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Düsseldorf
Die Kunsthalle steigt tief hinab in ihre Erfolgsgeschichte

Düsseldorf. An die beiden legendären Düsseldorfer Ausstellungen "Prospect" und "Der Hang zum Gesamtkunstwerk" wollen zwei Performance-Abende erinnern. Von Thomas Hag

Zwei Ausstellungen haben die Geschichte der Kunsthalle entscheidend geprägt: "Prospect" (1968 bis 1976) und "Der Hang zum Gesamtkunstwerk" (1983). Die Kuratorinnen Sonja Lau und Petra Ponte haben sich jetzt auf Spurensuche in die Historie begeben und präsentieren ihre Ergebnisse an zwei Abenden im Seitenlichtsaal der Kunsthalle. Unter dem gemeinsamen Nenner "mit/von/über/nach", aber unabhängig voneinander. Sie blicken zurück in die Geschichte und warnen: "Wir versuchen nicht, den vergangenen Glanz dieser historischen Meilensteine wieder aufleben zu lassen."

Stattdessen erinnern sie mit Tondokumenten und szenischen Lesungen (mit Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses) an jene prägenden Ereignisse und überführen sie in die Gegenwart und in die Zukunft. Erinnern wir uns: "Prospect" wurde 1968 von dem Galeristen Konrad Fischer und dem Kritiker Hans Strelow initiiert, eine Mischung aus Ausstellung und Kunstmesse, mit der Absicht, die Lücke zwischen amerikanischer und deutscher Avantgarde-Kunst zu schließen. Das geschah nicht nur durch Ausstellungsstücke, sondern auch durch den Diskurs. Sonja Lau nähert sich dem Zeitgeist in Form einer Rezitation.

Ein Ansatz, der Kunsthallen-Chef Gregor Jansen gefällt. "Das passt perfekt. Ich verstehe das Haus nicht als Museum, sondern als Ort für Prozesse." Dazu gehört auch das performative Element.

In dieser Form hat sich auch Petra Ponte der Ausstellung "Der Hang zum Gesamtkunstwerk" (1983) angenommen. Dabei wird auch der Begriff des Kurators neu definiert. "Es geht nicht mehr um den klassischen Aufgabenbereich, sondern auch darum, über Auswirkungen nachzudenken." 1983 sorgte "Der Hang" für heftige Diskussionen. Schließlich ging es um einen Begriff, der im Zusammenhang mit der Nazi-Zeit gesehen wurde.

Material lieferte auch eine Diskussion zwischen Joseph Beuys, dem Ausstellungsmacher Harald Szeemann und dem Kritiker Bazon Brock. In der "Neufassung" mischen sich fremde Stimmen in das historische Material, bewerten, interpretieren und verändern, öffnen so den Raum für eine neue Art der Standortbestimmung. "Wir stoßen neue Diskurse an, nach dem Ende der Kunst als Narration", sagen die beiden Kuratorinnen, die sich in der Künstlerresidenz Schloss Ringenberg kennengelernt haben. "Und es geht natürlich auch um den Gründungsmythos der Kunsthalle."

Info "mit/von/über/nach" - Performance-Abende in der Kunsthalle am Grabbeplatz - heute und morgen, jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
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