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Düsseldorf
Den Radetzky-Marsch kann man sogar singen

Düsseldorf. Neujahrskonzert der Düsseldorfer Symphoniker und des Städtischen Musikvereins unter Alexandre Bloch in der Tonhalle. Von Gert Holtmeyer

Der wichtigste Zweck des Neujahrskonzerts sei es, erläuterte Intendant Michael Becker, den Düsseldorfer Musikfreunden zu einem guten Start ins neue Jahr zu verhelfen. Das sollte in diesem Jahr eine russisch-französische Programmkombination bewerkstelligen.

Die Düsseldorfer Symphoniker unter ihrem neuen Ersten Gastdirigenten Alexandre Bloch starteten mit dem berühmtesten Cancan der Welt, dem aus Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt". Schon nach den ersten spritzigen Takten gab es eine Überraschung: Sängerinnen und Sänger des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf betraten die Zuschauerränge, freudig mit Sektgläsern anstoßend, dem Publikum zuprostend und dabei auch noch mitsingend. Dann zog sich der Chor erst einmal zurück, um später ordnungsgemäß vor den Orgelpfeifen Platz zu nehmen.

Das Orchester zeigte sich in bester Spiellaune. Abwechselnd munter und lyrisch erklang George Bizets "Jeux d'enfants", brillant Ravels "Alborada del Gracioso".

Heiter gelang die Begleitung der beiden Walzer, von Gounod "Ah! Je veux vivre" aus "Roméo et Juliette" und von Offenbach "Valse tyrolienne" aus "Le mari à la porte". Als Solistin hinterließ Armelle Khourdoian einen tadellosen Eindruck. Die französische Sopranistin sang die Walzer leicht und locker, dabei aber mit durchaus großer, durchsetzungsfähiger Stimme.

Dass der von Marieddy Rossetto vorzüglich einstudierte Chor weit mehr konnte, als Sektgläser zu schwenken, bewies er bereits im ersten Teil mit Gounods Faustwalzer und, zusammen mit Armelle Khourdoian, mit Offenbachs "Je suis veuve d'un colonel" aus "La vie Parisienne".

Dirigent Alexandre Bloch bestätigte den guten Eindruck, den er bei seinem Düsseldorfer Debut im Sinfoniekonzert hinterlassen hatte. Sympathien gewann er zusätzlich als humorvoller Conferencier.

Einem Zaren-Erlass aus dem Jahre 1699 ist zu verdanken, dass seitdem in Russland Neujahr am selben Tag gefeiert wird wie bei uns. Ein Ukas von Peter dem Großen verschob damals den Jahresbeginn vom 1. September auf den 1. Januar. Nicht nur deshalb sprach nichts dagegen, auch in der Tonhalle das neue Jahr mit russischer Musik zu beginnen. Die steckt bekanntlich voller Vitalität - und das war zu hören. Borodins "Polowetzer Tänze" gaben dem Chor, Strawinskys humorvolle "Zirkuspolka für einen jungen Elefanten" dem Orchester Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Rasselnd begeisterte Khatschaturians "Säbeltanz". Armelle Khourdoian sammelte weitere Pluspunkte mit Rimsky-Korsakows "Sprodrouzkami" und Rachmaninows "Chanson géorgienne". Wirkungsvoller und pathetischer Schluss: Tschaikowskys patriotische "Ouvertüre 1812" in der Fassung mit Chor.

Den Radetzky-Marsch als Zugabe zu spielen, ist an sich nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich allerdings und für Heiterkeit sorgend war eine neue A-cappella-Version: Das Orchester sang seine Partie im Wechsel mit dem Chor und schließlich auch dem Publikum.

Quelle: RP
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