| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Die Kunstanstifterin

Düsseldorf: Die Kunstanstifterin
Volkswirtin mit Sinn für Kunst: Hedda im Brahm-Droege in ihrem Düsseldorfer Unternehmenssitz. Sie steht vor einem Gerhard-Richter-Werk, in dem sich die Skulpturen von Neo Rauch (li.) und Thomas Schütte spiegeln. FOTO: susanne diesner
Düsseldorf. Hedda im Brahm-Droege ist Volkswirtin und führt gemeinsam mit ihrem Mann die Droege Group in Düsseldorf. Zu ihren ungewöhnlichen Unternehmensprinzipien gehört die Kunst, die im Firmensitz präsent ist und die Mitarbeiter schult. Von Annette Bosetti

Unscheinbar ist der Sitz der Holding des internationalen Konzerns. Es sieht gar nicht nach all dem aus, was von hier aus unternommen wird. Wer die Droege Group im alten David-Hansemann-Haus in der Poststraße aufsucht, trifft auf Schnörkellosigkeit ohne Kühle: klare Fluchten, unverstellte Ausblicke, Licht. Und als erstes taucht der Besucher selbst in den Spiegelungen von Gerhard Richter auf.

Das aus zwei grau getönten Scheiben bestehende raumhohe Werk hat Richter für Droege als ortsbezogene Auftragsarbeit geschaffen. Das war Ende der 1990er Jahre, da machte der Künstler schon lange keine Spiegel mehr. Doch Hedda im Brahm-Droege hatte seine Neugierde geweckt, ihn nach Düsseldorf gelockt. Und sie hatte ihn davon überzeugt, die Spiegel zu bauen, die in unterschiedlich geneigten Winkeln von der Wand abstehen. Im Gespräch hat die Firmeneignerin Richter von ihren ungewöhnlichen Unternehmensprinzipien erzählt, die sie gemeinsam mit ihrem Mann entwickelt hat und im Alltag großschreibt. Bei Droege verinnerlicht man wortwörtlich die Maxime "Nach allen Regeln der Kunst". Und man hält den Anspruch, möglichst gute Arbeit zu liefern, hoch.

Das hatte dem Künstler imponiert, er konnte sich vorstellen, seine Doppelspiegel dem Unternehmen als künstlerisches Signal leitmotivisch voranzustellen. Bei der Anlieferung des Werkes in die Eingangshalle gab es allerdings Stress. Hedda im Brahm-Droege entdeckte Flecken auf der frischen Arbeit und monierte dies. Daraufhin fragte Gerhard Richter, ob man ihm einen Hammer reichen könne. Als er das Werkzeug bekam, zertrümmerte er wortlos seine Arbeit. Sie zerbrach in tausende Stücke. Später lieferte er eine zweite, unbefleckte Version.

So ist Richter. Ein Perfektionist. Und so ist Hedda im Brahm-Droege. Nicht das "Was" alleine interessiert sie, sondern genauso das "Wie". Und wie das Wie am Was aufgehängt ist. "Was man tut, ist nicht die Frage", sagt sie, "sondern interessant ist, wie man etwas tut, wie man seine Arbeit ausführt. Es steht für Qualität. Diese Begeisterung für Qualität bestimmt alles, was wir tun." Wer bei Droege erfolgreich sein will, muss so denken wie die Firmengründer: "Gut ist nicht genug. Wichtig ist die Option: Geht man noch den Extraschritt in Richtung Qualität, leistet man mehr als der Kunde erwartet? Wählt man die besondere Methode und wagt man den Perspektivwechsel, um zu besseren Lösungen zu gelangen?"

Das klingt nach Disziplin und optimaler Organisation. Beides Kriterien, die im Leben von Hedda im Brahm-Droege von Kind an eine Rolle gespielt haben. Fünf Kinder hat sie mit Liebe groß gezogen, das Familienleben war und ist ihr bis heute heilig. Daneben hat sie mit ihrem Mann die Firma gegründet, "aus dem Nichts" heraus, da war ihr zweites Kind gerade geboren. Das Unternehmen ist gewachsen, es ist sehr erfolgreich. "Wir haben immer als Paar agiert", sagt sie, und dass sie Visionen hatten, denen sie folgten. In der Arbeit wie in der Familie.

Gut, dass irgendwann Kunst in ihr Leben trat. Es muss schon lange her sein, wann genau, weiß sie nicht. Als Studentin der Volkswirtschaft in Bonn ging sie viel in Museen, damals blühte die Kunstszene in Deutschland. "Abenteuer" nennt sie ihre Auseinandersetzung mit der Kunst, ihr Mann habe einen anderen Blick, es werde kontrovers diskutiert im Hause Droege. Die Kunst stellt Fragen, und die Kunst bereichert. Irgendwann begann man, zu kaufen. Etwa 1200 Werke zählt die Sammlung heute. Künstler-Freundschaften sind entstanden mit Neo Rauch, Thomas Schütte, Karin Kneffel. "Mich treibt Neugier auf neue Begegnungen - mit Kunst, Sprachen, anderen Ländern. Deshalb haben wir bei uns im David-Hansemann-Haus einen Ort für Begegnungen geschaffen. Als Teil unseres Kunstkonzepts."

Kunst ist auch Arbeitsmittel. Nicht damit genug, dass in den Räumen und Büros Kunst allgegenwärtig ist. Kunst ist intellektuelles Vehikel und kreativer Impuls. Kunst lehrt Sehen und schult die Wahrnehmung. Im Brahm-Droege sagt: "Wir verstehen Kunst als eine intellektuelle Haltestange für alle Mitarbeiter. Und dieses Verständnis zieht Kreise. Dazu möchte ich anstiften."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Die Kunstanstifterin


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.