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Peter Kraus
"Das Melancholische liegt mir nicht"

Peter Kraus: "Das Melancholische liegt mir nicht"
Peter Kraus vor dem Café Bazzar. Er geht selbstironisch mit dem Alter um: Seinen Song "Tiger" bringt er inzwischen in einer Senioren-Version. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Der 76-jährige Peter Kraus geht noch einmal auf Tournee. Im Mai 2016 gastiert er in Düsseldorf. Ein Gespräch über die Lust am Leben. Von Regina Goldlücke

Das hat er sich schlau ausgedacht, der Peter Kraus. Mit einer großen Tournee nach seinem 75. Geburtstag im März 2014 wollte der Sänger und Entertainer eigentlich seinen Abschied von der Bühne zelebrieren. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Im Frühjahr 2016 bricht er wieder auf und macht am 18. Mai auch in der Mitsubishi Electric Halle Station. Damit sein Programm aber nicht als Aufguss der Abschiedstournee verstanden wird, nennt er es "Zugabe!" und behauptet: "Das Beste kommt zum Schluss". Auf ein Gespräch im Café Bazzar schaute er schon mal in Düsseldorf kurz vorbei.

Kommen Sie gern in unsere Stadt?

Kraus Und ob. Ich baue Düsseldorf regelmäßig ein, weil es mich ins Meilenwerk zieht. Oldtimer sind mein Steckenpferd, ich besitze mehrere davon. Allerdings bin ich nicht so sehr der Sammler. Eher der Schrauber.

Mit Ihren Händen arbeiten Sie neuerdings auch in Ihrem Weinberg in der Steiermark.

Kraus Das ist echte Arbeit. Im ersten Jahr komme ich nur auf 30 Liter. Die trinke ich selber. 2015 erwarten wir aber schon 1500 Liter.

Sie könnten doch ein gemütliches Leben führen. Was hat Sie dennoch dazu bewogen, Ihre Tournee fortzusetzen?

Kraus Der Erfolg! (Dabei lächelt er ein wenig verlegen). Ich fühle mich topfit, meine Konzerte machen mir unverändert Spaß. Dem Publikum offenbar auch.

Aber die Fans kennen Ihr Programm doch schon, oder?

Kraus Nein, das kann man so nicht sagen. Wir lassen uns andauernd neue Sachen einfallen. Stillstand ist öde, man muss die Leute aktivieren. Deshalb wird es viele Überraschungen geben. Es sind unverwüstliche Titel dabei, von denen ich weiß, dass sie meinem Publikum am besten gefallen. Lustige wie meine Seniorenversion von "Tiger". Und Lieder, für die ich mich selber begeistern kann, die mich emotional berühren.

Dazu gehört auch Ihr neuer Song "Jede Menge Leben", mit dem Sie Ihren verstorbenen Freund Udo Jürgens ehren.

Kraus Es war mir ein Bedürfnis, dieses Lied zu schreiben. Alle Einnahmen gehen an die Udo-Jürgens-Stiftung. Wir waren schon in früher Jugend verbunden. Ich verehrte und bewunderte Udo als Künstler und Kollegen. Eine außerordentliche Persönlichkeit. Kürzlich war ich an seinem Grab in Wien. Am 21. Dezember ist er schon ein Jahr tot.

Wie haben Sie die Nachricht damals aufgenommen?

Kraus Sie hat mich kalt erwischt und tief erschüttert. Ich dachte ja, der lebt und singt ewig. Gerade hatte ich erwogen, meine Tournee fortzusetzen. Jetzt überlegte ich, ob das wohl richtig war - mit dem Risiko, vielleicht auf der Bühne zu sterben. Will ich das? Sein Tod hat mich veranlasst, über mein eigenes Leben nachzudenken. Unsere Karrieren haben Parallelen. Aber unsere Gemütslage war ganz unterschiedlich.

Wie meinen Sie das - er der Melancholiker, Sie der Sunnyboy?

Kraus Ja. Udo hat in seinen letzten Jahren viel gegrübelt, er war tatsächlich melancholisch. Das liegt mir nicht. Ich will unbelastet weiterleben, so lange es funktioniert. Wenn es eines Tages nicht mehr geht, wenn die Energie schwindet und ich zurückstecken muss, werde ich mich eben darauf einstellen.

Momentan deutet nichts darauf hin, Sie wirken um viele Jahre jünger.

Kraus Das verdanke ich auch meiner Frau. Ingrid achtet auf meine Ernährung und eignet sich fortlaufend medizinische Kenntnisse an. Ich habe also meine persönliche Hausärztin immer bei mir.

Quelle: RP
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