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Düsseldorf
Die ganze Welt im Festzelt auf dem Burgplatz

Düsseldorf. Zum Abschluss des Düsseldorf Festivals spielte die Band Yemen Blues ihre Weltmusik. In Düsseldorf begann sie vor fünf Jahren ihre Karriere. Von Natascha Plankermann

Ein verrücktes, ausgelassenes musikalisches Fest zum Abschluss - eines, das die Menschen im Zelt des Düsseldorf Festivals außer Rand und Band bringt, weil die Musiker selbst es sind. So dass alle stehend klatschen und sich in den Hüften wiegen, am liebsten tanzen würden wie es ein Grüppchen am Rande der Bühne dann auch macht. Das hat Ravid Kahalani Gimbri, der jemenitisch-jüdische Sänger des Ensembles Yemen Blues, von Anfang an mit der Show "Insaniya - Menschlichkeit" gewollt und endlich auch erreicht.

Dafür gibt er als Frontmann alles - als eine Art tanzender Derwisch mit auf dem Kopf verzwirbelter Zopfmähne, mit einer ungewöhnlichen Gitarre, die aus Leder zu bestehen scheint. Die Stimme des Sängers schraubt sich in erstaunliche Höhen, kann aber auch schnarren, quietschen und melancholisch klagen. Kein Wunder, hat sich der Sänger doch unter anderem als Countertenor ausbilden lassen, aber auch Erfahrungen mit religiösen Gesängen und der Musik der Sahara gemacht. Dazu begleitet ihn Pianist Tomer Bar ekstatisch an Klavier und Keyboard improvisierend - immer anders und stets ein wenig bizarr. Schlagzeuger Aviv Cohen und Rony Iwryn an der Perkussion lassen sich immer wieder zu wunderbaren Soli oder zu einem Trommelduett hinreißen. Gemeinsam mit Yankale Segal am Bass erreicht die Truppe teils psychedelische Zustände beim Publikum - die Musik scheint auf charismatische Weise Besitz vom Körper zu ergreifen. Dabei bezeugt sie als Weltmusik Menschlichkeit im besten und besonderen Sinne, denn durch die Begegnung mit anderen Musikern und ihre Einflüsse sind die Kompositionen von Ravid Kahalani überhaupt erst entstanden.

In ruhigeren Momenten klingen arabisch-muslimische Melodien durch, dann geht wieder mit westafrikanisch beeinflusstem Sound die Post ab - die Rhythmen stampfen bis zur ekstatischen Steigerung. Als Wanderer oder vielmehr Tänzer zwischen den Kulturen und ihren Musiktraditionen ist Kahalani mit seiner Truppe unterwegs, er hat seit seinem ersten Auftritt beim Düsseldorf Festival vor fünf Jahren weltweit Karriere gemacht und ist den Fans sichtbar dankbar, die ihm die Treue gehalten haben. Yemen Blues lässt auch Elemente von Funk, Rock, Blues und Soul durch- und lange nachklingen.

So steht das Ensemble für ein Israel, das sich der Welt öffnet - und für ein Musikerlebnis, das mehr ist als nur ein Konzert. Stehende Ovationen gibt es für einen Abend, den die Zuhörer nicht enden lassen wollten.

Quelle: RP
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