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Düsseldorf
Die Normalos und der Freak

Düsseldorf. Das Bühnenstück, das der Spanier Ramon del Valle-Inclan 1920 geschrieben hat, beginnt dort, wo viele andere Stücke enden. Denn in "Worte Gottes" geht es um einen geistig und körperlich behinderten Menschen, der von seiner Mutter über Jahrmärkte und religiöse Veranstaltungen gekarrt wird, um dort Almosen für und mit ihm zu erbetteln. Englische Bettlerinnen haben im 18. Jahrhundert ihre Kinder geblendet, um den Mitleidsfaktor zu erhöhen - Filme wie "Freaks" von Tod Browning oder "The Elephant Man" von David Lynch haben solche aus der Norm Fallenden zum Mittelpunkt gemacht. "Worte Gottes" beginnt jedoch mit dem Tod der leiblichen Mutter, und sogleich entbrennt ein Erbschaftsstreit der beiden Schwestern der Verstorbenen, denn der Sohn, der "Freak", verspricht ihnen eine lohnende Einnahmequelle. Von Thomas Hag

So offenbaren sich im Laufe der Zeit die Deformationen der "normalen" Gesellschaft, die sich in diesem Fall aus einem Milieu zwischen Katholizismus und Aberglauben speist. Ein weißes Kreuz auf schwarzem Grund und eine Anzahl von Totenlichtern geben den Tonfall vor, bigotte Klageweiber, ein schwacher Küster und eine Gesellschaft zwischen Anteilnahme und Überwachung sind Zeugen des Geschehens. Eine unverblümte Sprache wird schlagkräftig eingesetzt. Dass der "Freak" später auch stirbt und sein hin- und hergeschobener Leichnam schließlich von den Schweinen angefressen wird, ist nicht nur ein Schockeffekt. Benutzt worden ist der Kerl auf die eine oder andere Weise von Geburt an bis zum Tode.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler des Seta (Seniorentheater in der Altstadt), stürzen sich mit ihrer neuen Leiterin Kathrin Sievers voller Enthusiasmus in das Stück, das zwischen Schwank und Satire pendelt. Bodo von Borries als behinderter Sohn oder Gabriele Pickart Alvaro stechen aus dem Ensemble heraus, das darüber hinaus noch ein Schlaglicht auf eine aktuelle Diskussion wirft. Denn in vielen Kunstsparten wird das Thema Bühnenperformance und Alter zurzeit thematisiert. Das Seta zeigt exemplarisch, dass das Alter in vielen Fällen wirklich nur eine Zahl ist.

Quelle: RP
 
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