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Düsseldorf
Die Verwandlung

Düsseldorf. Robert Wilsons Inszenierung von E.T.A. Hoffmanns "Sandmann" bedarf hoher Kunst in der Maskenbildnerei. Wir haben zugeschaut. Von Regina Goldlücke

Die weiße Grundierung hat Christian Friedel schon im Gesicht, als er in seiner Garderobe von der spannenden Arbeit mit Regisseur Robert Wilson erzählt. Es ist 17.30 Uhr. Der Schauspieler wartet darauf, in die Maske gerufen zu werden. Am Abend steht die erste von vier Voraufführungen einer besonderen Inszenierung an: "Der Sandmann" (nach dem Schauermärchen von E.T.A. Hoffmann) wird ausnahmsweise am Gustaf-Gründgens-Platz gezeigt.

Mitten in der Bauphase hat das vielköpfige Team um den amerikanischen Theaterzauberer im Stammhaus Einzug gehalten. Im Treppenhaus riecht es staubig. Aber die erste Etage mit Maskenraum, Garderoben und provisorischer Küche ist frisch renoviert. Im Flur hängen die Kostüme. Einige Schauspieler sind bereits fertig geschminkt und angekleidet. Friedel trägt noch seinen Bademantel. Als Hauptfigur Nathanael ist er in fast jeder Szene im Einsatz. "Ich bin hochkonzentriert", beschreibt er seine Gemütsverfassung. "Und ich freue mich darauf, heute erstmals einen kompletten Durchlauf zu erleben, zusammen mit dem Publikum."

Häufig spielt er in Dresden, hier ist er Gast im Ensemble - und begeistert von Wilsons einzigartiger Form und Ästhetik. "Wir hatten eine lange und komfortable Probenphase. Bob bereitete uns Schauspielern einen großen Kinderspielplatz, wir durften uns richtig austoben. Das war toll, weil ich doch so gerne singe, tanze und mich bewege." Für ihn sei es neu und faszinierend gewesen, derart präzise am Stück entlang zu arbeiten. Nicht immer war ihm sofort klar, was der Regisseur meinte. "Doch dann spürte ich, wie genial er Atmosphären und Assoziationsräume bauen kann." Friedel betraute er mit einer Spezialaufgabe. Er sollte in dem fast verloren gegangenen hohen Schauspieler-Ton sprechen und ihn mit Aufnahmen des legendären Mimen Alexander Moissi (1879-1935) einstudieren.

Inzwischen ist es 18 Uhr, Friedels Platz in der Maske ist nun frei. Wir dürfen ihn begleiten. Auf ihren Schminkstühlen sitzen mit geschlossenen Augen die Schauspielerinnen Rosa Enskat und Lou Strenger. Es ist ganz still, nur selten wird geflüstert oder gar ein lauter Satz gesagt. Einmal fragt Friedel: "Rosa, hast du vorhin geschlafen?" "Nein, die Lieder gehört. Und du?" "Auch nicht. Den Text memoriert." Sein Gesicht ist jetzt noch weißer, die Brauen sind verschwunden. Maskenbildnerin Gesa Gerwig malt sie neu und hebt sie dick, dunkel und dreieckig hervor, was ihm einen erstaunten bis bekümmerten Ausdruck verleiht. Intendant Wilfried Schulz schaut herein, klopft dem Hauptdarsteller kurz auf die Schulter, geht wieder hinaus. Etwas später folgt Wilson und beäugt die halb geschminkten Schauspieler. Auch er sagt kein Wort, lächelt aber.

Auf die Wangen von Christian Friedel kommen nun rosafarbene Schatten, aufs obere Augenlid ein dichter Wimpernkranz. Die von Natur aus üppigen Lippen des Schauspielers werden überdeckt und zu einem dunkel umrandeten schmallippigen Mund gestaltet. Make-up-Designerin Manu Halligan betrachtet das fertige Werk und regt an: "Vielleicht noch einen Millimeter an die eine Braue anbauen?" Zum Schluss wird ihm eine orangefarbene Perücke mit steifen Haarspitzen übergestülpt. Um 19.25 Uhr verlässt Friedel nach anderthalb Stunden die Maske und zieht sein erstes Bühnenkostüm in leuchtendem Rot an.

Im Foyer plaudert derweil das Publikum, mittendrin Wilfried Schulz. "Meine erste Vorstellung als Intendant am richtigen Platz", sagt er. "Ein komisches Gefühl, als ob ich in Düsseldorf ein zweites Mal anfange. Einerseits bin ich froh, aber doch auch wehmütig, weil bis zur Rückkehr noch ein weiter Weg vor uns liegt." Das große Haus ist gut gefüllt. Bevor Wilson am Regiepult Platz nimmt, begrüßt er die Zuschauer: "Wie schön, in ihre lächelnden Gesichter zu sehen. Sie werden etwas Spezielles erleben, fertig sind wir noch nicht. Bitte geben Sie den Technikern, den Musikern und den Schauspielern ihre Unterstützung. "

Quelle: RP
 
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