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Düsseldorf
Der 29. Bücherbummel im Test

Impressionen vom Bücherbummel 2016
Impressionen vom Bücherbummel 2016 FOTO: Ina Schwerdtfeger
Düsseldorf. Selbst auf der schicken Kö ist nicht alles Gold, was glänzt. Zum Beispiel die sogenannte Goldene Bücherstütze, die zum Auftakt des Bücherbummels immer einem verdienten Literaturmenschen der Stadt verliehen wird. Von Lothar Schröder

Die glänzt schön, ist aber aus Messing. Macht nichts: Der Düsseldorfer Krimiautor Horst Eckert freute sich gestern mordsmäßig über die Ehrung, zumal ihm durch die Ela-bedingte Bücherbummelabsage 2014 ein ganzes Jahr der Vorfreude vergönnt war. Es wurden sogar noch ein paar Minuten mehr, da Oberbürgermeister Thomas Geisel erst fünf vor zwölf herbeieilte, sich dann aber frohgemut als Leser und Fan des Eckertschen Werkes outete.

Geisel beanstandete sogleich eine zweite kleine Mogelpackung: Direkt vor der RP-Bühne musste er im Angesicht eines Standes seine Rede halten, an dem ein Getränk aus der verbotenen Stadt rheinauf gebraut und als Bier deklariert wird.

Darüber hinaus sind nicht einmal alle Bücher auch wirklich Bücher. 400 Kilometer Anreise nahm Sebastian Schmidt in Kauf, um seine Bücher aus Stein anzubieten. Die zählen fast schon zum Teuersten, was der Bücherbummel in diesem Jahr zu bieten hat: Ein Buchmonstrum aus österreichischem Serpentenit kostet immerhin 850 Euro.

Bücherbummel auf der Kö eröffnet

Nun liegt es im Wesen der Literatur, dass nicht alles mit dem, was wir Wahrheit nennen, in hübschem Gleichklang steht. So wollen wir mit der "Goldenen Bücherstütze" als unserer Wünschelrute den 29. Bücherbummel in seinen drei klassischen Genres testen - in seinem literarischen, musikalischen und kulinarischen Angebot.

Die Literatur Das meiste ist ja Ramsch, und das ist seit Beginn so gewollt. Das gängige Angebot sind drei Taschenbücher für zehn Euro; am Stand von "amnesty international" aber darf man den Preis selbst bestimmen; der wird in der Regel akzeptiert. Ansonsten sind Bücher auf dem Rückzug. Lediglich ein Drittel aller Stände bietet noch Literarisches an; dabei ist der Schwann-Verlag mit seiner Bestsellerpublikation der Gelben Seiten schon eingerechnet. Um auch junge Menschen anzusprechen, wurde dort ein Kicker in Gelb aufgestellt.

Dieser Trend wird schwer zu stoppen sein, da immer mehr Buchhandlungen schließen (etwa 40 gibt es noch in Düsseldorf), und immer mehr Antiquariate sich aufs Versandgeschäft verlegen. Noch gibt es auch an der Kö noch ein paar feine Antiquariate als Perlen, mit denen sich der Bummel zwischen der Kompostberatung von Awista und dem Stand der Stiftung Warentest schmückt: Beim Antiquariat Lenzen findet sich eine Immendorff-Bibel samt kleiner Affenskulptur für 2800 Euro, das Stern-Antiquariat offeriert signierte Vorzugsausgaben von Erich Kästner für 99 Euro. Ein paar Entdeckungen sind auch bei den Buchhandlungen zu machen: Frank Petzchen vom Carlsplatz bietet ausschließlich Kochbücher an (5000 sind im ständigen Sortiment) und hat damit seit zehn Jahren Erfolg; großer Zulauf auch jetzt auf dem Bücherbummel.

Die Musik Das Programm der Bühnen ist gut, dezent und niveauvoll. Viel Jazz findet sich darunter. Lesungen von der Bühne werden gottlob Mangelware sein; sie sind in den Vorjahren im Gedränge und im Getöse meist auch untergegangen. Aber auch die Musik ist noch ausbaufähig - beispielsweise wäre auch Klassik vorstellbar.

Die Kulinarik Essen und Trinken sind auf dem Bücherbummel die größte Baustelle. Für Vegetarier haben wir nichts gefunden; dafür aber Flammkuchen, Curry- und Bratwurst, Erbsensuppe mit Speck. Dazwischen Bierstände: neben Kölsch in zentraler Lage noch Alt von Schumacher und Uerigen.

Ein Hoffnungsschimmer und vielleicht auch Wegweiser am Sonntagnachmittag: Dort werden im Pagodenzelt eine unentgeltliche Verkostung von Sommerweinen angeboten. Ein erster Schritt in Richtung eines Kulturfestes, das sich vom ambitionierten Trödelmarkt mit Bedacht abheben könnte.

Quelle: RP
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