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Düsseldorf
Die Bühnenbilder des Erich vom Endt

Düsseldorf. Zum 80. Geburtstag des Düsseldorfer Künstlers zeigt das Theatermuseum eine beeindruckende Auswahl von Fotografien. Von Barbara Steingiesser

Wer im Theatermuseum die Treppe zum ersten Stock hinaufgeht, um sich die Ausstellung mit Bühnenfotografien des Düsseldorfer Künstlers Erich vom Endt anzusehen, steht zunächst dem Fotografen selbst gegenüber. Als wandfüllende Projektion schaut dieser den Betrachter an, eine Polaroid-Kamera in Händen, den Finger am Auslöser und den Blick prüfend auf sein Motiv gerichtet. Doch das Foto, das im Schlitz der Kamera erscheint, zeigt nicht etwa ein mögliches Gegenüber, sondern wiederum den Fotografen. Eine Anspielung auf das berühmte Andy-Warhol-Porträt von Oliviero Toscani und ein gelungener Einstieg in eine Ausstellung, in der sich alles um Inszenierungen dreht.

Vor schwarz gestrichenen Wänden, gleichsam aus dem dunklen Bühnenraum heraus, treten dem Betrachter weitere Personen in eindringlichen Schwarz-Weiß-Porträts entgegen: der Dramatiker Jean Genet, der Schauspieler und Regisseur Jean-Marie Serreau oder der Komponist Krzysztof Penderecki. Die meisten dieser fotografischen Charakterstudien entstanden Ende der 50er bis Anfang der 70er Jahre. Vom Endt war damals - zunächst neben dem Studium bei Otto Steinert, später neben seiner eigenen Lehrtätigkeit an der Folkwangschule (heute: Folkwang Universität der Künste) - Hausfotograf an den Bühnen der Stadt Essen, wo unter dem Generalintendanten Erich Schumacher die Elite des französischen Theaters gastierte.

In einer Reportage über den Weg "Von der Probe bis zur Premiere" in Jean-Louis Barraults Inszenierung von Paul Claudels Drama "Das Buch von Christoph Columbus" heißt es: "Der Regisseur erläutert, spielt vor. Er wird zum besessenen, selbstvergessenen Nachschöpfer der Dichtung." Wie Barrault das literarische Werk auf dem Theater umsetzte, so zeichnete vom Endt den Kern der Handlung mit Licht und Schatten nach, wissend, dass der optische Höhepunkt oft nicht mit dem dramaturgischen übereinstimmt. So wurde er - im Dunkel der Kulissen stehend und auf den entscheidenden Moment wartend - zum Regisseur seiner Bilder. Darin offenbart sich die ganze Bedeutung des Ausstellungstitels "BildRegie".

Als "Fotograf mit den zwei Gesichtern" wird Erich vom Endt im Faltblatt bezeichnet. Gemeint ist der Bühnenfotograf auf der einen und der freie Künstler auf der anderen Seite. Und da die Ausstellung zugleich eine Retrospektive zum 80. Geburtstag ist, zeigt sie 20 Arbeiten des anderen vom Endt. Im Zentrum aber stehen 80 ausgewählte Theaterfotografien von Pina Bausch bis Peter Zadek. "Die Fotos sind das, was vom Theater übrigbleibt", sagt der Künstler. Anhand seiner Bilder haben wir heute lebendig vor Augen, was die Reportage vor über einem halben Jahrhundert beschrieb: "Das Licht im Riesenrund des Zuschauerraumes erlischt; der Vorhang teilt sich. Ein Scheinwerfer glüht auf, die ersten Worte fallen. Eine Dichtung erwacht zum Leben und die Bühne wird zur Welt."

Quelle: RP
 
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