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Düsseldorf
Die Lichtfänger

Düsseldorf: Die Lichtfänger
Sonnen-Mobile: Mischa Kuball in seiner Installation "five suns - after Galilei", entstanden 2018 für Kai 10. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Im Kai 10 beschäftigen sich Künstler unter dem Motto "Catching The Light" mit dem Licht - in Malerei, Klängen und Installationen Von Annette Bosetti

Wer kann schon das Licht fangen? Ist es doch Teil der elektromagnetischen Strahlung, die unsere Erde umgibt. In jedem Augenblick vom subjektiven Blick abhängig, in jeder Sekunde neu, uns Menschen so existenziell stimulierend. Ohne Licht kein Leben. Eine Steilvorlage für die Kunst, in der das Licht von Alters her eine tragende Rolle spielt. Fast als ideale Ergänzung zur derzeit im Düsseldorfer Kunstpalast laufenden Ausstellung "Black & White" kann man die Schau im Kai 10 betrachten, die andere, abwegigere und ausschließlich zeitgenössische Positionen zusammenbringt.

Neun Künstler aus Deutschland, Österreich, Frankreich und den USA haben sich anregen lassen, Lichtfänger zu werden. Dabei behauptet Kurator Ludwig Seyfarth, dass er heutige Impressionisten versammelt. So wie vor 150 Jahren die Maler des Impressionismus Darstellungsmittel erfanden, die einer sich ständig verändernden und beschleunigten Welt entsprechen sollten, so stellt Seyfarth seinen Künstlern die Aufgabe, aktuelle Licht-Bilder und Licht-Räume zu entwerfen, die Wahrnehmungsprozesse in ihrer Zeitlichkeit sichtbar machen. Malerei und Fotografie sind im Programm, aufwendige Installationen und Videofilme.

So wird der erleuchtende Rundgang durch die lichten Räume spektakulär für die Sinne. Gleich im Eingang fangen Sonnenscheiben den Blick, die Mischa Kuball zu einem Mobile der Weltordnung verbaut hat. Fünf an der Zahl, die Sonnenflecken sind auf dem Plexiglas ausgestanzt, hoch oben auf der Reihe tanzen sie - in sanften Drehungen Licht verschwendend. Kuball bezieht sich auf Galileo Galileis astronomische Entdeckung, die Anfang des 17. Jahrhunderts das Weltmodell aus dem Gefüge brachte.

Hinter einem schweren Vorhang versteckt sich ein weiteres universales Modell. Der Wiener Clemens Fürtler hat einen Turm frei nach Babel errichtet. Ein Gerüst aus Modelleisenbahnschienen umgibt die unfertige Konstruktion, drei Loks umschwirren den Turm, erzeugen mit ihren Leuchten immer neue Bilder und werfen große Schatten an die Wand. Ein Sinnbild menschlicher Vermessenheit ist's am Ende.

Im großen Ausstellungsraum konzentriert die Arbeit von Astrid Busch alle Blicke auf sich. Große leichte Stoffbahnen sind Teil einer düsteren Inszenierung, die sich aus Malerei, Druck und Projektionen speist. An ihr reibt sich das Wandgemälde von Corinne Wasmuht und verliert doch nicht seine Ruhe. Auf einem Sieben-Meter-Panorama hat sie Reise-Eindrücke mit weiteren Lebensarchivalien collagiert. Alle Quellen dieser Lichterscheinungen sind kaum zu orten, so findet man die violetten Säulen genau so im Museum Ludwig.

Als Name steht James Turrell im Raum, seine 30 Jahre alten Radierungen "Deep Sky" entstammen einem Seitenwerk des berühmten Lichtkünstlers, die dazu dienen, seine Lichträume in Buchpublikationen zu archivieren. Zur Seite Eberhard Havekost, ein Maler zwischen den Grenzen, der vorgibt, das Vorübergehende einzufrieren. Oft sind es Nahsichten von undeutlicher Materialität, Konturen treten hinter diffusem Licht zurück.

Geheimnisvoll sind die spiegelnden Scheiben aus Spezialglas von Ursula Ott: wenig Volumen, viel Tiefe, unerwartete Projektionen durch raffinierte Wölbung und Reflexion. Das Licht führt hier wieder Regie wie auch in den gemalten Großformaten von Anne Kaminsky.

Eine Übersetzerin zwischen den Welten ist Nadia Lichtig, deren Sounds zu ihrem Material locken. Briefe vom Flohmarkt an der Wand, Wortpartituren auf dem Boden, am Ende licht und zart Gemaltes - die Übertragung von Text und Ton. "Fast Bilder vom Nichts", gibt sie an - und dass sie akustischen wie taktilen Qualitäten nachspürt. Intime Botschaften verschließt sie unter Weißgold-Blättern. Es kommt eben doch nicht alles ans Licht im Kai 10.

Quelle: RP
 
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