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55 Dinge, Die Nur 30 Minuten Von Düsseldorf Entfernt Sind
Die Welt der Chemie entdecken

55 Dinge, Die Nur 30 Minuten Von Düsseldorf Entfernt Sind: Die Welt der Chemie entdecken
Mitarbeiter Niels Sijben erklärt bei den Rundfahrten durch den Chempark die Funktion der Anlagen. FOTO: l. berns
Düsseldorf. Im Chempark Dormagen werden Edelgase und Acrylfaser hergestellt. Besucher können bei Führungen hinter die Kulissen des mächtigen Industrieparks blicken.

Wer durch den Chempark Dormagen fährt und die Gedanken schweifen lässt, könnte sich im Filmklassiker Mad Max mit Mel Gibson wähnen. 100 Kilometer Rohrleitungen winden und verknoten sich, es dampft, zischt und raucht aus Schornsteinen und Düsen. Kurz: Es sieht nach Zukunft aus. Und ein wenig ist es auch das, woran im Chempark getüftelt wird: an Produkten für die Zukunft.

Mitarbeiter Niels Sijben lässt den Blick über die Industriekulisse schweifen. Dann sagt er: "Etwa 2000 verschiedene Produkte und Vorprodukte werden hier hergestellt." Seit dem Jahr 1917, als in Dormagen Schwefel- und Pikrinsäure für die Sprengstoffproduktion hergestellt wurde, hat sich viel getan im Chempark. Zunächst hat er sich als die "Seidenspinne des Niederrheins" etabliert: 27 große Faserbetriebe haben unter anderem den Stoff hergestellt, aus dem in weiteren Arbeitsschritten Nylonstrümpfe gemacht werden.

Heute arbeiten etwa 9400 Beschäftigte am Standort Dormagen. 30 verschiedene Unternehmen und 60 Betriebe sind auf dem Gelände untergebracht. Produziert werden dort Edelgase genauso wie Acrylfasern: Der Produktionsschwerpunkt des flächengrößten Standortes liegt auf der Entwicklung und Herstellung von Pflanzenschutzmitteln, Polymeren, Kunststoffen und Kautschuken. Die bekanntesten Arbeitgeber sind Bayer mit ihrer Kunststoffsparte MaterialScience und dem Pflanzenschutzbereich Crop-Science sowie Lanxess. Diese beiden Firmen sind es auch, die die Gesellschaft Currenta als Verwalter des Chemparks gegründet haben.

Die größte Hoffnung für die Zukunft war bis ins vergangene Jahr ein Betonfundament, umstellt von Zäunen. Arbeiter mit leuchtenden Sicherheitshelmen wuselten auf der Baustelle umher, ein knallroter Kran mit der Aufschrift "Colonia" stand dort einsatzbereit. Ein Fahrstuhlschacht ragte in den Himmel. Wo früher das alte Kraftwerk stand, befindet sich nun eine TDI-Anlage. Bayer MaterialScience produziert die Chemikalie Toluylen-Diisocyanat - ein Bauschaum, aus der Autositze hergestellt werden oder Matratzen.

"Aufgebaut ist der Chempark nach dem sogenannten Zwiebelschalen-Modell", erklärt Niels Sijben. Innen stehen die Produktionsbetriebe, außen die Lagerflächen. Die Infrastruktur im Chempark ist gigantisch. Eine Eisenbahnlinie fährt über das zweigeteilte Gelände, Lkw werden im Minutentakt abgefertigt, es gibt eine eigene S-Bahn-Station.

3,7 Quadratkilometer groß ist das Gelände, ohne Ineos, die ehemalige Erdölchemie, deren brennende Fackeln von der Autobahn zu sehen sind, wenn überschüssiges Gas verbrannt wird. Für den Brandschutz ist gesorgt. Sijben: "Zwei Feuerwachen beherbergt der Chempark." Jens Krüger

Quelle: RP
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