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Düsseldorf
Die Kunsthalle tankt Energie

Düsseldorf. Das Haus überlässt zehn jungen Künstlern seine Räume für eine vielfältige Schau. Zu sehen gibt es unter anderem eine Menschen-Skulptur, die auf Wärme reagiert. Und eine andere Arbeit speist "Kunststrom" ins Netz. Von Klas Libuda

Es gibt Malerei zu sehen, Videoinstallationen, Fotografien und nichts. Das Nichts, das wird im zweiten Stock in einer Ecke ausgestellt, Jens Pecho zeigt dort Leere und damit eine der eindrucksvollsten Arbeiten dieser Schau.

"Nothing" dröhnt es in den Raum, den Pecho schwarz verkleidet hat, man sieht die Hand nicht mehr vor Augen, alles weg. Aber erfüllt wird diese Leere von der Stimme, "Nothing", und es stellt sich die Frage, ist da dann nicht doch was? Ein Scheinwerfer bringt langsam Licht ins Dunkel, und der Sound verändert sich. "No thing", sagt die Stimme nun, das Licht wirft einen Kegel auf den Boden, aber auf dem Präsentierteller ist dann auch wieder nichts.

Das ist eine von vier Arbeiten, die Jens Pecho ab heute in der Kunsthalle zeigt. Gemeinsam mit neun weiteren Künstlern teilt er sich die Ausstellungsräume am Grabbeplatz. Gemein ist ihnen kein Thema, sondern ein Teil ihrer Biografie. Sie alle waren in den vergangenen Jahren Stipendiaten der Karl-Schmidt-Rottluff-Stiftung, die der gleichnamige Künstler 1975 auf den Weg brachte. Seitdem werden in Kooperation mit der Studienstiftung des deutschen Volkes Künstler beim Einstieg in die Kunstwelt unterstützt. Seit Ende der 80er Jahre überlässt die Kunsthalle den jeweils jüngst Geförderten ihre Räume für eine abschließende Schau. Teilweise sind die Arbeiten eigens für die Ausstellung entstanden.

Viel Energie haben die Künstler also in das Projekt gesteckt, und einer gibt sogar Energie zurück - auch wenn es im mattem Dämmerlicht des Kunsthallen-Flures nicht allzu viel ist. Der studierte Bildhauer Pablo Wendel hat ein Unternehmen gegründet, das "Performance Electrics gGmbH" heißt und Strom anbietet. In der Kunsthalle hat er einen Teil eines zerlegten Hochspannungsmastes aufgestellt und daran ein ausrangiertes Photovoltaik-Modul angebracht. Die Idee kam ihm während einer "kleinen existenziellen Krise" nach dem Studium, erzählt Wendel. Nun verkauft er "Kunststrom" und fördert mit den Gewinnen weitere Kunst.

Auch Künstlerin Mariechen Danz arbeitet mit Energien, die von ihrer menschlichen Skulptur absorbiert werden. "Womb Tomb" ist mit thermochromer Farbe bemalt und reagiert auf Wärme. Anders als im Museum sonst üblich ist anfassen darum ausdrücklich erwünscht. "Je nach Körperwärme und Raumtemperatur verändert sich die Oberfläche", erklärt Danz - vom leblosen Dunkellila-Blau bis Grün, Gelb und Rot.

Kaum noch Leben in der Bude ist beim Künstlerduo Fort. Jenny Kropp und Alberta Niemann haben im Emporensaal im zweiten Stock des Ausstellungshauses eine Kirmesbude aufgestellt, die verschlossen ist, die Reifen sind platt. Der Wagen steht dort grau in grau, und setzt langsam Rost an. Das ist vielleicht ein Gegenentwurf zum nun begonnenen Rummel auf der anderen Rheinseite. Während dort auf der Rheinkirmes das LED-Licht peitscht, sind die Lampen hier längst aus. Auf dem Boden liegen einige vergessene Lose, und aus der Klappe, die die Auslage verschließt, baumelt der lange Schwanz eines Plüschtiers. "Left to Lose" heißt die Arbeit, und wer sich Zeit nimmt und genau hinsieht, findet sicher weitere Spuren, die Spekulationen und große Erzählungen anregen.

Mikroerzählungen präsentiert indes Konrad Mühe, der seinen Blick auf Randaspekte gerichtet hat. Der Künstler hat Romane zur Hand genommen und aus den Zeilenenden einer Seite neue Geschichte entstehen lassen - losgelöst vom Romaninhalt, dessen Titel Mühe nicht verrät. Das Ergebnis seiner Serie hängt nun als Scan in der Kunsthalle. Dort steht etwa: "unweigerlich der Gedanke / eben in einer falschen Welt".

Quelle: RP
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