| 07.32 Uhr

Konzert in der Esprit Arena in Düsseldorf
Die Toten Hosen triumphieren bei Tour-Finale

Düsseldorf: Tote Hosen begeistern in der Esprit Arena
Düsseldorf: Tote Hosen begeistern in der Esprit Arena FOTO: dpa, Henning Kaiser
Düsseldorf. Die Band beendete mit zwei ausverkauften Auftritten in der Düsseldorfer Esprit-Arena ihre Tournee. Die Auftritte bilden den Höhepunkt einer Musikerkarriere, die im 30. Jahr so erfolgreich ist wie nie zuvor. Von Philipp Holstein

Dieser Abend gehört zu den großen Konzertereignissen der Saison, der Auftritt der Toten Hosen Freitag in der Esprit Arena war großartig. Erster Höhepunkt: Campino sang "Paradies", brach ab, hatte den Text vergessen. "90 Prozent von euch kennen unsere Lieder besser als ich", sagte er. Dann holte er ein Mädchen aus der ersten Reihe auf die Bühne, Lisa aus Wuppertal, sie sollte den Song zu Ende bringen. Lisa trug Zahnspange, rief "Hallo Deutschland!" ins Mikro und sang den Song tatsächlich zu Ende. Zum Dank übergab Campino Lisa der Menge, sie wurde auf Händen getragen, zu ihrem Platz durchgereicht.

Das ist ja das Großartige an den Toten Hosen, dass sie inzwischen so genau wissen, wie man Stadionkonzerte inszeniert. Vor Beginn spielen sie "Blitzkrieg Bop" von den Ramones, das ist das Signal, dann lassen sie die Versammelten "You'll Never Walk Alone" singen, und wer zu diesen Titeln die Halle betrat oder vom Bierholen zurückkehrte, spürte eine Aufregung unter den 47.000, verheißungsvolles Angespanntsein. Alle saßen da, von Kö bis Rethelstraße: Männer, die sich rasch das nagelneue Tote-Hosen-T-Shirt über den Anzug zogen, in dem sie eben noch Konferenzen leiteten. Mütter, die damals nicht zu den Weihnachtskonzerten ins Tor 3 gegangen sind, weil sie die Band irgendwie doof fanden, heute aber dabei sind, weil die Kinder die Gruppe so mögen und nun mit dicken Ohrenschützern, wie Bauarbeiter sie tragen, auf der Tribüne standen. Bienenkorb, großes Gesumme, gleich wird zugestochen.

Musikhauptstadt Düsseldorf

Campino sang "Ballast der Republik", man merkte der Band an, dass der Abend besonders werden sollte, der Sänger schrie die Endsilben der Verse geradezu. "Wir waren in Berlin, in Bayern und in Köln", rief er, "aber hier gehören wir hin." Jubel, natürlich. Dann sang er "Auswärtsspiel".

Bitte bedenken: "Krach der Republik" ist die erfolgreichste Tour, die es in Deutschland je gab. 1,5 Millionen Zuschauer haben sie erlebt, und wenn man noch einrechnet, dass "Tage wie diese" als alternative Nationalhymne gilt, darf man ruhig mal sagen, dass Düsseldorf die Musikhauptstadt Deutschlands ist.

Vom ersten Stück an hatten die Toten Hosen die Halle im Griff, im Innenraum herrschte nie Ruhe, Fahnen, Bengalos, und auch auf den Rängen mochte niemand sitzen bleiben. Schreckmoment dann bei "Bonnie & Clyde": Campino brach ab, er habe Zeichen bekommen, dass vor der Bühne jemand gestürzt sei - aber dann war alles wieder gut. Bei "Hier kommt Alex" stand er mit nacktem Oberkörper da, stürzte sich ins Publikum, auch das ist Tradition. Vor dem letzten Drittel des Abends zog die Band um, spielte auf einer kleinen Bühne auf Höhe des Elfmeterpunkts eine Handvoll Klassiker: "Opel-Gang", "Bofrost Mann", "Hang On Sloopy".

Vielleicht das faszinierendste an dieser Band ist die Leichtigkeit, mit der sie den Bogen von den Anfängen bis heute schlägt. Es liegen Welten zwischen einem Titel wie "Modestadt Düsseldorf" von 1982 und "Tage wie diesen", aber man merkt das nicht, weil die Haltung dieselbe ist und die Dame mit Pelzjäckchen und viel zu hohen Schuhen glücklich neben dem zufriedenen Kerl feiert, der in Fliegerjacke mit dem Schriftzug der Band Social Distortion gekommen ist.

Zugabe im Fortuna-Trikot

Zu "Tage wie diese" schossen sie Konfetti und Luftschlangen unter das Dach der Arena, und manchem mag in diesem Moment klar geworden sein, wie einflussreich diese wenigen Jahre im Ratinger Hof gewesen sind, wie groß das jetzt geworden ist. Campino widmete "Europa" den Menschen, die vor Lampedusa ums Leben kamen, er sang "Heute hier, morgen dort" von Hannes Wader, "Schrei nach Liebe" von den Ärzten und "Far Far Away" von Slade. Er sang "Alles aus Liebe", trat für die Zugaben im Fortuna-Düsseldorf-Trikot vor die Fans, und "Zehn kleine Jägermeister" dichtete er um: "Fünf kleine Jägermeister wollten Steuern sparen, Hoeneß wurde eingelocht, das waren's nur noch vier."

Wunderbar: Campino stellte die Band vor und sagte über Schulfreund Breiti: "Er wurde auf einer Tankstelle groß, und einmal sagte er mir in Biologie: Ich habe ständig Angst, dass das Ding explodiert." Großer Abend also, ein Stadionkonzert nahe an der Perfektion, der Triumph der Heimkehrer. An den Merchandising-Ständen wurden Jacken verkauft, darauf stand hinten dies zu lesen: "Drei Kreuze, dass wir hier waren."

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