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Ausgewählt von Sammy Amara
Die Lieblingsplatten des Broilers-Chefs

Ausgewählt von Sammy Amara: Die Lieblingsplatten des Broilers-Chefs
Sammy Amara in seinem Wohnzimmer. Die Plakate im Hintergrund hat er selbst gestaltet. Sie dokumentieren Verse aus seinen Lieblingssongs, etwa von The Clash ("Guns Of Brixton") und Bruce Springsteen ("No Surrender"). FOTO: HANS-JÜRGEN BAUER
Düsseldorf. Sammy Amara von der Düsseldorfer Band Broilers ist nicht nur Musiker, sondern auch Fan. Für uns hat er die wichtigsten Alben seines Lebens zusammengestellt. Von Philipp Holstein

Sammy Amara ist gerade mit seiner Band, den Broilers, auf Tournee. Am 1. und 2. Dezember kommt Düsseldorfs nach den Toten Hosen derzeit erfolgreichste Band in den ISS Dome. Aber der 38-Jährige ist nicht nur selbst Musiker, er ist auch immer noch Fan. Seine Plattensammlung, die über eine ganze Wand seiner Wohnung in der Düsseldorfer Innenstadt ausgreift, ist legendär. Man kann über jedes Genre und jeden Stil mit ihm reden, und was er nicht kennt, will er sogleich hören. Er mag eigentlich alles, er kennt fast keine Beschränkungen. Nur diese: Wenn er gerade im Studio an eigenen Stücken arbeitet oder auf Tour ist, tut er sich mit Punkrock schwer. "Ich muss dann etwas anderes hören als das, was ich selbst mache", sagt er. Jazz zum Beispiel oder Elektro. Nur mit Blues kann er gar nichts anfangen.

Wir haben Sammy Amara gebeten, uns die fünf Platten zu nennen, die sein Leben verändert haben. Er seufzt erstmal. "Fünf ist schwierig", sagt er. Er krault seine taube französische Bulldogge Missy, die zu seinen Füßen schläft. Aber dann versucht er es doch.

Die Toten Hosen: "Learning English"

"Das ist das Album mit Coverversionen, das die Band 1991 herausgebracht hat. Ich habe bis zu dem Zeitpunkt erst AC/DC, dann Sepultura und Slayer gehört. Dieses Album wurde mir in Düsseldorf-Garath beim ehemaligen Karstadt von einer Verkäuferin empfohlen. Es hat mich komplett umgehauen. Ich war völlig überrascht von dieser Musik. Das erste Lied auf der Platte ist ,Blitzkrieg Bop' von den Ramones. Das hat für mein künftiges Leben alles verändert. Ich fand in dem Lied Härte und Melodie. Und ich habe die Attitüde des Punk kennengelernt, das Do-It-Yourself, das Unabhängige. Ich habe mich vollkommen verliebt, das hat Welten verschoben."

Various Artists: "Burning Ambitions II. A History Of Punk"

"Das ist ein Punk-Sampler aus den frühen 90er Jahren. Das Besondere: Die Lieder, die mir am meisten gefallen haben, finden sich am Ende. Das sind sehr dunkle und melodiöse Stücke. New Model Army waren da mit ,Vengeance' zu hören. Die Violators mit ,Summer of '81', und von The Blood gab es ein ziemlich hartes Lied: ,Megalomania' mit diesem schönen pathetischen Klavier-Intro. Diese Songs waren eine große Inspiration für mich. Das zeigt sich ja heute noch immer wieder bei den Broilers."

The Clash: "London Calling"

"Klassiker von 1979. Bei The Clash waren es die Lieder von Mick Jones, die mir immer am besten gefallen haben. Er war für die poppigeren Teile des Clash-Werks zuständig."

Bruce Springsteen: "Born In The USA"

"Der Boss trat relativ spät in mein Leben. Erst 2007, glaube ich. Ich fand damals im Hausflur einen Stapel Vinyl-Scheiben. Die hatte meine Nachbarin aussortiert, und es war ,Born In The USA' dabei. Ich habe die Nachbarin gefragt, ob sie die Platten wegwerfen will. Sie sagte ja, und ich habe gefragt, ob ich sie haben kann. Antwort: Darfste. Ich habe dann aus Spaß einfach mal ,Born In The USA' aufgelegt. Aus Spaß deshalb, weil Springsteen ja der Feind war damals. Dieses Cover mit der amerikanischen Flagge: Ich dachte, das ist irgend so ein verrückter Patriot. Ich habe mit der zweiten LP-Seite angefangen, die mit ,No Surrender' beginnt, und das Lied ist fast ein Punk-Song. Das hat mich kalt erwischt. Ich habe mich vollkommen in Bruce Springsteen verliebt. Ich habe seine Attitüde verstanden, ich habe verstanden, dass er politisch viel näher bei mir ist, als ich dachte. Ich habe dann alle Platten von ihm nachgekauft und wirklich obsessiv Springsteen verehrt."

Max Richter: "Vivaldi. The Four Seasons"

"Diese CD ist in der Recomposed-Reihe bei der Deutschen Grammophon erschienen. Es gibt sie immer mal wieder als Nice-Price-Ausgabe für wenig Geld. Sie hat extrem viel für mich verändert. Jeder sollte sich mal die ersten beiden Stücke anhören. Wen die kalt lassen, der hat kein Herz. Dieses Intro! Mein Gott!"

Quelle: RP
 
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