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Valer Sabadus
Aus "Vogelzwitschern" die Stimme geformt

Valer Sabadus: Aus "Vogelzwitschern" die Stimme geformt
Händels Oper "Xerxes" mit Valer Sabadus in der Titelrolle. FOTO: hANSJÖRG Michel
Düsseldorf. Der Countertenor singt die Titelrolle in "Xerxes". Die Händel-Oper wird ab Mittwoch wieder in Düsseldorf gespielt. Von Regine Müller

Morgen wird an der Rheinoper Stefan Herheims Inszenierung von Händels "Xerxes" wieder aufgenommen. In der bildermächtigen Erfolgsproduktion, die Herheim als barocke Muppet-Show angelegt hat, ist in der Titelrolle der famose Countertenor Valer Sabadus zu erleben. In einem Gespräch erklärt er die Eigenheiten seiner Stimmlage.

Wann haben Sie entdeckt, dass Sie eine so hohe Singstimme haben?

Sabadus Ich war schon als Kind ein Sopran. Ich hatte erst mit 17 den Stimmbruch, die Sprechstimme wurde tiefer, aber ich habe weiterhin so hoch singen können. Die Falsettstimme ist erhalten geblieben.

Wurden Sie mit 17 schon Countertenor?

Sabadus Nein, das ging nicht so schnell. Denn im Chor in meinem Gymnasium in Niederbayern musste ich Tenor oder Bass singen. Ich habe mich dann als Tenor versucht, aber das ging gar nicht gut. Intuitiv habe ich in der hohen Lage versucht, dem Druck zu entweichen, und bin einfach ins Falsett ausgewichen. Es war eben meine Veranlagung.

Aber im Tenor falsettieren ist ja nicht das Gleiche wie Alt oder Sopran zu singen?

Sabadus Das kam erst später, meine Mutter, die Pianistin ist, hat mich darauf gebracht. Ich hatte bei einer Matinée den Counter Andreas Scholl singen gehört und habe das zuhause nachgemacht. Da wurde meine Mutter hellhörig und hat mich ans Klavier geschleift. Das war ein besonderer Moment. Erst fühlte es sich komisch an, aber dann wurde es immer natürlicher.

Und wie ging es dann weiter?

Sabadus Ich habe erst Abitur gemacht, war ein Jahr lang Jungstudent in München. Da habe ich dann auch weitergemacht. Bis heute ist Professor Fuchs, die Sopranistin ist, meine Lehrerin.

Welche Methoden bilden den Countertenor heraus?

Sabadus Es ist nicht einfach, weil ein unheimlicher Druck entsteht, denn diese zarte Funktion muss mit der Kraft des Atemdrucks eines ausgewachsenen männlichen Körpers ausbalanciert werden. Und ich habe mit einer besonders zarten Stimme angefangen. Aber Frau Fuchs hat aus dem Vogelzwitschern dann etwas Größeres gemacht!

Ermüden Sie schneller als andere Sänger?

Sabadus Nein, das ist alles eine Frage der Technik. Man muss sich eben auch schonen, die Stimme ruhen lassen, Klappe zu!

Was ist das Besondere an der Titelrolle, an der Figur des Xerxes?

Sabadus Anspruchsvoll ist meine Partie nicht nur in puncto Gesang, sondern auch der szenische Part. Stefan Herheim wollte alles so umsetzen, wie Händel es vorgegeben hat, die Bedeutung jeder kleinsten Note zählt. Der große Reiz liegt für mich im ständigen Wechsel zwischen Seriosität und Komödiantischem. Zum Beispiel bei "Ombra mai fu": Das könnte parodistisch gemeint sein, ist es aber nicht. Xerxes ist kein Clown!

Wie war die Zusammenarbeit mit Herrn Herheim?

Sabadus Bis jetzt eines der Highlights für mich. Ich habe noch nie so intensiv gearbeitet mit einem Regisseur und so äußerst präzise. Indem Herheim Xerxes und Arsamene mit zwei Countertenören besetzt hat, entstand ein völlig neues Spiel mit der Sexualität, Stichwort "Transgendering": Es geht nicht mehr um das eine Geschlecht, sondern um die Gefühle, die dargestellt werden. Herheims Intensität beschränkt sich nicht nur auf die Hauptrollen. Jeder Chorist wird von ihm quasi behandelt wie ein Solist!

Quelle: RP
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