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Düsseldorf
Die Kunst im Magmastrom

Düsseldorf. Im KiT wird heute eine neue Ausstellung eröffnet. Gezeigt werden Arbeiten von Akademie-Künstlern der vergangenen 200 Jahre. Von Klas Libuda

Wer in den nächsten Monaten ins KiT kommt, betritt keine Ausstellung, sondern hat gleich ein ganzes Kunstwerk unter den Füßen. Denn mit der letzten Treppenstufe, die Besucher in den Tunnel unter der Rheinuferpromenade führt, stehen sie in einem Haus, das dem Grundriss der Villa Savoye des Star-Architekten Le Corbusier nachempfunden ist. Holzfußboden, zwei Säulen, mehr ist es nicht, was die Kunstakademie-Rektorin Rita McBride im KiT hat aufstellen lassen. Der Rest der Villa ist Imagination.

Zugleich aber ist diese Arbeit Ausgangspunkt für alle weiteren Erkundungen. Und sie ist Aussichtspunkt, von hier aus schaut man auf den Vulkan von Elmar Hermann, den der Künstler einer Szene aus dem "Frankenstein"-Film von James Whales nachempfunden hat und der am anderen Ende des Ausstellungsraums emporragt.

"Mary & der Vulkan" heißt die neue Schau im KiT. Ausgehend vom Jahr 1816, in dem der Ausbruch des Vulkans Tambora Europa unter eine düstere Aschewolke legte und die Autorin Mary Shelley ihren Grusel-Bestseller "Frankenstein" schrieb, zeigt das KiT Arbeiten von Künstlern aus den vergangenen 200 Jahren. Alle stammen aus dem Akademie-Umfeld, so auch Elise Concordia Crola mit ihren Bleistift-Aquarellen aus dem 19. Jahrhundert oder Hans Hollein, der mit einem Gussmodell aus Lava-Gestein vertreten ist. Vor allem aber zeigt die Schau die Arbeiten junger Künstler, oftmals Akademie-Absolventen, die ihre Werke zwischen McBrides Villa und Hermanns Vulkan präsentieren - im Mittelpunkt der Ausstellungsräume.

Alles hier soll ineinander übergehen, im Fluss sein wie ein Magmastrom aus Kunst: Die Künstlerinnen Nora Hansen und Josefine Reisch haben sich vom Londoner Friedhof "Plaistow Cemetery" inspirieren lassen, in dessen Nähe sie nach ihrem Abschluss in Düsseldorf gezogen sind. Im KiT zeigen sie ein Grabfeld, dessen Steine Geschichten erzählen. Die Grabsteine haben sie am Vulkan vorbei angeordnet, der Künstler Soya Arakawa hat sich beim Aufbau indes am Styropor bedient, das für die Grabsteine vorgesehen war. Er zeigt eine Ateliersituation: viel Papier, Farbe, Chaos und eine umgestürzte Vase. Das sieht aus wie ein Tatort.

Der Schrecken spielt - neben Feminismus und der Meteorologie - ohnehin eine gewichtige Rolle. Im Film "Viktor Al Manouchi" von Hedda Schattnik und Roman Szczesny erlebt die Hauptfigur die Isolation in einem abgeschlossenen Raum. Zudem werden während des Ausstellungszeitraums düstere Filme und eine Cyborg-Performance gezeigt. Und es gibt Lesekreise: im Juli etwa mit Shelleys "Frankenstein".

Info KiT - Kunst im Tunnel, Mannesmannufer 1b; alle Veranstaltungen zur Ausstellung: www.kunst-im-tunnel.de

Quelle: RP
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