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Düsseldorf
Collage ohne Grenzen

Düsseldorf. Die Künstlerin Frauke Dannert zeigt in einer beeindruckenden Schau im Museum Kunstpalast, wie die Technik der Collage aus der Zweidimensionalität des Papiers auf den Raum übergreift. Von Barbara Steingiesser

Es ist schon etwas Besonderes, wenn das Museum Kunstpalast in seiner Graphischen Sammlung eine Einzelausstellung junger zeitgenössischer Kunst präsentiert. Das kommt nur alle zwei bis drei Jahre einmal vor, wie zuletzt 2014 bei der Ausstellung "White Noise" mit Holzschnitten von Christiane Baumgartner.

Jetzt stehen eine andere Künstlerin und eine andere Technik im Mittelpunkt. "Collage" - der Titel der aktuellen Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Luzern entstanden ist und die erstmals einen Überblick über das Gesamtwerk von Frauke Dannert gibt, ist so schlicht wie zutreffend. Denn die 1979 geborene Künstlerin, die an der Düsseldorfer Kunstakademie und am Goldsmiths College in London studiert hat, bedient sich seit fast zehn Jahren ausschließlich dieser Technik.

Wie das Wort "Collage", abgeleitet von französisch "coller" (kleben) schon sagt, werden dabei einzelne Elemente zu einem neuen Ganzen zusammengefügt. Doch "bei Frauke Dannert macht die Collage nicht am Bildrand halt", sagt die Kuratorin und Leiterin der Graphischen Sammlung des Museums, Gunda Luyken. Weil der Gegenstand ihrer Collagen die Architektur ist, erscheint es nur folgerichtig, dass Dannert den jeweiligen Museumsbau in ihre künstlerische Arbeit einbezieht.

Sie ist, so formuliert es Generaldirektor Beat Wismer, "dem Ausstellungsraum mit Schere und Pinsel auf den Leib gerückt". Um einen Pfeiler in der Mitte des Saales herum hat sie mehrere Raumabschnitte gruppiert, in denen verschiedene Werkphasen präsentiert werden, die jedoch nicht isoliert nebeneinanderstehen, sondern durch formale Korrespondenzen oder Gegensätze wie schwarz-weiß, positiv-negativ, klein-groß oder innen-außen miteinander in Beziehung treten.

Bei der ersten und grundlegenden Werkgruppe geht Frauke Dannert von eigenen oder in Büchern und Zeitschriften gefundenen Architekturfotografien aus, die sie auf dem Schwarz-Weiß-Kopierer vervielfältigt. Aus dem so gewonnenen Baumaterial schneidet sie einzelne, skulptural hervorstechende Elemente aus, wie Türme, Kuppeln oder Erker, die sie auf einem neutralen Hintergrund zu ihren eigenen Bildschöpfungen arrangiert.

Wie einst Max Ernst als Material für seine surrealistischen Collagen schwarz-weiße Holzstiche verwandte, damit die Schnittkanten der zusammengeklebten Teile unsichtbar blieben, so hat der Vorgang des Kopierens bei Frauke Dannert einen ähnlichen Vereinheitlichungs- und Abstraktions-Effekt.

Aus den multiplizierten architektonischen Fragmenten wachsen, ohne im Boden verwurzelt zu sein, faszinierende neue Gebilde von geheimnisvoller Symmetrie, die zum Teil an Bauwerke der Natur wie Schneckenhäuser, Muschelschalen oder Kristallgitter erinnern.

Mit Vorliebe verwendet Dannert Abbildungen zudem von Betonbauten der 60er Jahre, die bereits nicht mehr existieren. So vollzieht sie das Abreißen und Neubauen des modernen Städtebaus als De- und Rekonstruktion in ihrer Kunstwelt nach und verhilft den massiven Betonformen auch damit zu einem neuen Leben von verblüffender Schwerelosigkeit.

Ein noch leichteres Baumaterial als Papier ist das Licht, das die Künstlerin mit Hilfe der analogen Fotografie collagiert. Wobei die wiederholten Überlagerungen durch Mehrfachbelichtungen entstehen. Die Ausstellung zeigt mehrere kleine Handabzüge sowie eine extreme Vergrößerung als Fototapete, mit der die Collage auf den Ausstellungsraum übergreift.

Eine weitere Technik, die mit Licht im Raum arbeitet, ist die Projektion, für die Frauke Dannert Overheadprojektoren verwendet. Mit denen wirft sie reizvolle Elemente aus ihrem Formenkatalog an die Wand.

Im Kunstpalast hat Frauke Dannert es nicht bei der Projektion belassen, sondern aus einer solchen ein mehrfarbiges Wandgemälde entwickelt. Aber nicht nur die Farbe, sondern tatsächlich auch die Schere waren bei der Umgestaltung des Raumes im Spiel.

Die Künstlerin hat eine Form aus dem Gemälde aufgegriffen und sie aus der Rigips-Verschalung der gegenüberliegenden Wand ausgeschnitten. So blickt man an dieser Stelle durch die mit pinkfarbener Folie beklebte Fensterflucht, die nachts von innen beleuchtet wird, in den Himmel. "Collage ohne Grenzen" lautet der Titel des Katalogbeitrags von Gunda Luyken.

Wie treffend.

Quelle: RP
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