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Düsseldorf
Der Punk an der Digital-Orgel

Cameron Carpenter: Punk an der Digital-Orgel begeisterte die Tonhalle
FOTO: Thomas Grube
Der Amerikaner Cameron Carpenter begeisterte in der Tonhalle. Von Gert Holtmeyer

Während Geiger am liebsten auf ihrem vertrauten eigenen Instrument spielen, reizt es Organisten, auch einmal andere Orgeln kennenzulernen. Die Ausnahme: Der 35-jährige Amerikaner Cameron Carpenter bringt neuerdings seine eigene Digital-Orgel mit, seine "ITO" (Internationale Touring Orgel). Er hasst die Störanfälligkeit und Unberechenbarkeit fremder Instrumente. Rein optisch ist der Wandel unübersehbar: Die Rückwand des Tonhallenpodiums ist mit Lautsprechern gepflastert. Die Menge an Kabeln kann man nur vermuten.

Carpenter, der Mann mit der Punk-Frisur, hat Rachmaninows op. 43 auf dem Programm, die Rhapsodie über Paganinis 24. Caprice für Violine. Die ist an sich für Klavier und Orchester geschrieben. Carpenter hat die Klavierstimme aber für seine Orgel bearbeitet: Das Klavier setzt sich klarer vom Klang des Orchesters ab. Dagegen vermischt sich der Orgelklang stärker mit dem des Orchesters, ist aber dank der diversen Register vielseitiger.

Von den Registriermöglichkeiten macht Carpenter ausgiebig Gebrauch. Da brummen Orgelbässe in den Orchesterklang hinein, Akkord-Kaskaden erinnern an Bachs d-moll-Toccata. Mal wird man an Wassertropfen und mal an Vogelpiepen erinnert. Insgesamt klingt Carpenters "ITO" eher wie eine Hammond- oder Wurlitzer-Orgel. Ob Rachmaninow daran Freude gefunden hätte, weiß man nicht. Aber pfiffig klingt das Ganze allemal. Das Düsseldorfer Publikum ist restlos begeistert und freut sich noch über zwei Zugaben, eine von furiosem und eine von barockem Zuschnitt.

Begeistert werden auch das ORF Symphonieorchester Wien und sein Dirigent Cornelius Meister aufgenommen. Gemeinsam bewähren sie sich nicht nur als Carpenter-Begleitung. In Dvoráks Symphonie "Aus der Neuen Welt" nach der Pause ließ schon der Beginn dank der sehr intonationssicheren Holzbläser aufhorchen. Ein effektvoller Abend, zwei Zugaben.

Quelle: RP
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