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Düsseldorf
Der Streit um die Schweiz

Düsseldorf. Durs Grünbein diskutierte mit Lukas Bärfuss im Heine-Haus. Von Sabine Schmidt

Wer kassiert, sollte lieber den Mund halten. Das legte ein Schweizer Journalist Lukas Bärfuss nahe, nachdem der Schriftsteller im Oktober eine gesalzene Kritik auf sein Heimatland und seine Landsleute veröffentlicht hatte. Und das ausgerechnet in einer deutschen Zeitung: in der FAZ, was in der Schweiz nicht goutiert wird. Bärfuss wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet und hat rund 313.700 Franken erhalten, habe ihm die Weltwoche vorgerechnet, 60 Prozent davon kamen aus der Schweiz. Dafür werde stille Dankbarkeit statt kritischer Auseinandersetzung erwartet, die ihm als üble Nachrede angekreidet wird, kommentierte Durs Grünbein im Heine Haus.

Die Schweiz sei auf dem falschen, dem rechten Weg, so begann der Artikel von Bärfuss kurz vor den Schweizer Parlamentswahlen. Mit der Kultur gehe es bergab und mit den Medien auch. Mit seinem Essay hat er eine heftige Debatte losgetreten und ist für einige Schweizer Medien jetzt Persona non grata. Etliche Kilometer den Rhein abwärts, im Heine Haus, wurde er dagegen begeistert empfangen: vom Publikum wie von Durs Grünbein, der ihn auf Einladung der Buchhandlung Müller & Böhm vorstellte.

Wie es ihm gehe angesichts der heftigen Medienschelte, fragte Grünbein. Er war im Ausland, als der Text erschien, und froh über den Abstand, gab Bärfuss zu. Aber auch wenn er nicht diese heftige Reaktion erwartet hatte, war er sich darüber im Klaren gewesen, dass sein Zeitungsartikel nicht auf Zustimmung stoßen würde - der 44-Jährige ist niemand, der in der Öffentlichkeit nach Harmonie sucht. Er wirkte dann auch gelassen und steht zu seiner Kritik an der Schweiz.

Wie er es geschafft hat, zu einem Schriftsteller zu werden, der überhaupt solche Reaktionen auslösen kann, fragte Grünbein. Bärfuss antwortete mit der Kurzfassung einer Biographie, die deutlich machte, dass ihm das Schreiben nicht in die Wiege gelegt wurde, aber die Position eines genau beobachtenden und kritisch urteilenden Außenseiters. Sein Vater habe im Gefängnis gesessen wegen Betrugs, erzählte Bärfuss, seine Mutter arbeitete in der American Bar, wo sich während seiner Kindheit die Halbwelt Thuns getroffen habe. Er wurde Tabakbauer und Gärtner und nach Tätigkeiten als Buchhändler schließlich Schriftsteller. Zuletzt erschienen von ihm der Roman "Koala" und der Essayband "Stil und Moral".

Quelle: RP
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