen sind über die Stadt verstreut, doch die wenigsten Düsseldorfer kennen seinen Namen: Karl-Heinz Klein steht nach mehr als 60-jähriger Arbeit als selbstständiger Künstler noch immer im Schatten seiner Werke. Dabei hat er Plastiken auch jenseits der Stadtgrenzen platzieren können. Ruhm aber ist daraus nicht erwachsen.

Das mag damit zusammenhängen, dass Klein zu 90 Prozent Auftragsarbeiten ausgeführt hat: Stelen, die einem städtischen Platz ein Gesicht geben, Büsten, die an Persönlichkeiten der Kulturgeschichte erinnern, oder Reliefs, die die Ereignisse der Stadthistorie in die Gegenwart holen. Sein bekanntestes Werk ist der Brunnen neben der Maximiliankirche in der Altstadt, den er zum 50-jährigen Bestehen des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges schuf: fünf bronzene stadtgeschichtliche Zeittafeln, verbunden durch Porträts von fünf Düsseldorfer Persönlichkeiten, all das auf fünf bronzenen Säulen.

Werner Schmalenbach, der Gründungsdirektor der Kunstsammlung NRW, hat einmal geäußert, dass Kunst im öffentlichen Raum gerade so nicht aussehen dürfe. Ihm, dem Verfechter der Moderne, war das zu brav, zu traditionell, zu wenig wegweisend. Doch nicht jeder sieht das so. Seit Jahrzehnten richten sich täglich viele dankbare Blicke auf dieses leicht zugängliche Denkmal. Nur weiß kaum jemand, wer es geschaffen hat. Darüber ist Karl-Heinz Klein ein wenig traurig. Andererseits aber scheint er doch auch stolz darauf zu sein, dass ihm ein Leben als selbstständiger Künstler gelungen ist. Über Durststrecken hat ihn seine inzwischen verstorbene Ehefrau Anneliese immer wieder hinweggetröstet, die Stadt Düsseldorf hilft ihm bis heute mit günstigem Wohn- und Arbeitsraum im Golzheimer Künstlerviertel.

Auf unsere Bitte, die drei wichtigsten Ereignisse in seiner Laufbahn zu umreißen, hat Klein rasch Antworten zur Hand. Erstens: ein Ausflug mit der Schule ins Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum. Dort erblickte er als Zehnjähriger im Vorhof erstmals eine riesige Bronzeplastik. "Das möchte ich auch einmal: Menschen darstellen", so erinnert er sich an seine Reaktion.

Mit 21 begann er ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, als Kommilitone von Joseph Beuys und Günter Grass. 1953 machte er sich selbstständig. Zweites Ereignis: ein Wettbewerb der Stadt Düsseldorf, bei dem er den ersten Preis gewann. Sein 1964 entstandener Geschichtsbrunnen steht noch heute nahe der Kirche St. Maria. Dieser Auftrag, so merkt Klein an, bescherte ihm den Durchbruch, zusammen mit einer Steinsäule für das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Bad Godesberg.

Drittes Ereignis: die Tatsache, dass Klein vor mehr als 40 Jahren von der Stadt Düsseldorf jenes schlichte, aber atmosphärereiche Häuschen in Golzheim zugewiesen bekam, das ihm die Arbeit erst ermöglichte. "Das hat mir sehr geholfen", sagt er.

Als 90-Jähriger könnte er nun die Hände in den Schoß legen und sich seines Lebenswerks erfreuen: nicht nur seiner Düsseldorfer Schöpfungen, sondern auch etwa einer fast ungegenständlichen Fassadengestaltung für die Oberpostdirektion Dortmund oder eines Pfannschmied-Denkmals auf dem Marktplatz in Olpe, von der Bevölkerung liebevoll "Panneklöpper" genannt. Doch Klein hat noch etwas vor. In der Nähe des Mendelssohn-Denkmals an der Rheinoper würde er gern eine bereits als Modell existierende Schumann-Statue platzieren. Dafür fehlt ihm noch ein Geldgeber.

Karl-Heinz Klein zieht das Fazit seines 90-jährigen Lebens selbst: "Sich als freischaffender Künstler durchzusetzen ist sehr, sehr schwer." Einerseits. Andererseits: "Plastik ist für mich ein Uranliegen."

Quelle: RP
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