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Düsseldorf
Das umgebaute Streichquartett

Düsseldorf. Schumannfest: Artemis-Quartett gastiert in neuer Besetzung in der Tonhalle. Von Regine Müller

Musiker in einem Streichquartett - das ist mehr als ein Beruf. Es ist eine Lebensform. Denn das Streichquartett ist Königsdisziplin der Kammermusik und Prüfstein für musikalischen Teamgeist. Die Mitglieder eines Streichquartetts kennen einander oft besser als ihre (Ehe-)Partner. Man kann sich also ausmalen, was es im vergangenen Juli für das renommierte Artemis-Streichquartett bedeutete, als der Bratscher Friedemann Weigle sich das Leben nahm. Er litt unter einer bipolaren Störung.

Für das fragile Gleichgewicht eines Streichquartette kann so ein Fall das Aus bedeuten. Nach einem halben Jahr der Trauer, in der das Ensemble als Trio eine Gedenktour für den verstorbenen Kollegen absolvierte, gab die Formation bekannt, als Quartett weitermachen zu wollen. Dank einer internen Rochade wechselte der zweite Geiger Gregor Sigl an die Bratsche, und als zweite Geige stieß Anthea Kreston hinzu.

Das ursprünglich angekündigte Programm für das Schumannfest - Werke von Schubert, Bartok und Beethoven - musste mit der neuen Besetzung umgeplant werden. Cellist Eckart Runge ist nun der letzte Musiker, der von der ursprünglichen Besetzung des 1989 gegründeten Quartetts übrig geblieben ist. Er sagt: "Wir waren wirklich in einer Notsituation und sind sehr froh, dass wir so schnell zusammen spielen können. Die Planung war ein heilloses Durcheinander."

Als der Neuzugang und die interne Rochade im Februar die neue Formation ergaben, hatte das Quartett nur drei Wochen Zeit, den Rest der Spielzeit vorzubereiten. "Ein Doppelwechsel fühlt sich gar nicht so viel anders an wie ein einfacher, aber nichtsdestotrotz kann man auf keinerlei Repertoire zurückgreifen." Insgesamt zehn Werke studierten die Musiker ein, aus denen Veranstalter auswählen können.

"Es muss ein guter Mix sein aus Effizienz - mit Repertoirestücken - und Neuanfang. In ein stehendes Konzept kann man Neuzugänge leichter integrieren, als ganz von vorne anzufangen. Aber es ist auch wichtig, dass man auch einen neuen Quartettklang entwickelt. Das geht besser mit Stücken, die man noch nie gespielt hat."

In der Tonhalle spielt das neue Artemis-Quartett nun Leo Janáeks Quartett Nr. 1, Dmitri Schostakowitschs Quartett Nr. 5 und Beethovens "Rasumowsky"-Quartett Nr. 1. Eine eigenwillige Kombination, die Eckart Runge auf erstaunliche Weise gewichtet: "Janáek ist das extrovertierteste Stück. Auf kürzestem Raum baut es eine Riesenpalette von Emotionen auf bis zur Mordlust. Das Fünfte von Schostakowitsch ist ungewöhnlich poetisch und sanft, trotz ruppiger Momente." Und der Schritt zurück zu Beethoven sei eigentlich der Schritt nach vorn: "Denn Beethoven sei ja von allen der Revolutionärste! Selbst in den mittleren Quartetten mit ihrer Ausgewogenheit von Form und Ausdruck. Er war damit auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Das Rasumowsky-Quartett ist ein grandioses Meisterwerk, das in die Zukunft weist." Runge ist sicher: "Es ist das modernste Stück des Abends!"

Termin Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr Tonhalle. Karten: 0211- / 39 02 01 93

Quelle: RP
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