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Düsseldorf
Die verschwenderische Kurfürstin

Düsseldorf. Sie machten Düsseldorf zu einer glanzvollen Kulturmetropole von europäischem Rang: Kurfürst Johann Wilhelm (Jan Wellem) von der Pfalz (1658-1716) und seine zweite Frau Anna Maria Luisa de Medici (1667-1743). In der Außenwirkung der großen Politik mag die Kurfürstin im Schatten ihres Ehemannes gestanden haben, doch was den künstlerischen Sachverstand und die Freude an höfischer Prachtentfaltung betraf, stand sie dem Regenten in nichts nach. Sie beriet ihn beim Aufbau der Gemäldegalerie und bei der Ausstattung von Schlössern, so dass das Vierteljahrhundert, in dem sie in Düsseldorf residierte, auch im eigentlichen Wortsinn als "goldene Epoche" bezeichnet werden kann. Bisher war wenigen bekannt, dass die Abrechnungen in ihrer Privatschatulle sich im Staatsarchiv Florenz vollständig erhalten haben. Nach zweijähriger Arbeit ist es nun Jürgen Rainer Wolf, ehemaliger Direktor des Sächsischen Staatsarchivs, gelungen, die 4600 Einträge in einer dreibändigen Buchpublikation von rund 1500 Seiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Von Barbara Steingiesser

"Anna Maria Luisa de Medici hat viel Geld ausgegeben", sagte Oberbürgermeister Thomas Geisel, als ihm das Werk von Benedikt Mauer, dem Leiter des Stadtarchivs und Stellvertretenden Vorsitzenden des Düsseldorfer Geschichtsvereins, übergeben wurde, "nämlich eine Million Reichstaler. Umso mehr freue ich mich als sparsamer Oberbürgermeister, dass der Autor keine Rechnung gestellt, sondern ehrenamtlich gearbeitet hat."

Die größte Investition der Kurfürstin belief sich auf 6000 Reichstaler für Juwelen, die kleinste auf 15 Kreuzer für Reparaturen. Zum Vergleich: Ein Haus am Rhein kostete 450 Reichstaler. Über die Stichwörter im Sachregister, von "Ablass" bis "Zwerg" - dieser wurde für 50 Reichstaler an den Hof gebracht -, lässt sich erschließen, was der Kurfürstin lieb und teuer war. Bereits ein Blick in den Registerband zeigt, dass es sich nicht nur um ein Werk von historischem oder kunsthistorischem Interesse handelt.

Quelle: RP
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