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Düsseldorf
Dadaisten sind aus Kautschuk

Düsseldorf. Experten diskutierten in Düsseldorf über ein aufregendes Zeitphänomen. Von Claus Clemens

100 Jahre, nachdem im Februar 1916 das Zürcher "Cabaret Voltaire" den Dadaismus als Kunst und Weltanschauung präsentierte, haben 2016 viele kulturelle Einrichtungen an das Phänomen erinnert. Das Programm des Heinrich-Heine-Instituts, zusammen mit der Robert-Schumann-Hochschule und der Hugo-Ball-Gesellschaft, führte jetzt zu einer Expertentagung.

Bei den Vorträgen und der Diskussion mit dem Publikum zeigte sich aber vor allem eins: wie schwierig das Phänomen Dadaismus doch mit eindeutigen Begriffen festzulegen ist. "Kautschuk - der Stoff, aus dem die Dadaisten sind", analysierte der Kölner Martin Mittelmeier. Ein weiterer Versuch: "Als Zeitzeugen ihrer selbst haben die Dadaisten früh begonnen, Dokumente zu verfälschen."

Einigkeit herrschte indes darüber, dass die Dadaisten unbedingt Kinder ihrer Zeit sein wollten. Dass sie den Expressionismus und seine gesellschaftsferne Bilderwelt ablehnten. Dass sie "nicht im Dichtersessel dösen oder Bilderchen pinseln" wollten, wie Mittelmeier zitierte. Walter Fähnders aus Osnabrück beleuchtete die schier unglaubliche Menge von Ideen und Manifesten, die seit 100 Jahren aus der Dadawelt kommen: "Die ganze Welt ist eine Manifestation". Zur Sprache kam dabei auch der 150. Geburtstag des "Altdadaisten" Erik Satie. Als Repräsentant der symbolistischen Ära hatte er bereits früher im Pariser Künstlercafé "Chat Noir" den Humor in seiner ernsthaftesten Form auf die Bühne gestellt.

Für den Abend hielten die Organisatoren der Tagung im Haus der Universität ein opulentes Dada-Programm parat. Es gab Musik von Satie, Paul Hindemith und John Cage, dazu Tanzimprovisationen oder die Lesung von Lautgedichten als "Hommage an die fliegenden Seepferdchen". Noch bis Ende November können sich die Dada-Freunde auf weitere Programme im Heine-Institut, der Musikhochschule oder etwa im Oberlandesgericht freuen.

Quelle: RP
 
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