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Düsseldorf
Die Alte Kämmerei wird als Geschenk verpackt

Düsseldorf. Der Künstler Tim Eiag arbeitet zum NRW-Tag an einer Installation aus bunten Bändern, die das Gebäude in der Altstadt umspannen. Von Leonie Wunderlich

Die Alte Kämmerei am Rathausplatz wird anlässlich des NRW-Tags Teil einer Installation des Künstlers Tim Eiag. Bis 5. September wird das Gebäude mit breiten Geschenkbändern umspannt. Ein Team aus fünf Helfern hat mit einer Hubarbeitsbühne die 40 Kilo schweren Rollen bunte Bänder an der Fassade hochgefahren und an bereits vorhandenen Bügeln befestigt. Nach der Aktion sollen sie abgehängt und zu einer kompakten Skulptur verknotet werden. "Dann ist das Kunstobjekt vollendet", sagt der Künstler Tim Eiag, der zurzeit an dem Haus in der Altstadt arbeitet. Die Installation am Gebäude sei nur eine "aktionistische Zwischensituation", die Fassade nur die "Kulisse".

Die Alte Kämmerei soll dadurch verwandelt werden, der Blick auf das Gebäude soll sich verändern. Die Bänder geben ihm ein neues Erscheinungsbild. Die Kämmerei bekomme so eine "neue Interpretationsbreite", erklärt Eiag. Sie werde zum "Träger von Kunst".

Bei Beobachtern hatte die Aktion Fragezeichen ausgelöst. Manche fühlten sich an den Verhüllungskünstler Christo erinnert, der unter anderem den Reichstag mit Tüchern verdeckt hatte. Im Netz wurde Eiags Installation als "misslungene Verhüllungsaktion" bezeichnet. Von Christo habe er sich allerdings nicht inspirieren lassen, sagt Eiag, der nach eigenen Angaben kein Geld für seine Arbeit bekomme. Die Bänder werden gesponsort.

Eiag, Jahrgang 1945, wurde vom Wiener Aktionismus und dem Konzept der amerikanischen Happening-Kunst angeregt. Bewegungen aus den 1960er Jahren. Damals zeigte er seine erste Aktion im öffentlichen Raum. Das war im Jahr 1969, in dem er zu den Wiener Festwochen den Schillerplatz, den Vorplatz der Akademie der bildenen Künste, mit bunten Bändern umspannte.

An der Akademie hat Tim Eiag 1965 Bühnenbild und Bildhauerei studiert. Nach seiner ersten Arbeit für die Wiener Festwochen setzte er die Aktionskunst fort. Zu den Olympischen Sommerspielen im Jahr 1972 entwickelte Eiag die "Netzwerk Aktion München", bei der ein elf Kilometer langes Band zu einem immer enger werdenden Netz gespannt wurde. Der Aspekt der Kommunikation mit dem Publikum rückte dabei in den Vordergrund. Das Publikum sollte einbezogen werden, da es von den Wettkämpfen ausgeschlossen war und so dennoch an einer Aktion partizipieren konnte. Mit der Installation an der Alten Kämmerei soll an die Arbeit bei den Olympischen Spielen angeknüpft werden.

Diesmal soll allerdings nicht die Integration des Publikums im Vordergrund stehen, sondern das Gebäude selbst. Eiag hat die Alte Kämmerei als Teil der Installation ausgewählt, "weil an ihr die Kunst am Bau besonders präsent ist", betont er. Kunstwerke wie der Gänsebrunnen von Willy Meller wurden hier verwirklicht. Die Kämmerei zeige "die Symbiose von Kunst und Gebäude", die in der Mitte der 50er und Anfang der 60er in der Bundesrepublik an Bedeutung gewann. Damals wurde die Regelung zur Kunst am Bau - einer Verpflichtung für den Staat, dass er etwa ein Prozent der Baukosten öffentlicher Bauten für Kunstwerke verwendet - auch für Künstler relevant, weil sich das Bauvolumen vergrößerte.

Die Alte Kämmerei ist ein besonders präsentes Beispiel für die Umsetzung der Kunst-am-Bau-Regel in Düsseldorf. Das Innengebäude habe zwar eine bestimmte Funktion, aber die Außenfassade könne durch die gespannten Bänder ganz unterschiedlich interpretiert werden, erklärt Eiag. Allerdings wurde sein Konzept "ein bisschen aus der Bahn geworfen", weil er keine eigenen Bohrungen machen darf. Er muss die Bänder an bereits vorhandenen Bügeln festknoten. Dabei durchkreuzt die Installation zum Teil ein großes Transparent, mit dem der "Grand Départ 2017" ankündigt wird. Eiag soll seine Installation deshalb ändern. Er hat sich noch nicht entschieden, wie er damit umgeht.

Quelle: RP
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