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Fotografien aus Düsseldorf
Die Poesie der Zwischenräume

Fotografien aus Düsseldorf: Die Poesie der Zwischenräume
Das passt schon: Der Düsseldorfer Flaneur Markus Luigs blickt auf die Stadt, hier ist es der Alltag der Pendler in der U 79. FOTO: LUIGS
Düsseldorf. Der stadtbekannte Flaneur Markus Luigs versammelt in seinem Fotobuch ungewöhnliche Ansichten von Düsseldorf. Von Philipp Holstein

Vielleicht kann man dieses Buch als Zeitkapsel bezeichnen. Als einen Behälter, der Ansichten, Eindrücke und Atmosphären konserviert und in die Zukunft rettet. In den Grundstein eines neuen Hauses werden solche Behältnisse eingemauert, gleichsam als Flaschenpost für künftige Generationen. Wer dereinst die Fotos von Markus Luigs findet und betrachtet, wird einen guten Eindruck davon bekommen, wie es sich anfühlte, in Düsseldorf zu leben.

Markus Luigs ist ein Flaneur. Ein Perlentaucher. Und: ein Augenöffner. Er lehrt die Menschen, auch mal nach oben zu schauen, wenn sie durch die Straßen gehen. Er lehrt sie, den Blick nicht nur schweifen zu lassen, sondern hinzusehen - nur so lässt sich erkennen, dass diese Stadt ziemlich schön ist, sehr besonders und manchmal auch schräg. Luigs verhilft dem Unscheinbaren zu seinem großen Auftritt.

Herrenmoden Edelmann an der Kölner Straße in Oberbilk. FOTO: MARKUS LUIGS

Luigs nimmt sich jeden Tag 15 Minuten Zeit, um ein Stück Stadt abzuschreiten, meist in der Mittagspause. Dann verlässt er sein Designbüro an der Mülheimer Straße. Immer hat er seine Kamera dabei. Menschen tauchen auf seinen Fotografien selten auf, aber sie sind doch anwesend, weil sie Spuren hinterlassen haben. Luigs ist interessiert an den Zwischenräumen, an den Lücken zwischen Körpern und Gebäuden. Sein Sujet ist das Flüchtige, man könnte auch sagen: das Aroma dieser Stadt. Er ist der Dokumentarist des Transit, und Düsseldorf mutet in seinen Arbeiten bisweilen exotisch an, aber durchaus deutsch. Sein Düsseldorf ist ein vergangenheitsseliges Dorf, das an der urbanen Gegenwart teilhat.

Luigs ist stark an Strukturen interessiert, das sieht man seinen Fotos an. Er mag Linien, er mag das Klare. Er findet diese Ordnung überall, und das Schöne daran ist, dass die abwesenden Menschen diese Ordnung stets nur als Gerüst benutzen, das sie individuell verzieren. Der Rheinländer macht es sich halt gern gemütlich in der Sachlichkeit.

Insofern ist der Fotograf Markus Luigs auch Ethnologe. Die Ansichten, die er von seinen Spaziergängen durch die Stadt mitbringt, sind Zeitschriften. Aneinandergelegt ergeben sie eine Chronologie der verwehten Zeit. Insofern wirkt Luigs nicht so sehr als Stadtführer, sondern vielmehr als Stadt-Aufspürer.

Die Kabine der DEG in der Eishalle an der Brehmstraße. FOTO: Markus Luigs

Vielleicht werden sich die Menschen der Zukunft fragen, ob es damals in Düsseldorf echt so gewesen ist wie auf den Bildern von Markus Luigs. Und wenn man je die Gelegenheit dazu bekommen sollte, würde man den Menschen dann dieses zurufen: Ja, genauso fühlte sich diese Stadt an.

Quelle: RP
 
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