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Düsseldorf
Avi Avital - Hexenmeister an der Mandoline

Düsseldorf. Nicht alle Tage begegnet man bei einem klassischen Konzert einer Mandoline als Soloinstrument. Von Gert Holtmeyer

Aber man ahnt natürlich schon vorher, dass, wenn italienischer Barock auf dem Programm steht und ein so renommiertes Kammerorchester wie "I Musici di Roma" mit von der Partie ist, der Klang ein anderer ist, als wenn in einer Touristenkneipe in Neapel oder Palermo St. Lucia zum Besten gegeben wird.

Es ist etwas in Vergessenheit geraten, dass im 17. und 18. Jahrhundert die Mandoline ein beliebtes und angesehenes Soloinstrument war. Und an eben diese Tradition erinnerte mit Nachdruck ein Künstler, der sich in der Tonhalle geradezu als Hexenmeister der Mandoline vorstellte, der 1978 in Israel geborene Avi Avital. Wenn der Vivaldi spielt, dann ist für Dauer-Tremolo kein Platz. Dafür gibt es rasende Läufe, schnelle Vorschläge und Triller, die ihm offenbar nicht die geringsten Schwierigkeiten bereiten. Und in langsamen Sätzen zeigt sich, dass er auch weite Melodiebögen zu artikulieren versteht.

Ob Avital nun Vivaldi für Mandoline Original (C-Dur, RV 425) oder von Violinkonzerten übertragen (a-moll RV 356) vortrug: immer war es mitreißender italienischer Barock. Den stellte er neben der venezianischen auch in der neapolitanischen Variante vor; con sentimento und robust tänzerisch ging es bei Giovanni Paisello im Es-Dur-Konzert zu. Beeindruckend, als er bei seiner Zugabe in ein ganz anderes Genre wechselte und mit bulgarischer Folklore noch weitere technische und klangliche Facetten zum Klingen brachte.

Die Musici di Roma gibt es seit 1952; sie bilden nach wie vor einen brillanten Klangkörper. Und wenn man im Programm, liest, welche Instrumente von den Musikern gespielt werden - unter anderem aus den Werkstätten von Amati, Guaneri und Storioni -, dann merkt man, dass hier nicht nur auf die Qualität der Spieler, sondern auch die der Instrumente geachtet wird.

Seit den 1950er Jahren hat sich nicht nur die Zusammensetzung der Mitglieder, sondern auch der Klang verändert. Er ist inzwischen stärker an den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis orientiert, allerdings nicht orthodox. Die Tempi bei Corelli, Locatelli und Vivaldi waren schnell, die Bögen sprangen federnd über die Saiten, die Akzente kamen wuchtig. Aber steril wurde es nie, in langsamen Sätzen durfte durchaus ein kräftiges Vibrato für Belcanto-Wohlklang sorgen.

Rasant, gewissermaßen ohne Netz und doppelten Boden, ging es abschließend noch mit dem Winter aus den Vivaldis vier Jahreszeiten zur Sache. Fürs Solo verdiente sich Konzertmeister Antonio Anselmi die Bestnote.

Feurig auch die Zugabe: der letzte Satz aus dem Sommer der Vivaldi-Jahreszeiten.

Quelle: RP
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