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Düsseldorf
Gestatten, Dagmar Manzel

Dagmar Manzel wurde durch den Tatort im TV bekannt
Dagmar Manzel in der Komischen Oper Berlin. FOTO: dpa
Düsseldorf. Im "Tatort" wurde die 57-Jährige auch dem TV-Publikum bekannt. Heute kommt sie für einen Liederabend ins Schauspielhaus. Von Regina Goldlücke

Sie ruft aus dem Auto an, auf dem Weg in die Komische Oper Berlin. Am Abend wird Dagmar Manzel wieder glänzen in Paul Abrahams "Ball im Savoy". Wie sie seit Jahr und Tag überall glänzt, wo sie auftritt. Und dabei so mühelos und lustvoll wie kaum eine andere Schauspielerin den Spagat zwischen Tragödie und heiterer Muse bewältigt. Mit allen Schattierungen dazwischen. Vom "Weißen Rössl" zu den "Sieben Todsünden", vom "Tatort" zu den klingenden Schätzen der 1920er Jahre. "Diese Musik inspiriert mich besonders", sagt sie und spielt auf den Abend an, mit dem sie heute im Großen Haus gastiert: In "Menschenskind" singt sie Lieder von Friedrich Hollaender, am Flügel begleitet sie Michael Abramovich.

Dagmar Manzel kommt mit diesem einhellig bejubelten Programm zum ersten Mal nach Düsseldorf. Als sie 2014 in Hamburg mit dem Theaterpreis "Faust" für ihre Rolle in "Gift" am Berliner Deutschen Theater ausgezeichnet wurde, lernte sie Schauspielhaus-Intendant Günther Beelitz kennen. "Er ist ja auch so ein musikbegeisterter Mensch", sagt sie. "Sehr schnell entdeckten wir gemeinsame Interessen. Aus dem Gespräch heraus ergab sich das Düsseldorfer Gastspiel." Es sollte schon im Mai stattfinden, wurde aus Krankheitsgründen verschoben. "Ich hatte eine Stimmbandentzündung", erzählt sie. "Für die laufenden Theatervorstellungen in Berlin ließ ich mich spritzen, alle anderen Verpflichtungen musste ich leider absagen. Wenn man sich als Schauspielerin aufs Singen konzentriert, wird die Stimme über Gebühr beansprucht."

Umso freudiger nimmt sie nach einer Phase der Schonung wieder ihre Hollaender-Lieder ins Gepäck. Man kennt hauptsächlich die Ohrwürmer aus der Marlene-Dietrich-Zeit, darunter so berühmte wie "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" oder die "fesche Lola". Dagmar Manzel hat sie auch im Repertoire, setzt aber mit gutem Gespür andere Akzente: "Gerade seine frühen Stücke finde ich so anrührend. Da war ein großer Schatz, den ich heben durfte. Nur eines machte mir zu schaffen - was davon sollte mit auf die Bühne?" Um die Auswahl hätte sie mit ihrem Pianisten lange gerungen, sagt sie: "Und jetzt singe ich alle meine Lieblingslieder."

Eines gab dem Programm seinen Namen, das wehmütige "Wenn ich mir was wünschen dürfte". Es beginnt mit dem Wort "Menschenskind". Dagmar Manzel erkennt darin eine Doppeldeutigkeit: "Gemeint ist ein kleines Kind, aber auch ein Ausruf im Berliner Jargon." Das schillernde Berlin der 1920er-Jahre war die künstlerische Heimat des Komponisten, Textdichters und Kabarettisten Friedrich Hollaender. Er schrieb Revuen und zahlreiche Filmmusiken, emigrierte 1933 in die USA und ließ sich nach dem Krieg in München nieder. Dagmar Manzel, so urteilten Kritiker, verwandle sich in seinen Chansons wie ein Chamäleon, sei mal Göre, mal Diva.

Nicht nur im Theater, auch im Fernsehen wurde ihre Schauspielkunst mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen belohnt. Die Liste ist so beeindruckend lang, dass man sich fragen muss, ob es überhaupt Arbeiten gibt, die keine Würdigung erfahren haben. Da muss Dagmar Manzel lachen. "Doch, doch, da gibt es einiges", sagt sie. "Tatsächlich habe ich noch nie einen auf mich gemünzten Preis fürs Musiktheater bekommen." Nicht, dass sie das wirklich bräuchte. Lorbeeren gibt es auch so genug. Ihr jüngster Coup rückte sie auf einen Schlag ins Bewusstsein der Sonntags-Krimifans: ihr fulminanter Einstieg im "Frankentatort" als Kommissarin Paula Ringelhahn. "Auf diese Serie konnte ich mich aus mehreren Gründen einlassen", erzählt sie. "Ich drehe pro Jahr nur einen Fall, also bleibt mir Zeit für andere Projekte. Und dann sind da die herausragenden Bücher. Sie wurden mir und meinem Kollegen Fabian Hinrichs fast auf den Leib geschrieben, und ich durfte sie sogar mit gestalten." Nur eines opferte sie ihrer Krimirolle: den kühnen kurzen Pony, den sie auf dem "Menschenskind"-Plakat noch trägt.

Quelle: RP
 
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