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Düsseldorf
Die kleinste Bühne der Stadt

Düsseldorf: Die kleinste Bühne der Stadt
Hereinspaziert ins Miniatur-Theater: Lea Torcelli von der Kunstakademie im neuen Container am Tanzhaus NRW. FOTO: Andreas bretz
Düsseldorf. In einem Container vor dem Tanzhaus NRW, das jetzt 20. Geburtstag feiert, gibt es viele bunte und auch kuriose Angebote. Von Alexandra Wehrmann

Die Container-Installation ist sozusagen ein Vorbote der Feierlichkeiten rund um den 20. Geburtstag des Tanzhauses an der Erkrather Straße, die Ende des Monats beginnen. Initiiert hat die Aktion eine Gruppe namens denken3000. Sie haben unterschiedliche Künstler eingeladen, sich in Performances mit der persönlichen und kollektiven Bedeutung von gegenwärtigen Ritualen, Zeremonien und Gemeinschaften zu beschäftigen.

Dominique Lucien Garaudel ist Teil von denken3000. Der 37-Jährige arbeitet bereits seit der Spielzeit 2014/15 mit dem Tanzhaus NRW zusammen. Als Teil des Moxie-Kollektivs hat er das aktuelle Corporate Design mitentwickelt. Für die alljährlichen Kampagnen zeichnen Moxie und denken3000 ebenso verantwortlich wie für Plakate, Spielpläne oder Sondermedien; sie sind dabei personell mehr oder weniger deckungsgleich - ein Kreis von Freunden, die zusammen Projekte machen, die bei gutem Design und einprägsamen Slogans noch lange nicht aufhören. Es gehe um Zusammengehörigkeitsgefühl, um Liebe und nicht zuletzt darum, Düsseldorf mitzugestalten, erklärt Garaudel. denken3000, das ist ihm wichtig, sei keine Eventfirma. "Wir möchten die soziale Skulptur weiterbauen."

Ganz im Beuys'schen Sinne dürfte auch der "Ceremony Space" sein. Gerade einmal sechs mal 2,40 Meter misst der Container, der im Laufe der gut zwei Wochen unter anderem als Labor, Diskurs-Salon, Lehranstalt, Bar, Konzerthalle, Studio, Restaurant, Kinosaal, Club oder Tempel dienen soll.

Victoria Tarak hat das Programm mitkuratiert. Dass die meisten Programmpunkte bestenfalls Eingeweihten etwas sagen, ist dabei geradezu ein wesentlicher Teil des Konzepts: "Wir möchten nicht, dass die Besucher wegen eines großen Namens kommen", so die 28-jährige Studentin der Kunstgeschichte. "Sie sollen sich vielmehr auf das Thema selbst einlassen." Und so ist das Programm dann auch maximal vielgestaltig geworden.

Am 20. April begegnen sich Tanzhaus-Intendantin Bettina Masuch und Timo Skrandies, Professor für Bildwissenschaft und Medienästhetik des Instituts für Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität, im Gespräch. Am 24. April hält die Londoner Künstlerin und Musikerin Sian Sull einen Vortrag über den Mond, während am 27. April die Akademie-Studentin Mira Mann in einer Performance die rituellen Handlungen einer futuristischen Pflege- und Servicekultur thematisiert.

Aber es gibt auch leichter Verdauliches: Für den 23. April lädt man zusammen mit dem Nooij Dutch Deli zu einem Abendessen ein, bei dem jeder Gang eine andere Inszenierung, ein neues Erlebnis sein soll. Teilnehmen können allerdings nur zehn Esser, und die müssen sich vorher anmelden.

Die Finissage am 29. April gestalten die Damen und Herren von denken3000 dann höchstselbst. Von 12 bis 22 Uhr soll es an dem Tag im und am Container Programm geben. Vom Amateur-Gottesdienst über eine Teezeremonie, von den "ehrlichen zehn Minuten" bis zum Ein-Stunden-Rave ist vieles denkbar, manches vermutlich noch in den Köpfen der Erfinder. "Wir möchten die Begegnungen, die in unserer Zeit ja zu einem großen Teil im virtuellen Raum stattfinden, zurück ins reale Leben holen", erklärt Victoria Tarak.

Sie zieht den Vergleich zum Fußballstadion: Da kommen Leute zusammen und erleben unterschiedliche Emotionen von Trauer über Wut bis zur Freude gemeinsam. "Mit unserer Installation geht es uns genau darum, um das gemeinsame Erleben und Reflektieren."

Quelle: RP
 
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