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Düsseldorf
Das Schauspielhaus kommt zu den Menschen

Düsseldorf. Die Inszenierung "Faust to go" sucht Gastgeber. Gespielt werden kann sie nahezu überall. Von Regina Goldlücke

Die Idee zum Projekt "Faust to go" brachte Wilfried Schulz gleich bei seinem Antritt mit - eine Inszenierung, die zu den Menschen kommt. Damit will der Schauspielhaus-Intendant den Düsseldorfern ein Geschenk machen. Gerade jetzt, wo das Theater keine feste Heimstatt hat, sondern an vielen Spielorten zu erleben ist. "Als Regisseur fand ich den Gedanken sofort reizvoll", sagt Robert Lehniger. "Er entspricht dem Grundgedanken des Theaters. Da kommt eine fahrende Truppe auf den Marktplatz, packt den Wagen aus und fängt an, eine Geschichte zu erzählen." Dafür schien ihm der deutsche Klassiker schlechthin wie gemacht: Goethes "Faust" in einer zeitgemäßen Version.

"Sie enthält Elemente eines Road Movies und kommt meiner hohen Affinität zu filmischen Ausdrucksformen entgegen", erklärt Robert Lehniger. Im Grunde habe der Visionär Goethe mit seinem rastlosen Protagonisten die moderne Gesellschaft beschrieben, die nicht mehr in der Lage sei, den Moment zu leben, sondern immer vorwärts dränge. Für "Faust to go" benutzt sein Team auch eine Videokamera, mit der es sich durch die Stadt bewege und sie den Bürgern auf neue Weise darbringen könne. "Wir sind dabei, ein Theaterformat zu erfinden, das sich ab der Premiere auf einer permanenten Gastspielreise befindet", kündigt Lehniger an.

Fünf Schauspieler aus dem Ensemble wirken mit. "Wir mussten einen Bühnenraum konzipieren, der sich überall anpasst", sagt Dramaturgin Beret Evensen. "Jeder, der die Möglichkeit hat, 100 bis 150 Zuschauer unterzubringen, kann uns einladen." Sie berichtet von einer regen Resonanz nach der ersten Ankündigung. Viele Institute haben bereits eine Vorstellung gebucht oder ziehen es in Erwägung. Darunter sind Schulen ("Faust" ist Oberstufenstoff), das LVR-Klinikum mit seinem Kulturprogramm, die fünf Düsseldorfer Rotary-Clubs, die im Industrieclub ein gemeinsames Forum fanden, die Bürgerstiftung Gerricus in Gerresheim, die Heine-Uni und der Künstlerverein Malkasten.

Die Proben beginnen in Kürze, Premiere ist am 21. Januar 2017 in der Christuskirche. Je nach Veranstaltungspartner kostet das komplette "Faust to go"-Vergnügen 500 bis 1000 Euro. Den Kartenverkauf wickelt der jeweilige Gastgeber ab. Lehniger und Evensen fänden es spannend, wenn für die Aufführung auch "schräge Locations" gefunden werden könnten. Zwei bis drei Orte könne man im Monat bespielen. Das Projekt bleibt zunächst während der laufenden Saison im Programm, bei Erfolg auch länger.

Quelle: RP
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