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Aki Bosse
"Charts und Erfolg sind mir egal"

Düsseldorf. Der 36 Jahre alte Musiker erzählt vom Erwachsenwerden, seiner Tochter und von der Zeit, als ihn Döner und Bier durch den Tag brachten.

Dein Album "Engtanz", mit dem Du gerade auf Tour bist, klingt nach Aufbruch und Abschied. In "Mordor" singst Du davon, und im letzten Lied der Platte sprichst Du vom x-ten Abschied.

Bosse Tatsächlich beschreiben die beiden Lieder ganz verschiedene Arten von Abschied. Einmal ist es der Abschied von einem lieben Menschen, der andere Abschied beschreibt das Ende der Pubertät.

Das heißt, Du bist jetzt erwachsen geworden?

Bosse Die Zeiten haben sich geändert. Ich bin früh Vater geworden und musste Verantwortung übernehmen. Mit 22 habe ich in den Tag hineingelebt, ohne ein richtiges Zuhause. Döner und Bier in der Hand und dann los. Heute ticken die Uhren anders.

Klingt ein bisschen wehmütig?

Bosse Im Gegenteil. Der Abschied von der Zeit war ein guter. Der Vorteil am Vaterwerden ist die große Portion Liebe und Verantwortung. Die Prioritäten haben sich einfach verschoben, und vieles ist dadurch entspannter. Früher dachte ich immer, ich muss mit jedem und allem mithalten können, und ich hatte oft das Gefühl, etwas zu verpassen.

So traurig Deine Texte manchmal auch sind, Du gibst einem nie das Gefühl, die Hoffnung sei verloren. In "Ahoi Ade" sagst Du zum Beispiel "Ein Teil von uns vergeht", nicht "alles vergeht".

BOsse Ich schaue in der zweiten Strophe nach vorne, weil die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Man muss die Dinge manchmal laufenlassen. Das fängt bei meiner Tochter an: Ich sehe zu, wie sie wächst, sie hat schon Schuhgröße 35, und ich weiß, dass sie irgendwann nach Berlin zieht und ihr eigenes Ding macht.

Wie alt ist Deine Tochter?

Bosse Zehn.

In vielen Deiner Songs benutzt Du maritime Bilder. Du singst von Walfontänen und vom Segelmast. Das vorletzte Lied auf der Platte heißt "Insel". Fühlst Du Dich dem Wasser verbunden?

Bosse Ich bin teilweise auf Amrum aufgewachsen, heute wohne ich dicht an der Elbe. Schiffe haben mich schon immer fasziniert und Häfen und Kräne. Auf der anderen Seite erzähle ich einfach gerne in Bildern. Das ist in "Insel" so und in "Steine" auch. Ich male ein großes Bild, auf dem ich so lange rumkaue, bis es auserzählt ist.

In beiden Songs geht es um eine Suche. Was genau suchst Du?

Bosse Die Protagonisten in "Insel" sind auf der Suche, sie hatten keine gute Zeit, und irgendwie finden sie nicht zueinander.

Die Protagonisten? Deine Texte sind also nicht autobiografisch?

Bosse Manchmal ist alles autobiografisch und manchmal wenig. Aber ist es nicht sowieso so, dass die Leute immer sich selber in den Liedern sehen? Und nie den Schreiber?

Ist das denn Dein Ziel, wenn Du Songs schreibst? Dass sich die Leute wiederfinden?

Bosse Ich finde es cool, wenn sie etwas fühlen. Und es ist auch okay, wenn sie meine Songs scheiße finden.

Womit wir wieder beim Entspanntsein wären.

Bosse Ich tue das, was ich gut finde, ich lasse mich nicht in ein Korsett schnüren. Würde ich immer nur für Charts, Presse oder Radio schreiben, wäre das eine schlechte Berufswahl gewesen. Man macht ja Musik, um frei zu sein.

"Krumme Symphonie" hast du zusammen mit Casper aufgenommen. Kennt Ihr Euch gut?

Bosse Wir kennen uns gut und schon eine ganze Weile. Auf einem Unifest haben wir uns zum ersten Mal getroffen. Seitdem ist er mein erster Mann in Berlin, und wir wollten schon lange mal etwas zusammen machen.

"Dein Hurra" ist die zweite Single, die Du veröffentlicht hast. Im Booklet ist ein Zettel abgebildet, auf dem geschrieben steht: "Papi du siehst heute aber gut aus." Ist der echt?

Bosse Der ist mega echt. Meine Tochter schreibt manchmal solche Nachrichten. Die habe ich in einer Konzertjacke gefunden.

Das Lied handelt also von ihr?

Bosse "Dein Hurra" handelt von Freundschaft. Am Ende ist es ein Lied über Menschen geworden, die es schaffen, mit einem Fingerschnippen alles gutzumachen.

"Engtanz" hat es in den Charts bis auf Platz eins geschafft. Setzt Dich das nicht ein bisschen unter Druck, mit der nächsten Platte wieder so viel Erfolg haben zu müssen?

Bosse Beim Musikmachen kann man sich nichts vornehmen und nichts planen. Schon gar nicht, ob die Leute mögen, was du schreibst. Charts und Erfolg sind mir dann egal.

Du kommst heute ins Zakk, das Konzert ist ausverkauft. Haben die Düsseldorfer denn bald noch mal die Chance, Dich zu sehen?

Bosse Für Köln gibt es noch ein paar Karten und für Münster auch.

Und was ist mit Düsseldorf?

Bosse So viel kann ich sagen: Im Januar und Februar sind wir noch mal auf Tour.

Du bist viel unterwegs - wer ist Aki Bosse, wenn er nicht gerade auf der Bühne steht und Musik macht?

Bosse Ich bin ein ganz normaler Typ. Ich habe einen Wohnwagen an der Elbe, ich liebe die Natur, meinen Garten - ich habe gerade Bambus gepflanzt -, und ich koche gerne.

Hast Du ein Spezial-Gericht?

Bosse Asiatische Sachen, Nasi Goreng, und ich stehe auf Mango Chutney.

NICOLE SCHARFETTER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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