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Ausstellung in Düsseldorf
Verunsicherung ist Jan Böhmermanns Kunst

Der umstrittene TV-Satiriker Jan Böhmermann zeigt im Düsseldorfer NRW-Forum seine erste Ausstellung. Das Projekt soll die Gegenwart abbilden. Auch der Aufarbeitung des Eklats ums Erdogan-Gedicht wird Platz eingeräumt. Von Klas Libuda, Düsseldorf

Nun ist das Geheimnis um die Böhmermann-Schau gelüftet. Streng bewacht aber wird die Ausstellung immer noch. Im Eingang steht ein Kasten wie von der Bundespolizei. Passkontrolle. Deutsche Besucher links. Ausländer rechts. Und wer meint, er sei schlau, stellt sich rechts an, weil die Schlange dort kürzer ist. Er wird weggeschickt. Bitte links anstellen, heißt es nach Begutachtung des Ausweises. Ganz im Ernst.

"Deuscthland" (sic!) heißt die Ausstellung, die penibel darauf achtet, wer reinkommt. Es ist das erste Projekt dieser Art von Jan Böhmermann und seiner Produktionsfirma, der Bild- und Tonfabrik. Schon vor der Tür des NRW-Forums wird man am Eröffnungstag kontrolliert: Leibesvisitation. Taschen öffnen. Seit seinem Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Jahr, das ihm mächtig Ärger einbrachte, geht Böhmermann auf Nummer sicher. Zu viel Öffentlichkeit meidet er, Interviews gibt er schon gar nicht. Im NRW-Forum hat er sogar ein Fotografier-Verbot durchgesetzt. Für einen, der sonst auf die Pressefreiheit pocht, ist das erstaunlich.

Verunsicherung ist Jan Böhmermanns Kunst

Handys müssen an der Passkontrolle (die an Andreas Gurskys gleichnamiges Bild erinnert) abgegeben werden – für viele ärgerlich. Nichts soll nach außen dringen. Drinnen wartet Böhmermann. Das Fotoverbot betreffe alle, nicht nur die Presse, rechtfertigt er sich. "Was in dem Raum ist, soll dort bleiben." Das Handyverbot schaffe eine Spannung, Böhmermann will die "totale Unsicherheit". Beim Rundgang müsse man nichts googeln. "Sie können sich komplett auf die Ausstellung verlassen."

Für die einen war sie allein nach ihrer Ankündigung schon die Schau des Jahres, für die anderen bloß ein schlechter Scherz des Satirikers. Zum großen Skandal taugt sie jedenfalls nicht. Allein eine Virtual-Reality-Simulation (VR) birgt Aufregerpotenzial. Setzt man VR-Brille und Kopfhörer auf, geht es auf eine Geisterbahnfahrt durch den Nationalsozialismus, von der Reichskanzlei, zum Führerbunker bis nach Stalingrad. Es ist eine Anspielung auf Böhmermanns Fernsehsendung "Neo Magazin Royale" von vergangener Woche, darin spannen sie über ein Nazi-Disneyland. Wer die Folge nicht gesehen hat, der gruselt sich; wer nicht ganz bei Trost ist, wird sich ergötzen. Es ist wie in der Kunst: Wer mehr weiß, hat mehr von allem. Böhmermann selbst findet das Exponat "zynisch", "geschmacklos", "hart an der Grenze". Es geht um die Frage, ob wir schon so weit gekommen sind. "Die ganze Ausstellung kann auch eine Behauptung sein", sagt Böhmermann. Verunsicherung ist seine Kunst.

Ausstellung von Ernsthaftigkeit durchdrungen

In seiner Fernsehsendung "Neo Magazin Royale" trägt er stets Anzug – Kostüm und Ironie-Signal einer Bühnenfigur. Zum Presserundgang ist er in Jeans und mit Kapuzenpullover gekommen. Er trinkt Cola. Sie hätten die ganze Nacht gearbeitet, erzählt er. Er brauchte ein Getränk, das Spaß macht. Tatsächlich scheinen die Macher und die Schau von Ernsthaftigkeit durchdrungen. Bis zuletzt musste man ja annehmen, dass die Ausstellung bloß eine Parodie auf den Kunstbetrieb werden könnte. Zu sehen gibt es manche Albernheit und einige schöne Ideen, auch wenn die Schau nicht gerade groß ist. Ein Drucker, der sekündlich Tweets von Politikern ausspuckt, aktualisiert die Ausstellung in Echtzeit. Wanderkleidung, die man von Angela Merkels Urlaubsfotos kennt, ist zu sehen. "Mit der Macht auf Tuchfühlung", sagt Böhmermann dazu.

"Deuscthland" möchte die Gegenwart abbilden. Dass das Projekt durch die geplatzten Jamaika-Sondierungen überholt wurde, findet Böhmermann nicht. Das Land sei im Lauerzustand, meint er. "Das ist perfekt für uns." Natürlich wird auch dem Fall Erdogan Platz eingeräumt. Einen "rechtsfreien Raum" nennen die Macher ein Séparée, in dem sie den Rechtsstreit und die vom Landgericht Hamburg beanstandeten Gedicht-Passagen dokumentieren. Ein anderer Bildschirm zeigt den Abgeordneten Detlef Seif (CDU) im Bundestag. Der trug dort das Erdogan-Gedicht vor. Der Kniff: Diese Dinge sind öffentlich zugänglich. Man wolle Kontext liefern, behauptet Böhmermann. Seine Lyrik interessiere ihn nicht mehr, sondern nur noch die juristische Auseinandersetzung. Dass ihn viele nur mit dem Gedicht assoziieren, ärgert ihn.

Tatsächlich war Böhmermann bis zum Erdogan-Eklat etwas für Liebhaber; seitdem wird alles, was er macht, medial ausgeschlachtet. Fans der ersten Stunden wandten sich darum längst genervt ab. Distinktion kann mittlerweile auch bedeuten, Böhmermann nicht mehr zu folgen. Für einen, der zweifellos der Fernseh-Avantgarde angehört, kommt das einer Höchststrafe gleich. Insofern ist die Schau nur folgerichtig – schließlich besagt die alte Regel, dass vorbei ist, was ausgestellt wird.

Ganz so einfach aber ist es nicht. Es gehe nicht darum, sein Werk zu verwalten, sagt Böhmermann. Die Exponate, betont er, wurden eigens geschaffen. Dann verschwindet Jan Böhmermann durch den Notausgang.

 
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