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Düsseldorf
Die Brautschätze der Zarentöchter

Düsseldorf. Russisches Porzellan mit eingearbeitetem Gold ist zurzeit im Hetjens-Museum an der Schulstraße zu sehen. Die Kostbarkeiten zeugen von den engen deutsch-russischen Beziehungen, die im 19. Jahrhundert bestanden. Von Bertram Müller

Für acht Personen ist gedeckt. Doch die festliche Tafel im Hetjens-Museum vermittelt nur einen ungefähren Eindruck davon, wie man einst am Zarenhof und in deutschen Fürstenhäusern tafelte. Russische Brautschätze bestanden oft aus 100 Gedecken, jedes umfasste bis zu zehn Teile. Kein Wunder, dass die Manufakturen Mühe hatten, bis zur Hochzeit fertig zu werden.

Besonders stark gefordert waren sie im 19. Jahrhundert, weil einige Zarentöchter die Erben deutscher Fürstenhäuser heirateten. Da wurde dann auch schon mal auf Vorrat produziert, wenn sich abzeichnete, dass wieder einmal eine Tochter reif für die Vermählung war.

Schon allein der Tisch, der den Mittelpunkt der Ausstellung "Russische Brautschätze" bildet, lässt den Aufwand erahnen, den die russischen Kunsthandwerker trieben. Das Tafelservice, das Alexandra Nikolajewna als Lieblingstochter des Zaren Nikolaus I. zur Hochzeit mit Friedrich Wilhelm von Hessen bekam, glänzt in Gold und jenem aus Frankreich stammenden Sèvres-Blau, das damals in Mode war.

Der russische Doppeladler ziert jedes Teil. Und damit die Braut ihre russische Heimat auch nicht vergaß, erinnern die Dessert-Teller bildlich an russische Trachten, Landschaften und Paläste. In der Mitte des Tisches erstrahlt golden ein rokokohaft verzierter Tafelaufsatz, und vier Leuchter stehen bereit, das Festmahl zu erhellen. Eine Deckelterrine für Suppe oder Ragout, ein spezielles Gefäß für Speiseeis und sogar ein Mostertpöttchen zieren den Tisch.

Doch der solchermaßen beschenkten Alexandra Nikolajewna waren russisch-deutsche Tafelfreuden nicht vergönnt. Ein Jahr nach der Hochzeit starb sie bei der Geburt ihres ersten Kindes. Der Brautschatz blieb im Besitz des tief betrübten Friedrich Wilhelm von Hessen, und aus der Kulturstiftung des Hauses Hessen gelangte er jetzt nach Düsseldorf.

Zu den Leihgebern der Ausstellung zählen ebenso das Staatliche Museum Schwerin und die Klassik-Stiftung Weimar. In den Porzellan-Service von Helena und Maria Pawlowna, Töchtern Zar Pauls I., verbündet sich die Strenge des Klassizismus mit Rosen- und italienischer Landschaftsmalerei. Auf diese Weise brachten die beiden russischen Adligen Glanz in die Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Sachsen-Weimar-Eisenach. Goethe lobte Maria Pawlowna als "eine der besten und bedeutendsten Frauen unserer Zeit".

So spiegeln die Schätze aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg viel politische und Kulturgeschichte. Kaum ein Stück ohne Goldrand: Russland setzte auf Porzellan auch, um im Ausland verehrt und bewundert zu werden. An dieses golden schimmernde Zauberland knüpft Wladimir Putin an, wenn er den Nationalstolz seines Volkes beschwört. Sicherlich wüsste der bemüht kirchennahe Präsident auch den russischen Weihnachtstisch zu würdigen, den das Hetjens-Museum parallel zu den Brautschätzen zeigt. Aus eigenem Besitz hat es zwölf Teller mit Motiven aus russischen Märchen zu einer festlichen Tafel dekoriert. Die Porzellanfabrik Villeroy & Boch hatte Ende der 70er Jahre eine Serie aufgelegt, die auf Illustrationen von Boris Wassiljewitsch Sworykin (1872-1942) fußt.

Zwischen Zarewitsch und Zarewna und der bösen Hexe Baba Jaga glitzern fein verpackte Geschenke, Porzellanfiguren, Kristallgläser und Weihnachtskugeln - Russland, ein Wintermärchen.

Quelle: RP
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