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Düsseldorf
Die Kunst-Fehde Achenbach/Albrecht

Helge Achenbach am Tag des Urteils
Helge Achenbach am Tag des Urteils FOTO: dpa, ve fpt
Düsseldorf. Im Düsseldorfer Landgericht ging es am Dienstag mal wieder um Albrechts, Achenbachs und um Millionen. Von Stefani Geilhausen

Arglist ist das Thema im Verfahren 6 O 251/15 vor der 6. Zivilkammer des Düsseldorfer Landgerichts. Hat Helge Achenbach seinen Freund und Kunden, den verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, arglistig getäuscht, als er ihm 2009 das "Conversation Piece" von Juan Munoz verkaufte? Und hat seine Frau das gewusst? Oder war Dorothee Achenbach gar selbst arglistig und hat Albrecht deshalb nicht gesagt, dass die Echtheit der vier Bronzeskulpturen angezweifelt werden könnte? Und wenn sie es nicht war, ist ihr dann die mögliche Arglist ihres Mannes zuzurechnen?

Achenbach sagt als Zeuge aus FOTO: dpa, rwe fdt

Fakt ist, dass der Kunstberater seinerzeit die Verkaufsgespräche mit Berthold Albrecht führte. Ob der vereinbarte Preis von einer Million Euro nun im Sinne des Kunden oder der Ehefrau verhandelt worden war, ist unklar. Ohnehin wertet die Kammer als Indiz dafür, dass Helge Achenbach sich über den womöglich fragwürdigen Wert der Skulpturen im Klaren gewesen sein könnte, auch die Tatsache, dass er die Gruppe seiner Frau zum 40. Geburtstag schenkte. Schließlich sei Helge Achenbach doch damals schon in finanziellen Nöten gewesen und ein Millionengeschenk unter den Umständen eher unglaubhaft.

Der Strafrichter in Essen, der Helge Achenbach vor gut einem Jahr wegen Betruges unter anderem an Albrecht zu sechs Jahren Haft verurteilt hat, könnte der Zivilkammer das vielleicht erklären. Im Strafprozess hatte der einst schillernde Kunstexperte vieles von sich preis gegeben, auch seinen mehr oder minder sorglosen Umgang mit Geld. Dass Helge Achenbach, gerade wenn er klamm gewesen sein sollte, ein Millionen-Kunstwerk schon deshalb als passendes Präsent erschienen wäre, weil es ihn keinen Cent gekostet hatte - das könnte sich der Strafrichter wohl vorstellen. Munoz soll Achenbach die Vierergruppe aus einem Nachguss überlassen haben, als Dank für die Vermittlung eines größeren Deals mit einem Versicherungskonzern.

Helge Achenbach: Bilder vom Prozessauftakt FOTO: Schaller,Bernd

Der Vorsitzende der Zivilkammer, Joachim Matz, hat Helge Achenbach kurz nach dessen Verurteilung zwar schon einmal als Zeugen befragt. Aber von den Wolkenkuckuckssphären des Kunstbesessenen hat der akribische Jurist so gar keine Vorstellung. Immerhin: Die Kammer, die deutlich machte, dass sie Anzeichen für Achenbachs Arglist sieht, will doch zuerst die Grundfrage klären lassen: Ist die Munoz-Gruppe, die Achenbachs an Albrecht verkauften, nun echt oder nicht? Bis Ende März sollen die Parteien nun Beweise fürs jeweilige Gegenteil vorlegen.

Drei Jahre lang waren sie so einander freundschaftlich verbunden, die Essener Erben und die Düsseldorfer Kunstfreunde. Nun zeichnet sich eine Fehde der Familien ab, die deutlich länger dauern wird. Und an der vor allem die Anwälte verdienen dürften - wenn auch nicht der des inzwischen mittellosen Kunstberaters, der für die Zivilverfahren bislang vergeblich Prozesskostenhilfe beantragt hat.

Babette Albrecht, Witwe des Kunstsammlers, hat den Auftakt zum Prozessreigen Anfang 2014 gemacht. Sie zeigte den einstigen Vertrauten ihres verstorbenen Mannes wegen Betrugs an. Gleichzeitig erhoben ihre Anwälte Schadenersatzklage und forderten rund 20 Millionen Euro, um die Achenbach Albrecht bei Kunst. und Oldtimergeschäften übervorteilt haben soll. Gegen das Urteil des Strafgerichts liegt ein Revisionsantrag beim Bundesgerichtshof. der noch nicht darüber entschieden hat.

Den Schadenersatz hatte Richter Matz in Düsseldorf Familie Albrecht in voller Höhe zugesprochen. Die Berufungsinstanz hatte allerdings Zweifel an dem Spruch geäußert und einen Vergleich angeregt. Über den wird noch verhandelt. Ein weiteres Verfahren um fünf weitere Millionen ruht so lange.

Zur Sicherung ihrer Ersatzansprüche hatten Albrechts beträchtliche Vermögenswerte Achenbachs pfänden lassen. Dagegen klagt derzeit Helge Achenbach vorm Oberlandesgericht. Weil unter den gepfändeten Stücken auch ein Kunstwerk von Günter Uecker sei, das ihr und nicht ihrem Mann gehöre, hatte auch Dorothee Achenbach geklagt, war aber vor der Matz-Kammer unterlegen. Auch diese Entscheidung soll vom Oberlandesgericht überprüft werden.

Durch Achenbachs Inhaftierung geriet sein Firmenimperium in Schieflage, etliche Unternehmen meldeten Insolvenz an. Auch in diesem Zusammenhang wurde mehrfach die Justiz bemüht. Gestern klagte etwa die nicht insolvente AAC Leasing- und Verwaltungs GmbH gegen die Zwangsvollstreckung von sechs Kunstwerken durch die Albrecht-Familie. Das Unternehmen behauptet, selbst Eigentümer der Kunstwerke zu sein. Die sind übrigens längst versteigert worden, gestritten wird letztlich nur um den Erlös.

Und dann ist da noch das Buch, in dem sich Dorothee Achenbach von der Seele schrieb, wie sie die Zeit seit der Verhaftung ihres Mannes empfunden hat. Obwohl sie auf Namensnennungen verzichtet, hatte sich Babette Albrecht in der launig erzählten Geschichte "Meine Wäsche kennt jetzt jeder" geschmäht gefühlt. Erste rechtliche Schritte gegen das Buch waren im Sande verlaufen, das letzte Wort, so ist von ihren Anwälten zu hören, sei zu dem inzwischen mehr als 50.000 Mal verkauften Buch aber noch nicht gesprochen.

Quelle: RP
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